Anschlag auf Moskauer Markt: Studenten haben Tat angeblich schon gestanden

Staatsanwalt vermutet rassistische Motive

Nach dem Anschlag auf eine Moskauer Markthalle mit zehn Toten hat die Staatsanwaltschaft drei Studenten festgenommen und geht von einem rassistischen Motiv aus. Zwei junge Männer sollten wegen "Mordes aus Rassenhass" angeklagt werden, teilte der Moskauer Staatsanwalt Juri Semin am Dienstag mit.

Die beiden hätten gestanden, den Anschlag auf den Markt verübt zu haben, weil sich dort viele Asiaten aufhielten, für die sie "negative Gefühle" hegten. Zunächst hatte es geheißen, Hintergrund der Explosion sei wahrscheinlich ein Streit unter Händlern oder ein Bandenkrieg.

Die 18- und 20-jährigen Studenten der Sozialwissenschaften und der Chemie bauten laut Staatsanwalt den Sprengsatz mit Hilfe von Informationen aus dem Internet. In ihren Wohnungen sei Material für den Bau von Bomben gefunden worden. Die Vermutung, dass beide aus Rassenhass handelten, gründe sich auf "konkrete Beweise", betonte Semin. Informationen der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS zufolge, wonach zwei der Festgenommenen Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe seien, bestätigte der Staatsanwalt nicht.

Der dritte Festgenommene verhalf den beiden Studenten nach bisherigen Erkenntnissen zur Flucht. Der Student der Ingenieurswissenschaften legte zunächst aber kein Geständnis ab. Auch gegen ihn sollte Anklage erhoben werden.

Bei dem Anschlag auf den gut besuchten Markt waren am Montag zehn Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Die Wucht der Explosion brachte die zweigeschossige Markthalle zum Einsturz, in der viele chinesische und vietnamesische Händler ihre Waren anbieten. Vorerst konnten laut Staatsanwaltschaft sieben der zehn Toten identifiziert werden. Bei ihnen handele es sich um zwei Russen, drei Tadschiken und zwei Usbeken. Zunächst war berichtet worden, die Hälfte der Todesopfer stamme aus China und Vietnam. 35 Verletzte wurden noch im Krankenhaus behandelt, sechs von ihnen befanden sich in ernstem Zustand. (apa)