Anschlag in Boston von

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Regierungsfeindliche US-Gruppen oder radikale Islamisten als Urheber vermutet

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    Die Bomben von Boston: Laut Ermittlern wurden die Sprengkörper in Nylontaschen an den Tatort transportiert.

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    Die Ermittler sichern die Überreste der Bomben.

Nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon ermitteln die US-Behörden vor allem in zwei Richtungen: Als Täter kämen vorrangig regierungsfeindliche Gruppen aus dem Inland oder radikalen Islamisten infrage, hieß es in der Nacht auf Dienstag aus Ermittlerkreisen. Obwohl US-Präsident Barack Obama dies bisher nicht dezidiert aussprach, geht die Regierung demnach von einem Terroranschlag aus. FBI-Beamte sollen nach US-Medienberichten einen jungen saudischen Staatsbürger vernommen haben.

Außerdem sei die Wohnung des Mannes in einem Mietkomplex in der Kleinstadt Revere nahe Boston durchsucht worden. Es gebe aber bisher keine Festnahmen, und es habe sich auch niemand zu der Tat bekannt, hieß es am Dienstagvormittag (Ortszeit) unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden weiter. Der vernommene Mann aus Saudi-Arabien soll mit einem Studentenvisum in die USA gekommen sein. Er liege mit einer Beinverletzung im Krankenhaus. Dem Sender CBS zufolge wird er von der Polizei bewacht. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es aber zunächst nicht.

Bei zwei fast zeitgleichen Explosionen in der Nähe der Ziellinie waren am Montag drei Menschen getötet worden, darunter Medienberichten zufolge auch ein achtjähriger Bub. Mehr als 100 Personen wurden verletzt. Präsident Obama erklärte, man werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Es war der schwerste Bombenanschlag in den USA seit den Al-Kaida-Angriffen vom 11. September 2001.

Taliban bekennen sich nicht zu Anschlag

Die pakistanischen Taliban haben unterdessen am Dienstag betont, keine Verantwortung für die Explosionen beim Marathon in Boston zu haben. "Wir sind für Angriffe auf die USA und ihre Verbündete, sind jedoch in diese Angriffe nicht verwickelt", sagte der Sprecher der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), Ehsanullah Ehsan, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Bundespolizei FBI übernahm die Federführung bei den Ermittlungen, an denen sich neben den örtlichen Behörden auch der Geheimdienst CIA beteiligte. Übereinstimmend hieß es, dass vor dem Angriff keine Warnung eingegangen sei. Es gab zunächst keine Festnahmen. Der für Boston zuständige leitende FBI-Beamte Richard DesLauriers erklärte, ein terroristischer Zusammenhang werde nicht ausgeschlossen. Nähere Auskünfte zu ersten Erkenntnissen der Fahnder oder zur Richtung der Ermittlungen lehnte er ab.

Einheimische Extremisten?

Ein hochrangiger Polizist, der namentlich nicht genannt werden wollte, sprach von zwei Sprengsätzen aus Schießpulver, die unter anderem mit Metallkugeln versehen gewesen seien. Aus Kreisen des Präsidialamts verlautete, der Fall werde wie ein Terrorakt behandelt, ohne dass bisher klar sei, ob es sich um einen Angriff aus dem In- oder Ausland handle. "Wir wissen noch nicht, wer dies getan hat und aus welchem Grund", erklärte Obama. Man dürfe auch keine voreiligen Schlüsse ziehen. "Wir werden herausfinden, wer es war. Wir werden herausfinden, warum dies geschah."

In Ermittlerkreisen hieß es, der Zeitpunkt des Angriffs spreche für einheimische Extremisten, die einen mächtigen Staat ablehnen. Am Montag wurde in Massachusetts der Patriots' Day begangen, der an den Unabhängigkeitskrieg erinnert. Am 15. April läuft in den USA zudem die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ab. Steuern sind ein Reizthema für einige amerikanische Extremistengruppen. Am Freitag gibt es zudem zwei Jahrestage mit symbolischer Bedeutung: Das gewaltsame Ende der Waco-Belagerung 1993 und der Anschlag in Oklahoma City 1995.

Zündung spricht für islamistischen Hintergrund

Aus den Ermittlungskreisen erfuhr Reuters, dass als zweite Möglichkeit ein islamistischer Hintergrund diskutiert werde. Hierfür spreche die Vorgehensweise: Die Zündung von zwei Sprengsätzen in kurzem zeitlichen Abstand voneinander bei einem Großereignis sei die Art von Angriff, die vom Islamistenmagazin "Inspire" propagiert werde. Die Zeitschrift wird im Internet von der Gruppe Al-Kaida im Jemen verbreitet und enthält englisch-sprachige Aufrufe an Muslime im Westen, Angriffe notfalls auch mit bescheidenen Mitteln auszuführen. In einer der jüngsten Ausgaben war eine detaillierte Anleitung zum Eigenbau und Einsatz von Sprengsätzen enthalten.

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