Anti-Islam-Film vom Server genommen:
Firma stellt nach Drohungen Film offline

"Das ist ein trauriger Tag für die Meinungsfreiheit" Befürchtete Auschreitungen bleiben weitgehend aus

Anti-Islam-Film vom Server genommen:
Firma stellt nach Drohungen Film offline © Bild: APA/ANP

Nach der Veröffentlichung des islamfeindlichen Films des Rechtspopulisten Geert Wilders sind in den Niederlanden die befürchteten Proteste ausgeblieben. Der niederländische Außenminister Maxime Verhagen bezeichnete die besonnenen Reaktionen der Muslime im Deutschlandradio Kultur als "ermutigend". In islamischen Ländern hielt die Kritik an dem gut 15-minütigen Video unterdessen an. Die Website liveleak.com nahm den Wilders-Film wegen Drohungen gegen Mitarbeiter von ihrem Server; das Video wurde aber auf anderen Internetseiten weiterverbreitet.

Auch zwei Tage nach der Veröffentlichung blieb die Lage in den Niederlanden zunächst weitgehend ruhig. In der Stadt Utrecht gingen in der Nacht zum Samstag zwei Autos in Flammen auf. Die Polizei entdeckte nach eigenen Angaben in der Nähe des Tatorts ein Graffiti, das zum Mord an Wilders aufrief. Die Ermittler hätten aber noch keine ausreichende Hinweise, ob der Vorfall in direkter Verbindung zu dem Anti-Islam-Film stehe. Die Regierung in Den Haag hatte Ausschreitungen ähnlich wie nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeichnungen 2006 befürchtet. Niederländische Muslim-Verbände hatten am Freitag zur Zurückhaltung aufgerufen.

Singapur verurteilte den Film als "eine Beleidigung für die Muslime". Meinungsfreiheit gebe niemandem das Recht, andere Religionen zu beleidigen, erklärte Vize-Regierungschef Wong Kan Seng. Im Vielvölkerstaat Singapur lebt auch eine bedeutende muslimische Minderheit. Der frühere malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad drohte mit einem Boykott niederländischer Produkte. "Wir sind sehr verärgert über diesen Film", sagte Mohamad. Zuvor hatten bereits andere muslimisch geprägte Länder wie Pakistan, Bangladesch und der Iran mit Empörung auf das Video reagiert.

Verhagen begrüßte die Unterstützung der Europäischen Union für die ablehnende Position seiner Regierung zu dem Film. Er hoffe aber noch auf eine gemeinsame Erklärung der europäischen Außenminister, sagte Verhagen am Rande des EU-Außenministertreffens im slowenischen Brdo. Der slowenische EU-Vorsitz hatte am Freitag erklärt, der Film diene "keinem anderen Zweck als der Anstachelung zum Hass". Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte den Film verurteilt.

"Das ist ein trauriger Tag für die Meinungsfreiheit, aber die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor", erklärten die Betreiber des Internetportals liveleak am Freitagabend. Angesichts der sehr ernst zu nehmenden Drohungen gegen Mitarbeiter gebe es keine andere Wahl. Das in Großbritannien ansässige Videoportal hatte den Kurzfilm am Donnerstag gezeigt, nachdem ein US-Internetanbieter die eigentlich für die Veröffentlichung vorgesehene Seite gesperrt hatte.

Wilders kombiniert in seinem Film Bilder von Opfern terroristischer Anschläge in New York und Madrid mit Zeitungsschlagzeilen und Koranversen. Auch die umstrittene dänische Mohammed-Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt, ist in dem Streifen zu sehen. Trotz der klar islamfeindlichen Aufnahmen hatte Wilders eine Verantwortung für mögliche Ausschreitungen wütender Muslime zurückgewiesen.

(apa/red)