Anschläge und Kämpfe im Irak: Mindestens 30 Menschen wurden bei Übergriffen getötet

US-Armee suchte in und um Bagdad nach Zarqawi Bei US-Luftangriff kamen 13 Menschen ums Leben

Inmitten der schwierigen Regierungsbildung im Irak dauert die Gewalt an. Mindestens 30 Menschen wurden am Donnerstag bei Kämpfen und Anschlägen im ganzen Land getötet. Nach Krankenhausangaben starben mindestens 13 Zivilisten bei einem US-Luftangriff auf die irakische Stadt Ramadi. In Bagdad starben neun Menschen bei einem Selbstmordanschlag auf ein Gerichtsgebäude. Die US-Armee suchte in der irakischen Hauptstadt Bagdad und deren Umgebung nach dem Al-Kaida-Chef im Irak, Abu Musab al-Zarqawi.

Die US-Armee widersprach Berichten von Ärzten, wonach bei der Bombardierung eines Hauses im Zentrum Ramadis 13 Zivilisten getötet wurden. Die Koalitionstruppen hätten in der Stadt acht Aufständische getötet, nachdem diese mit Maschinengewehren und Granaten angegriffen hätten, hieß es in einer Erklärung. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen. Ramadi ist die Hauptstadt der Unruheprovinz Anbar, in der irakische und US-Truppen gegen sunnitische Rebellen kämpfen.

Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Gericht im schiitischen Armenviertel Sadr City in Bagdad wurden neun Menschen getötet und 50 weitere verletzt. Ein Mann habe versucht, in das Gerichtsgebäude einzudringen, und sich im Eingang in die Luft gesprengt, verlautete aus Krankenhauskreisen. Im Stadtteil Yarmouk wurde ein ranghoher Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums auf dem Weg zur Arbeit von Unbekannten erschossen. Ebenfalls in Bagdad kamen zwei US-Soldaten ums Leben, als beim Vorbeifahren ihres Autos eine Bombe explodierte. In Hamsa rund 130 Kilometer südlich von Bagdad starben drei Zivilisten bei einer Bombenexplosion.

Die US-Armee vermutet Zarqawi nach eigenen Angaben in Bagdad oder der Umgebung der Stadt. Er gehe davon aus, dass sich der Al-Kaida-Führer in der Region zwischen Bagdad und der Stadt Yussufiya aufhalte, sagte ein US-Armeegeneral vor Journalisten. Seine Festnahme sei "nur eine Frage der Zeit". Bei Razzien in der Region seien seit dem 8. April mehr als 30 "ausländische Kämpfer" getötet worden. Die Armee zeigte noch nicht veröffentlichte Bilder eines Videos, auf dem angeblich Zarqawi zu sehen ist. Darauf versucht der Al-Kaida-Führer offenbar, ein Maschinengewehr zu bedienen, hat jedoch Mühe, den Abzug zu finden.

Die Verhandlungen für die Regierungsbildung im Irak drohten sich unterdessen weiter zu verzögern. Es werde schwierig werden, wie vom designierten Ministerpräsidenten Nouri al-Maliki vorgesehen innerhalb von zwei Wochen ein Kabinett vorzustellen, sagte der Sprecher der sunnitischen Eintrachtsfront, Dhafir al-Ani. Nach Angaben eines Sprechers von Maliki könnte die neue Regierung dagegen möglicherweise schon bei der nächsten Parlamentssitzung am 10. Mai vorgestellt werden. (apa)