AP-Fotograf seit 1 Jahr in Militärgefängnis im Irak: Weil Fotos nicht willkommen waren

US-Streitkräfte betrachten Hussein als Sicherheitsrisiko Bisher keine glaubwürdigen Beweismittel vorgelegt

AP-Fotograf seit 1 Jahr in Militärgefängnis im Irak: Weil Fotos nicht willkommen waren

Der Fotograf der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), Bilal Hussein, wird seit einem Jahr ohne Anklage in einem amerikanischen Militärgefängnis im Irak festgehalten. Der 35-Jährige wurde am 12. April 2006 in der Stadt Ramadi gefangen genommen. "Der 12. April ist ein trauriger Jahrestag für Bilals AP-Kollegen in aller Welt", sagte AP-Chefredakteurin Kathleen Carroll in New York.

Die US-Streitkräfte rechtfertigen Husseins Inhaftierung damit, dass sie ihn als Sicherheitsrisiko betrachten. Bisher seien aber keine glaubwürdigen Beweismittel vorgelegt werden, kritisierte der Anwalt der Nachrichtenagentur, Paul Gardephe. Der Jurist kehrte erst kürzlich aus dem Irak zurück, wo er im Camp-Cropper-Gefängnis in der Nähe des Bagdader Flughafens mehr als 40 Stunden mit Hussein sprechen konnte. "Bilal hat nichts getan, was ein Jahr Haft ohne Anklageerhebung rechtfertigen könnte", sagte Gardephe.

Die US-Truppen im Irak haben nach Informationen des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) Dutzende von Reportern gefangen genommen, die meisten von ihnen Iraker. Fast alle kamen nach kurzer Zeit wieder frei. Hussein sei der einzige, der so lange festgehalten werde, erklärte CPJ-Geschäftsführer Joel Simon.

Pentagon-Sprecher Bryan Whitman erklärte zu einer neuen Anfrage von AP, der Fall Hussein sei vier Mal überprüft worden, zuletzt im November vergangenen Jahres. Dabei sei jedes Mal festgestellt worden, "dass Hussein zwingend eine Bedrohung für die Sicherheit darstellt". Die US-Streitkräfte werfen Hussein Kontakte zu Aufständischen vor und haben erklärt, dass Fotos des Reporters mit dem Zeitpunkt von Anschlägen abgestimmt gewesen seien. Gardephe erklärte, dass er die mehr als 900 Fotos untersucht habe, die von Hussein in den 20 Monaten bis zu seiner Gefangennahme verbreitet worden seien. "Es gibt keine Fotos, die mit einer Explosion synchronisiert waren", sagte der Anwalt.

Hussein wurde nach seinen Angaben zuletzt im Mai 2006 vernommen. Er werde also wohl kaum festgehalten, um geheimdienstliche Informationen zu erhalten, sagte Gardephe. "Wir sind weiter der Auffassung, dass Bilal einfach deshalb festgehalten wird, weil seine Fotos aus der Unruheprovinz Anbar nicht willkommen waren", erklärte Chefredakteurin Carroll.

(apa/red)