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Die Anleihemärkte und ihr weitreichender Einfluss

Wie Staatsanleihen funktionieren und vieles mehr - Die wichtigsten Infos

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a. Definition Anleihemarkt – Die Funktionsweise

Auf dem Anleihemarkt findet ein Handel mit verzinslichen Wertpapieren, Bonds statt. In Deutschland gibt es diesen Handel dabei im regulierten und im freien Markt, in denen Market Maker die An- und Verkaufspreise beeinflussen können. Market Maker sind meist Banken oder Broker, die auf eigenes Risiko mit den Wertpapieren handeln, aber da der Anleihemarkt nicht der Börse verpflichtet ist, gibt es meist einen umfassenden Handel direkt zwischen den Market Makern, insbesondere den Banken. Es gibt dabei die bekannten Staatsanleihen und gerade diese stehen in der heutigen Zeit, durch das Schuldendilemma vieler Länder und der EURO- und Griechenlandkrise immer wieder im Fokus.

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Eine Anleihe ist im Prinzip ein Kredit, den der oder die Anleger dem jeweiligen Emittenten, also der Finanzinstitution, dem Staat oder einem Unternehmen gewährt. Der Unterschied zu der Aktie besteht darin, dass bei dieser die Anleger Miteigentümer des Unternehmens werden, bei einem Einsatz des Eigenkapitals. Der größte Vorteil des Anleihemarktes ist die kontinuierliche Zinszahlung und eine Rückzahlung der Anleihe zum Nennwert oder Nominalwert am Ende der Fälligkeit, die meist in den Emissionsprospekten festgehalten wird. Es gibt allerdings auch Anleihen ohne festes Rückzahlungsdatum. Die Anleihen sind attraktiv, denn bei gleichbleibenden Zinsen und einem Inflationsausgleich können sich größere Summen über einen kurzen Zeitraum sehr lohnen. Die Rückzahlung erfolgt in der Regel vollständig, egal wie der Kurs am Ende aussieht.

b. Die verschiedenen Anleihen im Überblick

Staatsanleihen sind verzinsliche Wertpapiere, welche der jeweilige Staat herausgibt, um am internationalen Kapitalmarkt Geldmittel zu erhalten, die für zahlreiche Investitionen und die Weiterführung des Staatsbetriebes benötigt werden. Die bekannten Rating-Agenturen schätzen beispielsweise die Kreditwürdigkeit und das Ausfallrisiko der Staaten ein, um so Vergleichswerte für Käufer zu schaffen. Bei drohender Zahlungsunfähigkeit können die Notenbanken eingreifen und Staatsanleihen kaufen, so dass die jeweiligen Staaten wieder liquide Mittel besitzen und den Schuldenabbau vorantreiben können. Allerdings hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie risikoreich diese Anleihen sein können. Ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs hat Anfang 2015 bestätigt, dass der Aufkauf der Staatsanleihen maroder Staaten durch die Europäische Zentralbank rechtens ist, wenn eine Verhältnismäßigkeit besteht. Die FAZ liefert weitere Informationen dazu.

Unternehmen können ebenfalls Wertpapiere herausgeben und die Anleger mit einem Zins entschädigen. Viele Anleger nutzen die attraktiven Renditen der Unternehmen, da besonders größere Firmen weltweite Kapitalanlagen verwenden und dabei eine hohe Bonitätsnote besteht. Wenn ein Unternehmen in einem anderen Land investiert, kann es dort Kapital der jeweiligen Währung aufnehmen. Vorsicht ist meist bei kleineren nationalen Unternehmen geboten, die weniger Rücklagen und Puffer innerhalb kritischer Zeiten besitzen. Ein wichtiger Aspekt sind die Hochzinsanleihen, die durch eine schlechte Bonität einen hohen Zins auszahlen und besonders bei spekulativen Anlegern beliebt sind. Eine kurze Laufzeit macht den Einsatz für viele Anleger kalkulierbar, es bleibt jedoch immer ein Verlustrisiko.

