Arbeit niedergelegt: Warnstreikwelle in der deutschen Metallindustrie wird ausgeweitet

Gefordert wird 5-prozentige Einkommenserhöhung Arbeitgeber sehen verantwortungsloses Handeln

Mit einer bundesweiten Warnstreikwelle haben bis zu 25.000 Metaller am Mittwoch ihrer Forderung nach höheren Löhnen Nachdruck verliehen. Mit Beginn der Nachtschicht legten Arbeitnehmer in allen Bezirken der IG Metall vorübergehend ihre Arbeit nieder, nachdem die Friedenspflicht im Tarifstreit ausgelaufen war.

Betroffen waren unter anderen DaimlerChrysler, BMW und Bosch. Die IG Metall fordert in der Tarifrunde fünf Prozent mehr Geld, einen Tarifvertrag über Qualifizierung und Innovation sowie eine neue Regelung der vermögenswirksamen Leistungen. Die Arbeitgeber haben bisher 1,2 Prozent mehr Geld sowie eine noch nicht bezifferte Einmalzahlung angeboten. Die vierte Runde der Verhandlungen startet am 6. April in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters forderte die Arbeitgeber vor rund 3.000 Beschäftigten von Ford in Saarlouis auf, "Schluss mit dem Kasperletheater" zu machen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Man sei nicht an einem Konflikt, sondern an Lösungen interessiert. Falls nötig, werde man den Konflikt jedoch nicht scheuen. Der IG-Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel, drohte in einem Interview mit einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik nach Ostern. Die Entscheidung könnte demnach bei einer Vorstandssitzung der Gewerkschaft am 24./25. April fallen.

Die Arbeitgeber plädierten indes ebenso für eine schnelle Lösung und betonten ihre Verhandlungsbereitschaft. "Wir haben eine deutliche Struktur für eine mögliche Lohnerhöhung in Aussicht gestellt", erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in Berlin. Zudem seien die Arbeitgeber grundsätzlich bereit, über den Vorschlag der IG Metall zur Wiedereinsetzung des Tarifvertrags für vermögenswirksame Leistungen zu verhandeln. Die von der Gewerkschaft organisierten Warnstreiks kritisierte der Gesamtmetall-Chef scharf.

Aus dem Bezirk Frankfurt, der Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Saarland umfasst, meldete die IG Metall insgesamt mehr als 15.000 Beteiligte. Allein bei der Frühschicht im Mercedes-Lkw-Werk im pfälzischen Wörth waren demnach rund 4.000 Beschäftigte im Ausstand. In Bayern erwartete die Gewerkschaft eigenen Angaben zufolge rund 12.000 Beschäftigte zu den Protestaktionen unter anderem bei MAN, Audi und BMW.

In Baden-Württemberg zählte die IG Metall bei DaimlerChrysler in Mannheim 4.000 Streikende, mehr als 700 waren es bei dem Unternehmen in Raststatt und Gaggenau. In Nordrhein-Westfalen legten laut Gewerkschaftsangaben in der Nacht rund 3.600 Beschäftigte aus zehn Betrieben kurzzeitig die Arbeit nieder. In Flensburg legten unter anderen 200 Mitarbeiter der Danfoss-Werke für eineinhalb Stunden die Arbeit nieder.

Im Osten begannen die Aktionen teilweise schon am Dienstag, weil hier keine Friedenspflicht gilt. Bei Opel in Eisenach stellten laut Gewerkschaft alle 350 Mitarbeiter der Nachtschicht die Produktion vorübergehend ein. In Sachsen hat die IG Metall an fünf Standorten zu Warnstreiks aufgerufen, unter anderem bei Bombardier in Bautzen.

(apa/red)