Anschlag auf Pilger: Selbstmordattentäter reißen mindestens 77 Menschen in den Tod

Irak: Zahlreiche Verletzte bei Explosionen nahe Hilla Viele Frauen und Kinder unter den Anschlags-Opfern

Bei Anschlägen auf schiitische Pilger sind im Irak mindestens 112 Menschen getötet und weit mehr als 200 verletzt worden. Das schwerste Attentat ereignete sich nahe der Stadt Hilla südlich von Bagdad, wo zwei Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben mindestens 77 Menschen mit sich in den Tod rissen und 125 verletzten. Auch in der Hauptstadt und anderen Landesteilen kam es zu neuen Gewaltakten. Zugleich registrierten die US-Truppen ihren verlustreichsten Tag seit Beginn der jüngsten Offensive in Bagdad: Bei zwei Bombenanschlägen seien neun Soldaten ums Leben gekommen.

Die Selbstmordattentäter von Hilla hatten sich der Polizei zufolge unter Wallfahrer gemischt, die in einem Zelt am Straßenrand Rast machten. Zahlreiche Schiiten sind derzeit auf dem Weg in die für Schiiten heilige Stadt Kerbela (Kerbala), um dort den Feiertag Arbain zu begehen. Dieser beendet die 40-tägige Trauerperiode nach dem Ashura-Fest, mit dem die Schiiten an den Tod des Imams Hussein - eines Enkels des Propheten Mohammed - im Jahr 680 erinnern. Schon bei früheren Gelegenheiten kam es bei solchen Feiertagen zu Anschlägen auf Pilger. Die USA und die irakische Regierung sehen darin einen Versuch sunnitischer Extremisten, die Gewalt zwischen den Religionsgruppen anzuheizen.

Auch in und um Bagdad sowie im Norden des Irak wurden schiitische Pilger zum Ziel von Anschlägen. Allein bei der Explosion einer Autobombe im Bezirk Dura im Süden der Hauptstadt, wurden nach Polizeiangaben zwölf Menschen getötet und 23 verletzt.

Beim schwersten der jüngsten Anschläge auf das US-Militär wurden in der Unruheprovinz Salahaddin nördlich Bagdads sechs Soldaten getötet und drei verletzt, weil in der Nähe ihrer Fahrzeuge ein Sprengsatz explodierte. Nach Militärangaben kamen auch noch drei weitere US-Soldaten in der Provinz Dijala ebenfalls im Umland der Hauptstadt bei einem ähnlichen Anschlag ums Leben. Einer ihrer Kameraden wurde verletzt.

Bewaffnete stürmten Gefängnis
Bewaffnete haben ein Gefängnis in der Stadt Mossul (Mosul) im Nordirak gestürmt und bis zu 140 Häftlinge befreit. Nach Polizeiangaben handelte es sich um den größten Massenausbruch aus einem Gefängnis seit dem Sturz von Saddam Hussein vor vier Jahren. Dutzende Angreifer hätten die Polizei in der Haftanstalt Badush überwältigt. Die irakischen Sicherheitskräfte sahen sich gezwungen, das US-Militär zu Hilfe zu rufen. Unklar ist, ob es zu Gefechten zwischen Angreifern und Polizei kam. (apa/red)