Es gibt auch noch weitere Anleiheexperimente, wie an der privaten Hochschule Witten. Diese arbeitet beispielsweise ebenfalls mit Anleihen-Verkäufen eines gemeinnützigen Vereins, damit der Universitätsbetrieb weiterlaufen kann, obwohl die Studierenden die Finanzierung für das Studium nicht aufbringen können.

1. Anleihemarkt Deutschland – Die wichtigsten Akteure

a. Euro-BUND-Future

Der Future ist in der Regel der Future auf Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einer Nominalverzinsung von sechs Prozent. Mindestemissionen liegen bei fünf Milliarden Euro. Gehandelt werden die Kontrakte an den Eurex-Börsen, meist für maximal neun Monate.

Der Bund Future ist seit 1990 ein wichtiger Wirtschaftsbarometer und Indikator für die Konjunktur. Seit fünf Jahren ist eine Tendenz nach oben hin sichtbar, mit steigenden Kursen und nur wenigen Ausfällen nach unten.

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In Erinnerung bleibt jedoch der Blitz-Crash des Anleihekurses Ende 2014, als die Käufe der Europäischen Zentralbank den Markt auszutrocknen drohten sowie höhere Inflationszahlen und Gewinnmitnahmen im griechischen Schuldendilemma ebenfalls auf den Future einwirkten. Wallstreet-online liefert eine aktuelle Analyse des Futures.

b. Euro-BOBL-Future

Der Euro-BOBL-Future bezeichnet mittelfristige Bundesanleihen (Bundesobligation), ähnlich wie der Euro-BUND mit sechs Prozent Nominalverzinsung, aber einer Laufzeit von 4,5 bis 5,5 Jahren. Stellt sich heraus, dass die mittelfristigen Zinsen sinken könnten, steigt der Kurs des Futures und umgekehrt.

c. Einfluss der Bundesanleihen auf die Zinsentwicklung

Wie bereits erwähnt, dient der Euro BUND Future als Indikator für einige Entwicklungen auf den nationalen und internationalen Märkten. Sinkt beispielsweise der Kurs, so steigen bei Rentenpapieren die Rendite oder der Zins und diese fallen, wenn der Future steigt. Die Verzinsung der Bundesanleihen ist momentan auf einem niedrigen Niveau, zum Teil kommt es sogar zu Negativzinsen, was Finanzexperte Kornelius Purps in diesem Interview mit der ARD ausführlich erläutert.

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© Pixabay.com © tpsdave (CC0 1.0) Bauzinsen fallen ebenfalls unter den Einflussbereich der Staatsanleihen

Die Veränderungen der Futures wirken sich auch auf andere Märkte aus, wie auf den Zinsmarkt. Aktuelle-Bauzinsen.info berichtet, dass bei hohen Zinsen auf die Staatsanleihen auch höhere Bauzinsen zu zahlen sind, denn das Finanzinstitut leiht das Geld eher einem solventen Staat, als einem unsicheren Kreditnehmer. Die Senkung des Leitzins durch die Europäische Zentralbank hat jedoch deutlich niedrigere Bauzinsen als Folge.

Eine ausführliche Erklärung zur Funktionsweise der EZB gibt es in folgendem Video:

d. Wenige Corporate Bonds auf dem deutschen Markt

i. Dominanz der Autohersteller
Viele Unternehmen haben aufgrund der Finanzkrise begonnen, sich mehr und direkt über die Kapitalmärkte zu finanzieren, doch nicht überall sind Bankkredite momentan günstig zu erhalten. Deutschland verzeichnet dabei regelmäßig ein sehr hohes Emissionsvolumen der Unternehmensanleihen, aber trotzdem bleibt die Bankenkreditvergabe vorherrschendes Mittel. Allerdings nehmen die Unternehmensanleihen weiter zu, 2013/2014 waren es 606 Anleihen von nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften und 286 Unternehmen, mit Luft nach oben.

