Anschlag in Toulouse von

Polizei bekommt Anschlags-Video

Al-Jazeera übergibt Aufzeichnungen. Vater des Attentäters will Polizei klagen.

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    Der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse, Mohammed Merah, ist tot. Die Polizei hatte am Donnerstagvormittag sein Versteck gestürmt.

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    Nach einem Schusswechsel mit den Beamten sei Merah aus dem Fenster gesprungen und unten tot aufgefunden worden.

Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera hat der französischen Polizei offenbar Videoaufzeichnungen der tödlichen Anschläge des Serienattentäters Mohamed Merah zukommen lassen. Dies verlautete aus Polizeikreisen in Paris. Demnach zeigen die Aufnahmen einen Zusammenschnitt mehrerer Morde des 23-jährigen Attentäters. Das Video soll mit Musik unterlegt und mit Versen aus dem Koran besprochen sein.

Merah hatte bei drei Attentaten in und um Toulouse insgesamt sieben Menschen erschossen, Soldaten sowie drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Er wurde am vergangenen Donnerstag nach mehr als 30-stündiger Belagerung seiner Wohnung von Elitepolizisten erschossen.

Merahs Vater kündigte am Montagabend von seinem Wohnsitz in Algerien aus an, Frankreich wegen der Tötung seines Sohns verklagen zu wollen. Die Sicherheitsbehörden hätten seinen Sohn lebendig fassen müssen, kritisierte er. Zudem kündigte der Vater an, dass Merah in Algerien bestatten werden solle.

Noch ist unklar, wer das Video abgeschickt hat. "Es kann nicht Mohamed Merah sein", teilte die Polizei in Paris mit. Merah war ab dem frühen Mittwochmorgen in seiner Wohnung im südfranzösischen Toulouse von der Polizei umzingelt; nach mehr als 30-stündiger Belagerung wurde er erschossen.

Als Tourist in Palästina
Unterdessen wurde bekannt, dass Mohamed Merah im September 2010 drei Tage in Israel und den Palästinensergebieten verbracht hat. Er sei im September 2010 über die Grenze zu Jordanien in das von Israel besetzte Westjordanland eingereist, hieß es am aus israelischen Sicherheitskreisen. Er habe ein israelisches Touristenvisum gehabt und sei möglicherweise mit weiteren französischen Staatsangehörigen eingereist. Drei Tage später habe er das Land über denselben Weg verlassen.

Merah reiste damals nach Angaben des israelischen Armeeradios womöglich mit einem falschen Pass nach Israel. Eine Sprecherin der israelischen Einwanderungsbehörde sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Nach unseren Überprüfungen gibt es keinen amtlichen Beleg, dass er unter seinem eigenen Namen ins Land gekommen ist." Es werde weiter geprüft.

Polizei sucht Komplizen
Die Ermittler suchen nun nach einem zweiten Komplizen des Täters Mohamed Merah. Dabei gehe es um den Diebstahl des Motorrollers, den Merah bei seinen drei Bluttaten benutzt hatte, hieß es von Seiten der Polizei in Paris. Dieser dritte Mann, der noch nicht identifiziert sei, sei womöglich auch vor den Anschlägen an Vorbereitungen beteiligt gewesen, etwa indem er Motorrad-Zubehör gekauft oder sich zur Abschaltung der Diebstahlsicherung kundig gemacht habe.

Bisher hatten die Ermittler mitgeteilt, dass Mohamed Merah ein Einzeltäter gewesen sei, der vermutlich von seinem älteren Bruder unterstützt wurde. Der Bruder soll auch an dem Diebstahl des Motorrollers beteiligt gewesen sei. Gegen Abdelkader Merah, der in der Nähe von Paris inhaftiert ist, läuft ein Ermittlungsverfahren.

Al-Jazeera verzichtet auf Ausstrahlung
Wie der Sender Al-Jazeera mitteilte, wird man auf die Ausstrahlung des Videos verzichten. Ein Mitarbeiter von Al-Jazeera in Paris sagte gegenüber Reuters, in dem Video gebe es keine Information und seine Ausstrahlung würde gegen ethische Normen verstoßen.