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10 Antworten
zum Thema Diesel

Politik - 10 Antworten
zum Thema Diesel © Bild: apa/dpa/Jan Woitas

Früher wollte fast jeder einen "Diesel". Heute hadert jeder, dessen Auto mit diesem Treibstoff fährt, mit der Schadstoffund Spritdebatte. Doch ist der Diesel wirklich bald Geschichte?

Sie sind viele. 2,77 Millionen Personenkraftwagen mit Dieselantrieb bevölkern die heimischen Straßen, Parkplätze, Carboards und Tiefgaragen. Und es werden noch immer mehr. Denn ungeachtet der aktuellen Diskussionen über künstlich gesenkte Schadstoffwerte, mögliche innerstädtische Fahrverbote und künftige umfassende Verschrottungsaktionen steigen die Verkaufszahlen beim Diesel weiter an -2017 um plus 0,8 Prozent im Vergleich zu 2016.

Und so bleibt der Diesel bei insgesamt 4,9 Millionen österreichischen Privatfahrzeugen weiterhin die Nummer eins. Die heimischen Autofahrer mögen eben "ihren Diesel". Und es scheint so, als ob auch gute Gründe für diese Art des Antriebs sprechen: "Ein Diesel hat mit weniger PS eine bessere Performance als ein Benziner, ist günstiger im Verbrauch und beim Spritpreis und bietet zudem eine gute Betriebssicherheit", sagt Autohändler und WKÖ-Fachgruppensprecher Josef Schirak.

Und doch bleibt die Angst im Hinterkopf. Ist die Ära des Diesels aus ökologischen Gründen schon sehr bald zu Ende? Und was geschieht dann mit all den Fahrzeugen, die jetzt noch treue Dienste leisten? Die zehn wichtigsten Fragen zum Thema:

1. Verpesten Dieselautos tatsächlich unsere Umwelt?
Zum Teil leider ja. Der Schadstoffausstoß eines Pkw ist abhängig vom jeweiligen Baujahr und der zu dieser Zeit gültigen Schadstoffnormen (Details siehe Kasten rechts). Je älter das Auto ist, desto mehr Emissionen verursacht es. Die Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 4 gelten gemeinhin als nicht umweltfreundlich. Aber auch bei höheren Schadstoffk lassen wird die Umwelt auf jeden Fall bis zu einem gewissen Grad verschmutzt.

2. Warum war das Image von Dieselfahrzeugen früher so viel besser als heute?
Es geht ums Geld. Wer bisher einen Diesel kaufte, war bereit, einen höheren Anschaffungspreis zu zahlen und dafür vom geringeren Verbrauch und dem billigeren Spritpreis zu profitieren. Vor allem auf lange Sicht und für Vielfahrer machte diese Vorgehensweise durchaus Sinn. Tatsächlich denken viele Fahrer auch heute noch so, wenn man die kontinuierlich steigenden Diesel-Verkaufszahlen ansieht. Die Autoverkäufer versuchen nun, mittels Rabatten Benzinautos zu bewerben, wenngleich Schirak darauf hinweist, dass dies "gar nicht" zusammenhänge: "Solche Aktionen hat es immer schon gegeben, das hat weniger mit dem Diesel als viel mehr mit dem Wettbewerbsdruck im Autohandel zu tun."

3. Sollte man sich also schlecht fühlen, wenn man im Jahr 2018 einen neuen Diesel bestellt?
Gar nicht. Vorausgesetzt, man informiert sich. Denn die Tatsache allein, dass ein Fahrzeug der Schadstoffklasse 6 oder Euro 6d-TEMP angehört, entbindet den mündigen Käufer nicht davon, sich schlauzumachen, ob die angegebenen Werte auch stimmen können. Immerhin kommen 2,2 Millionen der in Österreich gefahrenen Autos von den deutschen Marken Volkswagen, Audi, Opel, BMW und Mercedes. VW -der Konzern, der sich gerade wegen seiner vermutlich geschönten Abgaswerte rechtfertigen muss -hat allein einen Marktanteil von 20,5 Prozent.