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Seit 2010 können Unternehmen auch Fremdkapital über Anleiheemissionen einholen, am geregelten Markt. Vor allem große Unternehmen und mittelständische Unternehmen aus der Automobilbranche sind auf dem Anleihenmarkt zu finden. Volkswagen bietet Anleihen von drei bis zu fünfzehn Jahren oder ohne festgelegte Laufzeit an, die aktuellen Zinssätze liegen zwischen 0,875 und sieben Prozent. BMW verzeichnet Anleihen zwischen drei bis fünfzehn Jahren, bei Zinssätzen von 0,5 bis fünf Prozent. Die Daimler AG bietet Laufzeiten zwischen drei und dreißig Jahren, bei Zinsätzen von 1,0 bis 8,5 Prozent. Die Automobilindustrie ist von der Konjunktur abhängig und viele Experten halten die Anleihen für sehr teuer und risikoreich, wenn Anleihen weniger kreditwürdiger Konzerne genutzt werden.

ii. Alternative Schuldscheine als Vorzeigemodell
Schuldscheindarlehen sind ähnlich wie Anleihen größere Kredite, die über einen längeren Zeitraum vergeben werden. Sie sind nicht an der Börse zu handeln, sondern werden von Banken, Versicherungen oder anderen Kapitalsammelstellen an Unternehmen oder an die Öffentlichkeit vergeben. Ein großer Vorteil sind die niedrigen Transaktionskosten und eine zügige Kreditnahme sowie ein niedriger Zinssatz. Meist kommen die Gelder von den Kapitalsammelstellen, die Überschüsse vorweisen und diese meist nur kurzfristig anlegen dürfen. Allerdings sind die Anforderungen an die Kreditnehmer sehr hoch und wer mehrere Schuldscheine bei diversen Instituten besitzt, kann bei den unterschiedlichen Fristen in Verzug kommen. Für viele Unternehmen und Verwaltungen sind die Schuldscheine nützlich, da sie ohne Zwischenstopp der Börse erhältlich sind und für Investitionen und Exportfinanzierung gut in Frage kommen. Während der Finanzkrise stellten sie eine sichere Alternative zu den klammen Bankkrediten dar.

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iii. Abschaffung des Mittelstandsmarktes in Düsseldorf – wegweisend?
Innerhalb der Börsen gibt es viele unterschiedliche Segmente, die es den verschiedenen Anlegern ermöglicht, speziell auf sie zugeschnittene Optionen zu nutzen. Die Börse Düsseldorf richtete 2010 ein Segment für Mittelstandsanleihen ein, den "Mittelstandsmarkt". 2015 endet das Segment wieder und laut Vorstandsvorsitzendem Dirk Elberskirch lohne sich bei dem Rückgang der kleinen und mittleren Anleihen das gesamte Segment nicht mehr. Allerdings sollen die Mittelstandsanleihen im Primärmarkt verfügbar bleiben, welcher wiederum weitere Subsegmente erhält, um die Leistungen messbar und transparent halten zu können. Im Gegensatz zur Börse Stuttgart, welche Minibonds für nicht nachhaltig einstufte, will die Börse Düsseldorf die Unternehmensfinanzierung weiterhin flexibel halten. Demnach gibt es keine Verpflichtung für ein Rating mehr, dafür jedoch eine deutliche Kennzeichnung von Sicherheiten und Garantien.

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© Wikimedia.commons.org © ZH2010 (CC BY-SA 3.0 DE) An der Börse Düsseldorf sind 72 Banken und Sparkassen tätig

e. Der Rentenindex als Indikator (REX-Kurs- und Performanceindex)

Der Deutsche Rentenindex – REX – ermittelt die Entwicklung des Kurses am Rentenmarkt über Musterdepots und basiert auf den Renditen von öffentlichen Anleihen, die an der Börse notiert sind. Seit 1991 gibt es den Rex an der Deutschen Börse und dieser wird aus 30 Standardwerten zusammengesetzt, die jedoch fiktiv sind. Bis zu 90 Prozent der notierten Börsenumsätze deckt der Rex ab. Zu unterscheiden, ist der REX– Kursindex und der REXP-Performanceindex. Beim Rex-Index werden die Zinsen nicht wieder angelegt und so zeigen sich die Kursveränderungen der Anleihen sehr deutlich. Steigt der Marktzins, fällt der Rex-Index und umgekehrt. Der Performanceindex zeigt die Kursentwicklung und ermittelt den vollständigen Vermögenswert, den die Anleger unterhalten.

