Arbeitslose auf dem Abstellgleis: Das AMS
"parkt" Jobsuchende oft in sinnlose Kurse

FORMAT: Statistik durch Lehrgänge aufgebessert Kurse häufig nicht an Teilnehmerniveau angepasst

Heute muss Herbert Schmidt schallend lachen, wenn er an seine AMS-Erfahrungen zurückdenkt. Nach seinem Grafik-Design-Studium hoffte er, im Herbst 2008 mithilfe des Wiener Arbeitsmarktservice einen Job zu finden, musste aber bald feststellen, dass Service und professionelle Beratung manchmal nur auf der Stempelkarte stehen. Als die Jobsuche mangels Angeboten nicht auf Anhieb klappte, wurde ihm ein Kurs verordnet. Er landete für drei Wochen in einem Kochkurs. Das war die einzige Möglichkeit, sagt Schmidt: „In den anderen Bereichen war ich weit über das Anfängerniveau hinaus.“

Arbeitslose auf dem Abstellgleis: Das AMS
"parkt" Jobsuchende oft in sinnlose Kurse

Findet das Arbeitsmarktservice für seine Kunden keinen Job, schickt es die Arbeitslosen in Kurse. Das verschönert die Statistik – doch sinnvoll ist es vielfach nicht. Derzeit stehen beim AMS schon weit mehr Menschen Schlange als im vergangenen Herbst: Die Arbeitslosigkeit steigt, schon im April waren um 25 Prozent mehr arbeitslos als im Vorjahr – 258.240. Rechnet man jene dazu, die in Schulungen stecken, sind 322.409 Menschen in Österreich ohne Arbeit. Auf das AMS kommt ein Ansturm von Jobsuchenden zu. Und ein guter Teil davon wird in Kursen verschwinden. Denn wer geschult wird, scheint in der Statistik nicht auf.

Immerhin: Das Budget wurde aufgestockt, heuer bekommt das Arbeitsmarktservice eine Milliarde Euro anstelle der 880 Millionen im letzten Jahr. Es wird allerdings auch großzügig ausgegeben: Rund 700 Millionen sind für die Qualifizierung reserviert. Der Großteil dieser Kurse bietet Stapler-Führerscheine, EDV- oder Sprachkurse, Buchhaltung und Ausbildungen zur Heimhelferin. 15 Prozent fließen in Coachings und Bewerbungstrainings. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, entpuppt sich in der Praxis allerdings oft als Humbug. Der 24-jährige Michael G. etwa langweilt sich seit drei Wochen bei EDV-Basics, obwohl er mit dem Computer bereits als Kind umgehen konnte. Einziger Nutzen: „Mein Auftritt bei Facebook hat jetzt zahlreiche Einträge mehr.“

Unbeliebte Aktivierung
Mit solchen Kursvergaben konfrontiert, gesteht AMS-Geschäftsführer Johannes Kopf „klare Fehler, die korrigiert werden“ ein und erklärt: „Bei den großen Mengen an Kunden im großstädtischen Bereich und der knappen Zeit gelingt die individuelle Beratung nicht immer in der Qualität, wie wir uns das wünschen.“ Die passende Verteilung der Kursmaßnahmen bleibt demnach in manchen Fällen auf der Strecke.

Am unbeliebtesten sind Kurse zur „Aktivierung“, die auch unter dem Titel Jobcoaching oder Bewerbungstraining laufen. Manchen nützt das – viele langweilen sich. Trotz all dem gilt: Die Kurse müssen besucht werden – wer sich weigert, dem wird der Bezug gestrichen. Auch wenn ein Kurs manchmal nur einen einzigen Zweck hat, wie Kopf zugibt: die Leute daran zu hindern, sich in ihrer Arbeitslosigkeit gemütlich einzurichten.

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