Anschlag in Marokko fordert 18 Todesopfer:
War kein Selbstmordattentat in Marrakesch

Zwölf Ausländer unter den Toten und 20 Verletzte Detonation in beliebten Touristen-Cafe in Altstadt

Anschlag in Marokko fordert 18 Todesopfer:
War kein Selbstmordattentat in Marrakesch © Bild: Reuters

Bei einem Bombenanschlag in Marrakesch in Marokko sind 18 Menschen getötet worden. Zwölf Ausländer, darunter sechs Franzosen, seien ums Leben gekommen, berichtete das staatliche Fernsehen. Die Annahme, dass es sich bei der Detonation in einem bei Touristen beliebten Café um einen Anschlag handle, habe sich durch erste Auswertungen erhärtet, so das Innenministerium. 20 Menschen wurden verletzt.

Der Bombenanschlag war kein Selbstmordattentat. Das teilte der marokkanische Innenminister Taieb Cherkaoui am Freitagabend in Rabat mit. Der Sprengsatz sei per Fernzündung detoniert worden. Dies deute darauf hin, dass Al-Kaida hinter dem Blutbad stecken könnte. Bei dem Anschlag waren am Donnerstag 16 Menschen getötet und 21 verletzt worden.

Der Anschlag dürfte den für das nordafrikanische Land wichtigen Tourismus empfindlich treffen, der ohnehin noch unter der schwächelnden Konjunktur leidet. "Die Menschen haben Panik. Das ist ein Angriff von Terroristen, der die Wirtschaft treffen wird und das Image des Landes beschmutzen wird", sagte ein Börsenhändler. Die marokkanische Börse sackte kurz ab, erholte sich aber wieder etwas und schloss 1,6 Prozent im Minus.

Mitten in der Altstadt
Der Anschlagsort lag in der Altstadt von Marrakesch, die von den Vereinten Nationen als Weltkulturerbe anerkannt ist. Üblicherweise drängen sich hier Geschichtenerzähler und Schlangenbeschwörer. "Man kann keinen symbolischeren Ort finden", sagte ein französischer Restaurantbesitzer.

Der Anschlag war der blutigste in Marokko seit acht Jahren. Im Mai 2003 starben bei Selbstmordattentaten auf westliche und jüdische Einrichtungen in der Wirtschaftsmetropole Casablanca 45 Menschen, darunter 12 der Täter. Seitdem hat die Polizei Dutzende Terrorzellen zerschlagen und Tausende mutmaßliche islamistische Extremisten verhaftet.

Forderung nach Reformen
Wie in anderen nordafrikanischen Ländern sind auch in Marokko in den vergangenen Monaten tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um demokratische Reformen einzufordern. Die jüngste Demonstration fand am Wochenende statt. Gewalttätige Unruhen wie in anderen Staaten der Regionblieben in Marokko aber weitgehend aus.

Der in weiten Teilen der Bevölkerung beliebte König Mohammed VI. kündigte tiefgreifende Reformen an. So will er einen Teil seiner Macht abgeben und die Befugnisse der Regierung sowie des Parlaments stärken. Ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag in Marrakesch und den Protesten sei daher nicht zu erkennen, hieß es in Medienberichten.

(apa/red)