Drei Kupontypen sind im Rex zu finden:

  • 6 Prozent
  • 7,5 Prozent
  • 9 Prozent

Die Marktanteile der Anleihen sind dabei ausschlaggebendes Kriterium. Darunter fallen beispielsweise Obligationen, festverzinsliche Schatzanweisungen, Treuhandanstalt und natürlich die Bundesanleihen.

f. Die Bedeutung der aktuellen Kursabstürze

Die Kurse für Staatsanleihen brechen weltweit zusammen, die Renditen steigen und viele Anleger wollen den Staaten nicht mehr umsonst Geld leihen. Durch die Anleiheankäufe der EZB hat sich für viele Anleger das Blatt gewendet, obwohl die Notenbank eigentlich die Konjunktur und die Inflation ankurbeln will. Vor allem die niedrigen Renditen werden von Finanzexperten kritisiert, denn wenn die Inflation wieder in Richtung zwei Prozent rückt, sind Staatsanleihen von 0,05 Prozent nicht mehr haltbar. Allerdings will die Zentralbank ihren Anleihekäufe-Plan bis 2016 weiter fortführen, so dass vor allem Sparer mit den niedrigen Minizinsen keine positive Entwicklung für ihre Anlagen erwarten können, besonders wenn die Inflation tatsächlich ansteigt.

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Viele Fachleute schätzen, dass der Anleihemarkt nicht vollständig zusammenbrechen wird, wenn die EZB ihr Vorhaben weiter in Angriff nimmt und die Rentenmärkte dadurch weiter unterstützt. Auch die kurzfristigen Zinsen an Kapitalmärkten werden weiterhin negativ bleiben, ebenso die Bauzinsen, allerdings warnen Verbraucherschützer davor, sich auf unsichere Immobilieninvestitionen einzulassen. Weitere Tipps liefert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

2. Anleihemarkt USA – Problematiken und Wegweiser

a. US-T-Bond-Future

In den USA gab es bereits in den 70er Jahren erste Wegbereiter der Zins-Futures, als das Chicago Board of Trade (CBOT, heute Teil der CME Group) 1975 einen Futures auf Zinsinstrumente einführte. Die Investitionen über einen längeren Zeitraum fanden gefallen und 1977 trat der US Treasury Bond Future auf den Markt, mit einer 30-jährigen Laufzeit und sechs Prozent Verzinsung.

Die USA ist für die Weltwirtschaft der Dreh- und Angelpunkt, keine Krise ohne den US-Staat und nur wenig Aufschwung ohne ihn. Allerdings gibt es gerade im US-Haushalt stark schwankende Werte und die Zinsen für Anleihen sinken seit einigen Jahren, während der T-Bond-Future leicht ansteigt. Die Konjunktur schwächelt und das Wirtschaftswachstum ist bei weitem nicht so ausgeprägt, wie viele Finanzexperten es gerne sehen würden.

b. Das Build America Bonds Programm 2009 bis 2010

Das Build America Bonds Programm gab den hochverschuldeten Bundesstaaten und Gemeinden die Möglichkeit, billiges Geld am Kapitalmarkt zu besorgen, da die US-Regierung von jeder Anleihe 35 Prozent der Zinsen übernahm. Viele Kommunen sind durch die Ratingagenturen abgestuft und so konnte die Rendite der speziellen Bonds auf 6,35 Prozent ansteigen. Bis zum Ende des Programms wurden rund 181 Milliarden Dollar BOB-Programme ausgestellt. Doch die klammen Bundesstaaten können trotz der Finanzspritze ihre Kassen kaum füllen und gerade der Anleihemarkt steht in der Kritik, da die Kommunen ihre Schulden im Nachhinein nicht begleichen können, wie die FAZ berichtet. Eine der ersten Leidtragenden war die Hauptstadt des Bundesstaates Pennsylvania, Harrisburg, die 2011 Insolvenz beantragte.