4. Aber der Kauf eines gebrauchten Diesel ist doch ein No-Go?
Nicht unbedingt. Auch hier ist die Schadstoffk lasse des Fahrzeugs wesentlich. Experten raten, sich aber Fahrzeuge mit mindestens Euro 5 zuzulegen. Außerdem gibt es Möglichkeiten, sein Dieselauto auf eine bessere Schadstoffk lasse umzurüsten, sagt ÖAMTC-Sprecher Bernhard Wiesinger (mehr auf Seite 63).

5. Wie gehen andere Staaten mit dem Diesel um?
Auf jeden Fall offensiver als hierzulande. In den Innenstädten von Peking, Brüssel, Paris, Köln, Berlin, Frankfurt und Oslo gilt bereits jetzt ein Fahrverbot für ältere Diesel. Madrid, Grenoble, Lyon und Athen wollen bis längstens 2025 sogar ein komplettes Fahrverbot für alle Dieselautos aussprechen.

6. Also kommen auch in Österreich Fahrverbote für Dieselfahrzeuge?
Nicht sehr bald. Fachgruppensprecher Schirak rechnet damit, dass wir "die kommenden 15 bis 20 Jahre mit dem Diesel weiterleben müssen bzw. können". Dies scheint vor allem daran zu liegen, dass es auch als politisch unpopulär gilt, den Österreichern "ihren Diesel" wegnehmen zu wollen. "Und das Klimaziel 2020 erreichen wir sowieso nicht", so Schirak.

7. Aber warum überlegen dann die Grazer eine Einschränkung und die Wiener nicht?
Das hat mit dem Wetter zu tun. Während der Grazer Kessel eine Konzentration der Schadstoffe begünstigt, weht der Wiener Wind alles aus der Stadt hinaus. Zudem verweist Verkehrsplaner Hermann Knoflacher im "Spiegel" auf bauliche Maßnahmen, die schon in der Vergangenheit den Wiener Individualverkehr zurückgedrängt und die Öffi s gestärkt hätten. Graz hingegen würde sich laut Bürgermeister Siegfried Nagl bis 2024 ein Diesel-Verbot wünschen.

8. Werden Dieselfahrzeuge dann überhaupt noch weiter produziert?
Zum Teil sehr wohl. Bislang hat nur Toyota bekanntgegeben, sich aufgrund von "geringerem Kundeninteresse" aus dem Dieselgeschäft weltweit zurückziehen zu wollen. Fiat und Volvo überlegen noch, während man bei Peugeot, Citroën und Opel abwarten will. Bei VW hingegen glaubt man hingegen weiterhin an eine Zukunft für den Diesel.

9. Aber sind nicht die Diesel-Lkw und nicht die privaten Pkw das eigentliche Problem?
Das ist gut möglich. Zahlenmäßig sind Lkw, Zugmaschinen und Sattelzugfahrzeuge laut Statistik Austria mit 935.028 Stück den 4,89 Millionen Pkw weit unterlegen. Ihre Schadstoffemissionen dürften diese jedoch weit übersteigen. Dennoch sind abseits des geltenden Nacht-, Sonn-und Feiertagsfahrverbotes keine weiteren Einschränkungen geplant.

10. Dann sind Elektroautos also doch die Zukunft der Automobilbranche?
Wahrscheinlich schon. Tesla gilt immerhin derzeit als Vorreiter einer besonders hippen neuen Autogeneration. Die alteingesessenen Hersteller kämpfen hingegen noch mit der Entwicklung von E-Antriebssystemen, die die gleichen Distanzen wie beim Diesel und Benziner garantieren. Die Batterien sind auch der Haken der ansonsten so umweltfreundlichen Autos. Laut "Guardian" landen die mehrere Hundert Kilo schweren Batterien auf der Sondermülldeponie. Und dort bleiben sie dann auch -nur fünf Prozent davon werden recycelt.

Der Beitrag erschien ursprünglich in der Printausgabe von News (Nr. 10/2018)