Spurlos verschwunden von

Reise ohne Wiederkehr

Der Vermisstenfall um den Steirer Anton Koschuh wird immer mehr zum Kriminalrätsel

Anton Koschuh © Bild: Privat

Es ist Montag, der 22. Juli 2013, 21.30 Uhr, als Anton Koschuh auf seinem Handy den Anruf eines Freundes entgegen nimmt. "Ich bin in Deutschland", erzählt der Steirer, "hab da am Wochenende eine Landschaftspflege-Ausstellung besucht." Und nun, so der 43-jährige Insektenforscher weiter, befinde er sich am Hamburger Hauptbahnhof, wo er soeben ein "überteuertes Ticket um 300 Euro" gekauft hätte. "So, und jetzt muss ich aufhören zu reden", sagt er noch, "denn mein Zug fährt bald los. Aber ich melde mich gleich bei dir, wenn ich in Graz bin. Und dann gehen wir ein Bier trinken. Am besten schon morgen."

Dieses Telefonat war das letzte, das Koschuh geführt hat. Niemand aus seinem Umfeld, nicht seine Familie, nicht seine Bekannten, nicht seine Geschäftspartner - haben danach von ihm gehört. Oder ihn gesehen.

Der Wissenschaftler gilt seit fast sechs Wochen als spurlos verschwunden. Sein Handy ist abgeschaltet. Auf seinem Bankkonto sind keine Abhebungen verzeichnet. Die Hintergründe seiner Abgängigkeit: ein Rätsel. Mysteriös, undurchsichtig. Fahndungen der Polizei im In- und im Ausland blieben bis dato erfolglos.

Genauso wie die Suchaktionen seiner Angehörigen. 10.000 Plakate mit Anton Koschuhs Bild und seiner Personsbeschreibung ließen sie mittlerweile an Liftfasssäulen in Hamburg und Umgebung anbringen, per Facebook mobilisierten sie bereits tausende User, die Vermisstenanzeige im Internet weitreichend zu verbreiten. Die Eltern des Mannes sind kürzlich sogar in den Böhmerwald, eine Gegend, die ihren Sohn besonders fasziniert, gereist - um dort Hinweise auf seinen Verbleib zu finden.

Peinigende Angst.

"Trotz all dieser Bemühungen", resümiert Max, Anton Koschuhs jüngster Bruder, mit brüchiger Stimme, "haben wir bislang keinen einzigen brauchbaren Tipp dazu bekommen, was mit ihm geschehen sein könnte." Ungewissheit, Sorge, blanke Angst. Rund um die Uhr.

"Ein Zustand, kaum zu ertragen." Und dauernd sind die Erinnerungen an diesen schrecklichen Tag Ende Juli da, "als in der Alster eine männliche Leiche gefunden wurde und die Kripo uns mitteilte, bei dem Ertrunkenen würde es sich vielleicht um Toni handeln." Ein Verdacht, der sich letztlich nicht bestätigte: "Doch in den Stunden bis zur Identifizierung des Toten sind wir durch die Hölle gegangen." Eine Hölle, die bestehen bleibt, in der es trotzdem "Fenster der Hoffnung gibt."

Darauf, dass sich der 43-Jährige freiwillig eine unangekündigte Auszeit genommen hätte. Aber wovon? Vor wem, vor welcher Situation sollte er geflüchtet sein? Er, dieser Mensch, dessen Leben bis zu seinem Verschwinden angeblich so geregelt, so "unauffällig" verlaufen war?

Entdecker und Gutachter.

Wer ist Anton Koschuh, was seine Vita? Er wuchs in behüteten Verhältnissen auf, mit drei Geschwistern. Der Vater: Akademiker, Beamter. Die Mutter: Hausfrau. Toni sei ein aufgewecktes Kind gewesen, berichten die Eltern, und ein fleißiger Schüler. Nach der Matura inskribierte er an der BOKU, schloss das Studium mit Vorzug ab. Machte sich danach in Fachkreisen als Schmetterlings- und Heuschreckenforscher einen Namen. Und als Naturschutz-Experte. Er wurde daher oft als Berater hinzugezogen, wenn es um die Bewilligung diverser Bauvorhaben ging. Anton Koschuhs Verwandte und Freunde stellen jetzt leise die Frage: "Hat er sich mit dieser Tätigkeit möglicherweise mächtige Industrie-Spekulanten zu Feinden gemacht?"

Private Turbulenzen?

Gab es in seinem privaten Bereich jemanden, der ihm nicht wohl gesonnen war? Nachweislich ist er mit einer verheirateten Steirerin in häufigem Telefon-Kontakt gestanden. Die für "Toni" bloß ein Kumpel - oder mehr war? Gab es auch Treffen zwischen den beiden? Wenn ja, wusste der Ehemann davon - und wie hat er darauf regiert?

Ein Grazer Architekt, der mit Koschuh die Ausstellung in Hamburg besuchte, erzählt nun, "dass Toni während unseres Aufenthalts dort sehr nervös wirkte. Und ständig, ohne Details zu verraten, von einer Bedrohung gegen ihn sprach." Fest steht: in der Woche vor seinem Verschwinden rief der Insektenforscher zwei Mal bei der Polizei an. Warum? Aus "ermittlungstaktischen Gründen", heißt es von Seiten der Behörden, dürfe dazu derzeit keine Auskunft gegeben werden.

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