Arbeitnehmervertretung von

Kein Bedarf
an Jugend

Arbeitnehmervertretung - Kein Bedarf
an Jugend
© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Die Regierung hat schon vor sieben Monaten festgehalten, dass sie die Jugendvertrauensräte abschaffen wollen.

Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann darauf, dass die türkis-blaue Koalition ihr Regierungsprogramm Punkt für Punkt umsetzt. Wer sich nun also über Überraschungen beschwert, hat das 182 Seiten starke Übereinkommen offenbar nicht genau genug gelesen. Immerhin haben Kanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache schon vor sieben Monaten festgehalten, dass sie die Jugendvertrauensräte abschaffen wollen.

Diese gesetzlich verankerten Arbeitnehmervertreter gibt es seit 45 Jahren, sie sind Vermittler zwischen Arbeitgeber und jungen Mitarbeitern bis 21 Jahre. Nun scheint die Regierung zu glauben, dass es diese aktuell 1.500 Personen -die ähnlich kündigungsgeschützt wie Betriebsräte sind - nicht mehr braucht. Sie bietet, quasi als Kompensation, die Herabsetzung des Wahlrechts bei Betriebsratswahlen von bisher 18 auf 16 Jahre an. Alle Beschäftigten zwischen 14 bis 16 bleiben damit allerdings ohne Betreuung.

Wann die Maßnahme umgesetzt werden soll, ist noch offen. Im Kabinett von Sozialministerin Beate Hartinger-Klein ist die Rede davon, dass man die Jugendvertrauensräte "innerhalb der Regierungsperiode ersetzen" wolle. Ein detaillierterer Zeitplan wird nicht genannt.

Der Vorsitzende der SPÖ-Fraktion im ÖGB und Chef der Metallergewerkschaft, Rainer Wimmer, ist davon überzeugt, dass das Ende der Jugendvertrauensräte "sowieso über Nacht" kommen wird. Für den Gewerkschaftsvertreter ist es nur eine von vielen Maßnahmen, die das Sozialsystem schwächen sollen: "So werden dem Baum die Wurzeln abgeschnitten: heute ist der Jugendvertrauensrat weg, morgen der Betriebsrat, übermorgen reißt sich vielleicht jemand die Demokratie unter den Nagel."

So weit wollen andere Funktionäre (noch) nicht gehen. Zwar wird allgemein bedauert, dass offenbar kein Bedarf mehr an jugendlichen Personalvertretern besteht, eine echtes Problem sieht jedoch kaum jemand darin. Wenn etwas ärgerlich sei, dann schon eher, dass Arbeitnehmervertretern ein Karriereschritt verbaut werden könnte. Immerhin haben sowohl der Gewerkschaftspräsident Wolfgang Katzian wie auch der frühere Arbeiterkammer-Chef Rudolf Kaske ihre Laufbahn als Jugendvertrauensrat begonnen.

Schade ist es trotzdem um die Jugendvertrauensräte. Und es verwundert, dass die Wirtschaft glaubt, auf Vermittler verzichten zu können, die mehr als nur einmal ein Problem unbürokratisch aus der Welt geschafft haben. Wie Betriebsräte übrigens auch.

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