Work-Life-Balance von

Wo am längsten gearbeitet wird

Überstunden im Büro © Bild: iStockphoto.com/sanjeri

Die Österreichische Arbeiterkammer (AK) fordert aktuell eine Arbeitszeitverkürzung. Laut einer Umfrage von 2019 arbeiten 33 Prozent der Arbeitnehmer mehr als 40 Stunden in der Woche. Wie Österreich im Vergleich zu anderen Ländern in puncto Arbeitszeit und Work-Life-Balance abschneidet.

Laut einer Erhebung der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für insgesamt 39 Länder aus dem Jahr 2018 liegt Österreich unter dem Durchschnitt, was die pro Jahr tatsächlich geleisteten, durchschnittlichen Arbeitsstunden angeht. Spitzenreiter sind hier Mexiko, Costa Rica und Südkorea. Auch in Bezug auf die Wochenstunden liegen diese Länder weit über dem Durchschnitt. So wird in Mexiko im Durchschnitt über 45 Stunden pro Woche gearbeitet, in Costa Rica sind es 44,5. Noch mehr Wochenstunden leisten nur Arbeitnehmer in der Türkei mit 47 Stunden und in Kolumbien mit 47,7 Stunden. Einige Länder wie China oder Indien fehlen allerdings in der OECD-Statistik.

Wie viel in Österreich gearbeitet wird

In Österreich wird zum Vergleich durchschnittlich 35,6 Wochenstunden gearbeitet. Warum nur so wenig, fragen sich einige vielleicht an dieser Stelle? Das liegt unter anderem daran, dass in der OECD-Erhebung nicht nur die Vollzeitbeschäftigten erfasst werden, sondern auch Teilzeitarbeitsplätze (weniger als 30 Wochenstunden) und Saisonarbeiter - inklusive bezahlter und unbezahlter Überstunden. Zudem wurden alle Geschlechter- und Altersklassen zusammengefasst.

In Österreich arbeiten immerhin 20,4 Prozent Teilzeit, wie die OECD berichtet. Schaut man sich nur die Daten zu den Vollzeitbeschäftigten an, so arbeiten die Österreicher im Durchschnitt 40,2 Wochenstunden. Damit liegen sie gerade noch unter dem OECD-Schnitt von 40,3 Wochenstunden - aber immer noch weit entfernt von türkischen, kolumbianischen oder mexikanischen Vollzeitbeschäftigten, die durchschnittlich über 48 Stunden pro Woche arbeiten. Bei den Teilzeitbeschäftigten liegt Österreich mit 17,7 Stunden sogar über dem OECD-Schnitt.

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Diese Länder machen es vor

Die Länder mit den niedrigsten Wochenstunden sind die Niederlande, gefolgt von Dänemark und Norwegen. In Dänemark arbeiten Vollzeitbeschäftigte im Schnitt nur 37,2 Stunden pro Woche, in den Niederlanden sind es 37,3 und in Norwegen 38,0.

Dahin sollte laut einigen Experten auch der Trend gehen. Nicht zuletzt, weil in vielen Ländern die Schnelllebigkeit beziehungsweise der digitale Stress zugenommen haben und die ständige Erreichbarkeit via Smartphone, Whatsapp und Co. zusätzlichen Druck erzeugt. Krankheitsbilder wie Burnout nehmen auch in Österreich zu. Laut einer Studie der Arbeiterkammer Österreich (2017) sehen sich ein Drittel der Beschäftigten zumindest leicht burnoutgefährdet. Laut aktueller AK-Umfrage liegt die Wunscharbeitszeit derzeit bei 36 Stunden in der Woche. Wer mehr als 30 Stunden arbeitet, würde im Schnitt lieber reduzieren.

Die Länder mit den geringsten Arbeitsstunden sind auch jene Länder, die das Work-Life-Balance-Ranking der OECD anführen: Von insgesamt 40 erfassten Nationen liegen die Niederlande auf Platz 1, Dänemark auf Platz 3 und Norwegen auf Platz 7. Auch Deutschland hat es mit Platz 9 unter die Top 10 geschafft. Österreich liegt hingegen weiter abgeschlagen im hinteren Mittelfeld auf Platz 25.

Woran es in Österreich mangelt

Beurteilt wurde nach den Kriterien: Wohnverhältnisse, Einkommen, Beschäftigung, Qualität des sozialen Zusammenhalts, Bildung, Umwelt, Zivilengagement (politisches Engagement), Gesundheit, Lebenszufriedenheit und Sicherheit. Daraus wurde die geschätzte Work-Life-Balance ermittelt, also die Balance zwischen Berufs- und Privatleben.

Generell lassen die vorliegenden Daten laut OECD "darauf schließen, dass lange Arbeitszeiten die Gesundheit beeinträchtigen, die Sicherheit gefährden und den Stress erhöhen. 11 Prozent der Beschäftigten im OECD-Raum arbeitet 50 Stunden oder mehr pro Woche", heißt es in dem Report. Durchschnittlich würden vollzeitbeschäftigte OECD-Bürger 62 Prozent des Tages beziehungsweise 15 Stunden für ihre Grundbedürfnisse wie Essen und Schlafen und Freizeitaktivitäten verwenden. Frauen verbringen zwar tendenziell weniger Zeit in der Arbeit, hätten dadurch jedoch nicht zwingend mehr Freizeit.

Warum Österreich insgesamt weniger gut abschneidet, zeigt sich im Detail: Bei der Länge der Arbeitszeiten liegt Österreich unter dem OECD-Schnitt von 11 Prozent. Nur 6,7 Prozent der Arbeitnehmer haben sehr lange Wochenarbeitszeiten. Allerdings liegt Österreich mit 14,6 Stunden für Grundbedürfnisse und Freizeitaktivitäten unter dem OECD-Durchschnitt von 15,0 Stunden. Außerdem zeigen Erhebungen Defizite bei den Punkten Wohnen, Einkommen und Zivilengagement. So geben die Haushalte in Österreich durchschnittlich 20,9 Prozent ihres bereinigten verfügbaren Bruttoeinkommens für ihre Wohnung aus, der OECD-Durchschnitt liegt bei 20,3 Prozent. Das bereinigte verfügbare Haushaltsnettoeinkommen beträgt pro Kopf im Durchschnitt 33.541 US-Dollar pro Jahr, das liegt ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt. In puncto politisches Engagement zeigt sich ebenfalls, dass in Österreich eine Unzufriedenheit herrscht: In Österreich liegt der Level der Beteiligung von Interessensgruppen am Gesetzgebungsprozess unter dem OECD-Schnitt.

Relativ zufrieden zeigen sich die Österreicher hingegen in den Bereichen Lebenszufriedenheit, Sicherheit und Gesundheit.