Anstellen statt angestellt sein: Immer mehr wagen den Schritt in die Selbstständigkeit

Viele Betriebe als Einzelunternehmen gegründet 41 Prozent der Neugründungen von Frauen initiiert

Der älteste Neo-Unternehmer des vergangenen Jahres war 80 Jahre alt. Seine Firma liefert Übersetzungen pharmazeutischer Texte. Immer mehr wollen jedoch nicht so lange warten, um sich den Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen. Laut Wiener Wirtschaftskammer wurden bis Ende Dezember des vergangenen Jahres 7.973 Unternehmen gegründet. Das bedeutet einen Anstieg von 3,4 Prozent im Vergleich zu 2009 (7.711 Neugründungen). Österreichweit sei die Zahl mit einem Plus von 1,1 Prozent vergleichsweise weniger stark gewachsen, betont Kammerpräsidentin Brigitte Jank.

Anstellen statt angestellt sein: Immer mehr wagen den Schritt in die Selbstständigkeit © Bild: dpa/Berg

Besonders häufig wurden 2010 in den Sparten Gewerbe und Handwerk sowie Information und Consulting neue Firmen gegründet. Zuwächse gab es dabei unter anderem bei den Unternehmensberatern, gewerblichen Dienstleistern, Denkmal- und Fassadenreinigern oder in der Werbebranche. 83 Prozent aller neu gegründeten Betriebe werden als Einzelunternehmen gegründet, gefolgt von GmbHs, Kommanditgesellschaften und Aktiengesellschaften.

Auffällig ist weiters, dass sich immer mehr Frauen für eine Unternehmungsgründung entscheiden. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 41 Prozent der Firmen-Neuzugänge von Frauen ins Leben gerufen, so viel wie noch nie. 2.900 NeugründerInnen besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft. Somit beträgt der Anteil der Nicht-Österreicher rund 36 Prozent.

Lieber eigener Chef sein
Die Ausgangssituationen für den Sprung ins Unternehmertum waren unterschiedlich: Laut einer Kammer-Erhebung kamen 62 Prozent der Gründer aus einem Angestelltenverhältnis in der Privatwirtschaft, zehn Prozent waren vorher Beamte, Verwaltungsbedienstete oder Lehrer. Sieben Prozent waren zuvor arbeitslos.

65 Prozent der Unternehmensgründer gaben an, dass sie in ihrer Zeit- und Lebensgestaltung flexibler sein wollten und deshalb einen Betrieb gründeten. Fast ebenso viele erfüllten sich den Wunsch "lieber eigener Chef zu sein, als einen Chef zu haben". Nur zehn Prozent fühlten sich in die Selbstständigkeit gedrängt.

(apa/red)