Aragones gibt Spaniens Team einen Korb:
Auf Erfolgscoach folgt Vicente Del Bosque

"Luis, geh' nicht fort!", hatten die Spieler gefordert Abschied des "Weisen" bleibt aber unumgänglich

Aragones gibt Spaniens Team einen Korb:
Auf Erfolgscoach folgt Vicente Del Bosque © Bild: Reuters/Perez

Der Lobgesang wurde von den spanischen Spielern spontan angestimmt. In der Nacht nach dem EM-Finale, noch in Neustift im Stubaital, während des "Abendessens", wenige Stunden nach dem 1:0-Sieg im Finale der EURO 2008 gegen Deutschland. "Neuer Vertrag für Luis!", "Luis, geh' nicht fort!", skandierte die gesamte Mannschaft wiederholte Male. Es war eine laute, symbolische, sehr bezeichnende Geste zur Unterstützung von Teamchef Luis Aragones. Dennoch wird der bald 70-Jährige wohl gehen, Nachfolger Vicente Del Bosque steht bereits zur Unterschrift bereit.

Es war "ein Fest für Luis", schrieb die Tageszeitung "El Pais". Am Tisch saßen nämlich auch der Präsident des spanischen Fußballverbandes, Angel Maria Villar, und Sportdirektor Fernando Hierro. Das Verhältnis zwischen Aragones, aber auch dem gesamten Team, zu diesen Herren, ist etwas gespannt. Immerhin planten sie schon vor der EURO 2008 für die Zukunft. Den späteren Erfolgscoach Aragones hatten sie dabei nicht auf der Rechnung. Einen Tag vor dem totalen Triumph im Ernst-Happel-Stadion sagte dieser dann auch leicht verbittert: "Ich gehe, weil mich niemand gefragt hat, ob ich bleibe."

Auch beim enthusiastischen Empfang von "La Roja" in Madrid, der immerhin eine Million Menschen auf die Beine brachte, verfielen die Spieler und mit ihnen die Fans immer wieder in Lobeshymnen für "Luis". "El Pais" meinte: "Villar und Hierro müssen im Kontakt mit den Spielern und dem Teamchef nun bittere Momente hinnehmen. Die Mannschaft bringt auf diese Weise die Autorität zum Ausdruck, die sie sich jüngst erarbeitet hat."

Del Bosque, übernehmen Sie
Trotzdem dürfte alles so bleiben, wie es bereits Ende Mai vor der Abreise nach Österreich geplant worden war. Nach dem Abgang von Aragones wird bereits in der kommenden Woche Vicente Del Bosque einen Zweijahresvertrag unterschreiben und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der frühere Erfolgscoach von Real Madrid (Meister 2001, 2003 und Champions-League-Sieger 2000, 2002) soll die Mannschaft zu Beginn der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika übernehmen. Spanien trifft dabei in Gruppe 5 auf die Türkei, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Armenien und Estland. Auftakt ist am 6. September mit einer Partie gegen Bosnien-Herzegowina.

Der 57-jährige frühere Mittelfeldspieler von Real Madrid, der auch 18 Mal im spanischen Team zum Einsatz kam, wird jenen Betreuerstab mitbringen, der ihm schon in den Jahren 1999 bis 2004 bei den "Königlichen" zur Seite stand: Als Co-Trainer Toni Grande und Paco Jimenez, der auch die Beobachtung der Gegner übernehmen wird, und als Zuständigen für Konditionsfragen Javier Minano. Für die Spieler ist der neue Coach weitgehend ein Unbekannter. Lediglich Tormann und Kapitän Iker Casillas hat mit Del Bosque schon bei Real zusammengearbeitet.

Lob für neuen Trainer
Während Spaniens Presse nun noch die eine oder andere Träne über den Abschied von "Luis" verdrückt, wird bereits dem Mann mit dem Seehundschnurrbart der Hof gemacht. "Der ideale Nachfolger", schrieb etwas "As": "Der Wechsel wird nicht traumatisch sein, sondern ruhig. Weil das Modell kontinuierlich fortgesetzt wird, was allgemein akzeptiert ist. Der Abgang 'des Weisen' ist unvermeidlich und vielleicht ist es besser, dass er jetzt passiert, am Gipfel des Erfolges. Luis wird auf den Schultern durch die 'Puerta Grande' getragen und Del Bosque zollt ihm den Respekt als Meister."

Tatsächlich ist Del Bosque voll des Lobes für seinen Vorgänger: "Der Teamchef hat große Verdienste, weil er die Spieler gut ausgewählt hat und es geschafft hat, sie zum Triumph zu führen." Wobei der vermutlich neue "seleccionador" auch das bei der EURO so dominante Gemeinschaftsgefühl aufrechterhalten will: "Ich werde jetzt keine individuellen Spieler bewerten. Es ist eine verschworene Gruppe, die von Anfang an alles sehr gut gemacht und verdient gewonnen hat. Der Erfolg ist auch so wunderbar, weil die Mannschaft noch so jung ist."

Türkei, eine Verrücktheit
Der scheidende Coach ließ nach dem Ende der EURO 2008 nun übrigens erstmals durchblicken, dass er wohl tatsächlich bei Fenerbahce in der Türkei landen wird. "Das mit der Türkei" sei doch "eine Verrücktheit", meinte ein Reporter der Tageszeitung "ABC".

Die Antwort des bald 70-jährigen Aragones lautete: "Warum? Das ist Fußball. Es ist ein wirtschaftlich interessantes Angebot, das man nicht ablehnen kann. Ich fühle mich stark. Und so lange ich mich stark fühle und Angebote habe, werde ich trainieren. Ich weiß, dass ich zu einem großen Club mit einer heißen Anhängerschaft gehe." Laut spanischen Medienberichten bietet der türkische Spitzenverein Aragones mittlerweile bereits vier Millionen Euro jährlich, wenn er bis 2010 unterschreibt.

(apa/red)

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