Gedenkjahr von

"Anschluss" 1938:
So berichteten die Medien

Vor 80 Jahren schritt die deutsche Armee in Österreich ein

Anschluss 1938 © Bild: APA/AFP/France Presse Voir

Als am 12. März 1938 die deutsche Armee die österreichische Grenze überschreitet, ohne auf militärischen Widerstand zu stoßen, ist der "Anschluss" praktisch schon vollzogen. Nach der umjubelten Rede Hitlers am Heldenplatz ist die Volksabstimmung am 10. April 1938, bei der sich 99,7 Prozent der Österreicher für den "Anschluss" aussprechen, nur noch Formalität. Und so titelte und berichtete die Presse vor 80 Jahren.

Das waren die Schlagzeilen der Titelseiten am 16. März, nach Hitlers Rede vor 250.000 Zuschauern am Heldenplatz:

„Die Parade vor dem Führer in Wien. Begeisterter Jubel um die Soldaten des geeinten Deutschland!“ (Vorarlberger Tagblatt)

„Hitler meldet als Führer und Kanzler den Eintritt seiner Heimat in das Deutsche Reich. Die große Aufgabe der heimgekehrten Ostmark.“ (Banater Deutsche Zeitung)

„Die Wiedervereinigung vollzogen. Der Tag der geeinten deutschen Wehrmacht in Wien.“ (Das Kleine Blatt)

„Wien jubelt dem Führer zu.“ (Kärntner Volkszeitung)

„Der Tag der Wehrmacht im deutschen Wien. Die Parade der 8. Armee vor dem Führer – Ein eindrucksvolles Bild deutscher Stärke.“ (Linzer Volksblatt)

„Triumphzug Hitlers in Wien“ (Westböhmische Tageszeitung)

„Die Führerproklamation auf dem Heldenplatz. Österreichs Eintritt in das Deutsche Reich. – Seyß-Inquart Reichsstatthalter“ (Neuigkeits-Welt-Blatt)

„Das jüngste Bollwerk der deutschen Nation – Proklamation des Führers auf dem Heldenplatz“ (Wiener Zeitung)

Link: Im Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek gibt es alle Zeitungscover zum Ansehen sowie alle Zeitungen zum PDF-Download.

„Deutschlands eiserne Wehr zieht über die Ringstraße. In ihrer Wirkung ebenso gewaltig wie der Empfang des Führers am Montag war die gestrige Parade der Truppen vor dem Kanzler des Deutschen Reiches. Die Verbrüderung des deutschen Volkes kam in überwältigender Form zum Ausdruck.“ (Illustrierte Kronen Zeitung)

Anzeichen abseits der Schlagzeilen

Auch abseits der Schlagzeilen, war der Anschluss rasch in den Medien bemerkbar, so fand sich zum Beispiel die Werbung „Jetzt… Verlangt…! Arisches ‚Braza-Brot‘“ am 16. März in der Illustrierten Kronen Zeitung. Einen Tag danach warb das Kaufhaus Herzmansky damit „wieder ein arisch!“ zu sein. Ebenso wie Die Ankerbrotfabrik, die angab, ab 15. März eine „rein arische Leitung“ zu haben und „1600 arische Mitarbeiter“ zu beschäftigen. Das Kaufhaus Währingergürtel warb hingegen mit einer „Anschlussfeier“: „Das R.W., das älteste nationale Großkaufhaus Wiens veranstaltet im Rahmen seiner R.W.-Nachmittage in der Volksoper große Anschlussfeiern.“

Das lief damals im Kino

Im Kinoprogramm findet sich dieser Tage in diversen Wiener Kinos „Tarzans Rache“ bzw. UFA in der Taborstraße gab es bereits Hinweise auf die historischen Ereignisse mit dem „großen Nationalsozialistischen Beiprogramm: Bisher verbotene Bilder unserer großen Bewegung“. Am 17. März spielte es im Kino am Schottenring und auch im UFA bereits „Hitlerljunge Quex“.

Auch Liedtexte und Noten fanden sich in den Zeitungen wieder, wie etwa „Flaggenspruch“ mit folgender Aufforderung: „Der deutschösterreichische Rundfunk bringt heute über Berlin mehrmals die Lieder „Erde schafft das Reine“, „Wir Wertleute all“, „Uns ward das Los gegeben“ und „Grüßet die Fahnen“. Die Hitlerjugend und die Lehrerschaft werden aufgefordert, sie Sendung und die Veröffentlichung in den Zeitungen zu beachten und die Lieder am Donnerstag beim Beginn des Schulunterrichtes zu singen.
Und das Wetter schien zu dieser Zeit ausgezeichnet zu sein, der Wetterbericht sprach stets von „heiterem, wolkenlosen“ Wetter.