Anonyme Bombendrohung im LKH Leoben:
Rund 400 Personen auf Parkplatz evakuiert

Patienten nach 4 Stunden wieder in Klinik gebracht Sprengstoff-Spezialisten fangen keinen Sprengsatz

Im obersteirischen LKH Leoben ist in der Nacht eine Bombendrohung eingegangen. Daraufhin evakuierten insgesamt rund 130 Einsatzkräfte 448 Patienten in knapp einer Stunde. "Es ist alles sehr gut gelaufen", so die Einsatzkräfte bei einer Pressekonferenz nach der aufregenden Nacht in Leoben. Sprengstoff wurde nicht gefunden - aber inmitten der Evakuierungsphase kam ein Bub zur Welt. Der kleine Kevin und seine Mutter waren wohlauf.

"Während des Bombenalarms war gerade eine Kaiserschnitt-Entbindung im Laufen, die man nicht unterbrechen konnte", berichtete Gerhard Köstl von der Kinderabteilung des LKH. Nachdem Experten den Kreißsaal durchsucht und als gesichert freigegeben hatten, konnte die Mutter im Raum bleiben: "Es ist ein kräftiger, hübscher Kevin geworden. Das Kind wurde versorgt und in Betreuung der Großmutter evakuiert. Danach konnte die Mutter ihr Kind wieder in den Arm schließen", so Köstl. Den beiden gehe es gut, die Frau sei natürlich erschöpft.

Generell sei es für die größeren Kinder kein Problem gewesen: "Im Gegenteil, manche sind stolz, so live dabei gewesen zu sein", meinte Köstl. Generell habe es keine Panik im Spital gegeben, erklärte Engler. Erst am Vormittag zeigte sich bei einigen Patienten Aufregung: "Eine Psychologin geht nun durchs Haus."

Gegen 1.15 Uhr hatte ein unbekannter männlicher Anrufer dem Portier einen versteckten Sprengsatz angekündigt. "Mit der Evakuierung wurde gegen 1.35 Uhr begonnen, das Ganze kam gegen 5.15 Uhr zu einem Abschluss", erklärte Primarius Jörg Engler. Spitalpersonal, Feuerwehrleute und Rettung brachten genau 448 Patienten - vom Baby im Brutkasten bis zum Bettlägerigen - zu einem von der Feuerwehr errichteten Sammelplatz rund 300 Meter vom Spital entfernt. "Wir haben zwei, drei Patienten in ein Bett gelegt, damit es rascher geht", berichtete Oberarzt Walter Huber. Entwarnung konnte gegen 4.45 Uhr gegeben werden.

Die so genannte operative Intensivstation wurde nicht evakuiert - bei den betroffenen Menschen hätte eine solche die Gesundheit gefährdet, außerdem sei es auch logistisch nicht möglich gewesen, so Engler. Allerdings sei die Station natürlich von den Experten durchsucht und gesichert worden. Am Sammelplatz wurden die Patienten mit einem Notfallequipment betreut. Währenddessen wurde der Sprengstoffexperte gerufen: "26 Personen und ein Sprengstoffhund waren direkt beim Durchsuchen des Gebäudes beteiligt", sagte Bernhard Steinbauer vom Entschärfungsdienst, dessen Arbeitsplatz eigentlich der Grazer Flughafen ist.

Die Entscheidung zu evakuieren, sei die einzig richtige gewesen, sagte der Leobener Stadtpolizeikommandant Herwig Rath. "Der Anrufer war absolut ernst zu nehmen. Er hat gesagt: 'In einer Stunde geht im LKH eine Bombe hoch'", so Rath. Der Mann, der vermutlich heimischen Dialekt sprach, hatte dann sofort aufgelegt, am Display des Portiers war keine Nummer erschienen. "Über den derzeitigen Ermittlungsstand können wir nichts sagen. Die Erhebungen laufen, wir gehen jeden Hinweis nach." Drohungen gegen das Spital hätte es zuvor nicht gegeben. Ob es sich - nach einer Bombendrohung gegen den Grazer Hauptbahnhof in der Vorwoche - um einen Nachahmungstäter handeln könnte, darüber wollten die Verantwortlichen nicht spekulieren. Dem Anrufer drohen jedenfalls - falls er ausgeforscht wird - eine Anzeige wegen "Landzwangs" und im Falle einer Verurteilung sogar bis zu drei Jahre Haft.

"Es war eine sehr gute Kooperation unter den Einsatzkräften und dem LKH-Personal", zeigten sich die Beteiligten einer Meinung. "Besser als bei der letzten Übung, bei der wir nur eine Station zu evakuieren hatten", meinte Rot-Kreuz-Bezirksrettungskommandant Josef Himsl.

(apa/red)