Anschlag auf "Freundschafts-Express": 67
Tote bei Terroranschlag auf indischen Zug!

Tödliche Falle: Fenster der Waggons waren verriegelt Neu Delhi: Versuch, Friedensprozess zu torpedieren<br>BILDER: Die schrecklichen Folgen des Anschlags

Anschlag auf "Freundschafts-Express": 67
Tote bei Terroranschlag auf indischen Zug!

Bei einem Bombenanschlag auf einen Zug in Richtung Pakistan sind im Norden Indiens mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen. Nach der Explosion von zwei Sprengsätzen brach im so genannten Freundschaftsexpress, der Neu Delhi mit der ostpakistanischen Stadt Lahore verbindet, ein Flammeninferno aus, in dem viele Passagiere bei lebendigem Leibe verbrannten. Die Regierungen Indiens und Pakistans bekräftigten, ungeachtet des Attentates ihren Aussöhnungsprozess fortsetzen zu wollen.

Der Anschlag ereignete sich 100 Kilometer nördlich von Neu Delhi nahe dem Bahnhof Deewana. Zwei Wagen brannten völlig aus. Etliche der 750 Reisenden saßen laut Berichten von Überlebenden fest, weil Türen und Fenster verriegelt waren. 13 Reisende wurden mit Verletzungen geborgen, wie der Chef der Polizei im Bundesstaat Haryana, Rajiv Dalal, der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Die meisten Opfer waren nach Angaben des pakistanischen Außenministers Khurshid Kasuri Pakistaner auf dem Weg in ihre Heimat. Der Chefpathologe im Krankenhaus der Ortschaft Panipat sagte, viele Tote seien "bis zur Unkenntlichkeit verbrannt". Laut einem Polizeibeamten konnten erst sechs Leichname identifiziert werden.

Verdächtiger festgenommen
Der oder die Täter hatten nach indischen Angaben in dem Zug Kerosinbehälter deponiert, die durch Sprengsätze in Brand gesetzt wurden. Sicherheitskräfte fanden dem indischen Eisenbahnminister Laloo Prasad Yadav zufolge zwei weitere Sprengsätze und entschärften sie. Die Ermittler nahmen nach seinen Angaben einen Verdächtigen fest. Die Art der Bombenkonstruktion sei neu, sagte der indische Innenminister Shivraj Patil.

Der seit 1976 zwei Mal wöchentlich verkehrende Freundschaftsexpress gilt als Symbol für die Friedensbemühungen zwischen Indien und Pakistan. Pakistans Präsident Pervez Musharraf sprach von einer "abscheulichen" Tat. Der Anschlag dürfe aber nicht den Friedensprozess mit Indien aufhalten. Seine Regierung kündigte eine Entschädigung von 500.000 Rupien (rund 6350 Euro) für die Angehörigen der Opfer an.

Militante Hindus als Täter?
Er vermute militante Hindus hinter der Tat, sagte ein pakistanischer Sicherheitsbeamter der AFP. Schließlich seien die meisten der Opfer pakistanische oder indische Moslems gewesen.

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh zeigte sich bestürzt. Die Schuldigen würden gefasst, versprach er. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden Polizei und paramilitärische Truppen auf die fünf Bahnhöfe Neu Delhis, auf weitere Bahnhöfe in Nordindien sowie in Nahverkehrszüge der Hauptstadt entsandt, um weitere Anschläge zu verhindern.

Deutschland und USA verurteilen Anschlag
Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte im Namen der deutschen EU-Präsidentschaft den Anschlag. Pakistan und Indien seien aufgerufen, den Weg des Dialogs weiter zu verfolgen. Die US-Regierung verurteilte die Täter, die den Friedensprozess zwischen beiden Ländern unterminieren wollten.

Der private Fernsehsender New Delhi Television zitierte Geheimdienstquellen, wonach der mutmaßliche Anschlag mit denen auf Nahverkehrszüge in Bombay im Juli 2006 im Zusammenhang stehen könnte. Damals waren 186 Menschen ums Leben gekommen. Indien hatte dem pakistanischen Geheimdienst vorgeworfen, hinter dem Anschlag zu stecken, und hatte die Friedensgespräche abgebrochen. Sie wurden erst im November wieder aufgenommen. (apa/red)