Anschuldigungen des Libanon: Israel benutzt bei Offensive auch Phosphorbomben

Verwendung wäre strikt gegen Genfer Konvention Israelischer Militärhubschrauber an Grenze abgestürzt

Der libanesische Präsident Emile Lahoud hat das israelische Militär beschuldigt, bei seiner Offensive im Libanon auch Phosphorbomben zu benutzen. Es sei fraglich, ob der Einsatz solcher Bomben gegen Zivilisten und Kinder nach der Genfer Konvention erlaubt sei, fügte Lahoud am Montag im Gespräch mit dem französischen Radiosender RFI hinzu. Das Staatsoberhaupt gab keine näheren Erläuterungen zu dem Vorwurf ab, appellierte aber zugleich an die Vereinten Nationen, sich für ein Ende der israelischen Angriffe einzusetzen. "Das Massaker muss so schnell wie möglich gestoppt werden", sagte Lahoud. "Danach können wir über alles reden."

Die israelische Armee wies die Anschuldigungen zurück. Mit den im Libanon eingesetzten Waffen verletzte das Militär keinerlei internationale Normen, sagte eine Sprecherin.

Israelische Truppen haben nach Angaben israelischer Medien in der Nacht zum Montag ihre Operationen im Südlibanon ausgeweitet. Wie die Tageszeitung "Haaretz" in ihrer Onlineausgabe berichtete, rückten Bodentruppen in Richtung der Ortschaft Bint Jbayel südlich der Hafenstadt Tyrus vor. Man gehe "langsam und vorsichtig, unter schwerem Feuer aus der Luft, von Panzern und Artillerie vor, um den Widerstand aufzuweichen", zitierte das Blatt einen namentlich nicht genannten hohen israelischen Militär. Eine andere Zeitung berichtete unterdessen, dass Israel bald bunkerbrechende Bomben aus den USA geliefert bekommt.

Die israelische Armee nahm bei einem Gefecht im Südlibanon zwei Hisbollah-Kämpfer gefangen und brachte sie nach Israel. Dies teilten Militärsprecher am frühen Montag mit. Es handle sich um die ersten Gefangenen, die die israelischen Truppen seit Beginn ihrer Offensive gemacht hätten, berichtete der israelische Armeesender.

Israelischer Militärhubschrauber abgestürzt
Ein israelischer Militärhubschrauber ist im Grenzgebiet zum Libanon abgestürzt. Über den Hergang des Unglücks gab es unterschiedliche Darstellungen. Während die libanesische Hisbollah-Miliz sagte, ihre Kämpfer hätten den Helikopter abgeschossen, wies das israelische Militär diese Darstellung zurück und sprach von einem Unfall. Der Helikopter sei offenbar gegen ein Stromkabel geflogen und bei Safed abgestürzt. Es habe Opfer gegeben. Es war der zweite Hubschrauberunfall binnen einer Woche.

Israel erhält bunkerbrechende Bomben von den USA
Die USA werden einem Zeitungsbericht zufolge in Kürze bunkerbrechende Bomben an Israel liefern. Die saudiarabische Zeitung "Asharq al-Awsat" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, die Bomben, die bis zu 40 Meter in den Boden eindringen können, würden von einem US-Militärstützpunkt in Katar verschifft. Mit Hilfe der Munition solle Hisbollah-Chef Sayyed Hassan Nasrallah eliminiert werden.

Die israelische Luftwaffe hat während des Krieges mindestens zwei Mal Gebäude in Beirut angegriffen, um Medienberichten zufolge Nasrallah und dessen führende Gefolgsleute zu töten. Nasrallah entkam beiden Angriffen unverletzt. Einige israelische Militärexperten haben den offenbaren Fehlschlag der Einsätze mit dem Fehlen bunkerbrechender Munition begründet.

Israel hatte 2004 die USA um die Lieferung solcher Waffen gebeten. Das Geschäft kam aber wegen Kürzungen im israelischen Militäretat nicht zu Stande, obwohl die USA 2005 der Lieferung von 100 Bomben des Typs GBU-28 zugestimmt hatten. Die GBU-28 können bis zu sieben Meter dicke Betondecken knacken.

Die "New York Times" hatte am Wochenende berichtet, die USA wollten die Lieferung von satelliten- und lasergesteuerten Bomben nach Israel beschleunigen. Die Lieferung sei Teil des 2005 vom US-Verteidigungsministerium genehmigten Geschäfts.

Saudi-Arabien bittet USA um Intervention
Saudi-Arabien bat US-Präsident George W. Bush am Sonntag offiziell um eine Intervention im Nahostkonflikt. Er habe dem US-Präsidenten einen Brief von König Abdullah überreicht, in dem der Monarch Bush bitte, sich um einen sofortigen Waffenstillstand in der Region zu bemühen, erklärte der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal nach einem einstündigen Treffen mit Bush im Weißen Haus.

An dem Gespräch nahm auch Außenministerin Condoleezza Rice teil, bevor sie nach Israel abflog. Es ist der erste diplomatische Auftritt der USA in der Region seit Beginn der israelischen Angriffe auf Libanon am 12. Juli. Bisher haben Bush und Rice alle Forderungen nach einem sofortigen Waffenstillstand zurückgewiesen. Rice telefonierte vor ihrer Nahostreise auch mit dem libanesischen Ministerpräsident Fouad Siniora.

Trotz der verstärkten internationalen Schlichtungsbemühungen rechnet die israelische Armee nicht mit einem baldigen Ende ihres Einsatzes im Libanon. Die Offensive gegen die radikalislamische Hisbollah werde noch mehrere Wochen weitergehen, sagte der für Nordisrael zuständige General Udi Adam am Sonntagabend im Rundfunk. Ziel der Armee sei der "Sieg" gegen die Hisbollah. "Sieg bedeutet, dass die Hisbollah nicht mehr an der Grenze präsent ist und keine Raketen mehr abfeuern kann", sagte der General. "Wie lange das dauert? Ich denke, mehrere Wochen", fügte er hinzu.

Weiterer Flüchtlingsstrom erreicht Zypern
Mehr als 1000 Kanadier haben am Montagmorgen auf ihrer Flucht aus dem Libanon die kleine Mittelmeerinsel Zypern erreicht. Im Laufe des Tages wurde mit der Ankunft von 15 Schiffen mit zahlreichen weiteren Flüchtlingen gerechnet. Insgesamt gelangten bislang mehr als 30.000 Menschen aus dem Libanon nach Zypern. Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist noch nicht abzusehen, auch wenn die USA und Großbritannien angekündigt haben, ihre Rettungsmaßnahmen herunterzufahren.

Die Behörden Zyperns rechnen mit mindestens 40.000 weiteren Menschen, die auf der Insel Zuflucht suchen werden. Viele der Kanadier, die am Montag ankamen, bestätigten, dass immer noch zahlreiche Menschen im Libanon festsitzen. "Tausende Leute warten da drüben noch. Es ist sehr voll", sagte der 16-jährige kanadische Libanese Hussein Kalas.

Hisbollah: Bodenoffensive bewahrt Israel nicht vor Raketen
Auch eine Invasion mit Bodentruppen wird Israel nach Worten von Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah nicht vor Raketenangriffen auf sein Territorium bewahren. Israel werde dieses Ziel nicht erreichen, sagte Nasrallah der Zeitung "As Safir".

Zu Berichten über diplomatische Bemühungen um ein Ende der Kämpfe sagte Nasrallah, Priorität müsse das Ende der israelischen Angriffe auf den Libanon haben. Er sei bereit, über Initiativen zu diskutieren.
(apa/red)