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© Wikimedia.commons.org © Andreas Faessler (CC BY-SA 3.0) Viele Kommunen, wie Harrisburg, kämpfen auch heute noch gegen den Bankrott

c. US-Bank JP Morgan – König der Anleihen?

An JP Morgan führt kein Weg vorbei, denn die US-Bank ist das größte Geldhaus der USA und besitzt einen entscheidenden Einfluss auf die internationalen Märkte. 2014 war auch JP Morgan von der Anleihekrise betroffen, doch Anfang 2015 zeigte sich ein deutliches Plus in den ersten drei Monaten von 24,8 Milliarden Dollar zusätzlicher Einnahmen. Der Einfluss der Bank ist sehr groß und so warnt Bankenchef Jamie Dimon vor einem Anleihecrash, denn es herrsche eine Markt-Tiefe vor, welche die Liquidität der Unternehmen und Investoren gefährden könnte, wie hier nachzulesen ist.

Allerdings wird die Großbank selbst bis 2016 5000 Arbeitsplätze streichen, nachdem 2014 bereits 11.000 Arbeitsplätze eingestampft wurden. Die Bank reagiert auf die strengen Regulierungen nach der Finanzkrise und streicht vor allem die Bereiche, in denen Spekulation und Eigenhandel zum Einsatz kamen. 2012 und 2013 zahlte JP Morgan einige Milliarden Dollar wegen fehlerhaften Verhaltens bei Zwangsversteigerungen und bei Gesetzesverstößen beim Verkauf von Wertpapieren. Bei der Manipulation der Währungskurse sollen es 550 Milliarden Dollar sein, was die Deutsche Welle näher ausführt.

d. Microsoft und Apple – Konkurrenten auch auf dem Anleihemarkt

Viele Großunternehmen sind auf dem Anleihemarkt unterwegs, um Altschulden begleichen zu können und Aktien zurückzukaufen oder Akquisitionen zu tätigen. Microsoft startete noch vor dem Konkurrenten Apple mit den Bondsgeschäften, obwohl beide Giganten über ein riesiges Geldvolumen verfügen. Die zusätzlichen Gelder gingen bei Apple beispielsweise an die Aktionäre und wurden angesammelt, um Aktien zurück zu kaufen und Ausschüttungen zu finanzieren. Ein Grund dafür liegt bei der Anlage des Unternehmensgeldes im Ausland, dessen Rückführung zu hohen Steuerabgaben führen würde. Microsoft hat bis heute über 70 Milliarden Dollar Eigenkapital generieren können, während Apple bei Anlegern beliebt ist, da die Apple Anleihen hohe Spitzennoten von Standard & Poor’s und Moody’s erhalten.

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© Wikimedia.commons.org © Kjetil Ree (CC BY-SA 3.0) Bill Gates setzte mit dem Börsengang 1986 früh auf weitere Kapitalbeschaffungen

Gigantische Imperien leihen sich trotz des hohen Eigenkapitals, Aktien und hohen Umsätzen Geld auf dem Finanzmarkt und sparen damit, da die Zinsen für die Anleihe unter den Steuersätzen liegen. In den USA gibt es bereits Diskussionen um einmalige Steuern bei der Einfuhr der Gelder, während vor allem die großen Unternehmen einen einmaligen geringen Steuersatz der in den USA zurückgeführten Gewinne vorschlagen. Anfang 2015 legte Microsoft 10,8 Milliarden Dollar bei Investoren an.

e. Exkurs: Die Bedeutung von Kriegsanleihen

Der Anleihemarkt ist nicht erst in den 70er und 80er Jahren entstanden. Die Schuldscheine haben auch maßgeblich in zahlreichen Kriegen für die Finanzierung der Streitkräfte gesorgt. Im Ersten Weltkrieg appellierte die Regierung Deutschlands an die Gewinnsucht und den Patriotismus der Bevölkerung. Steuern sollten nicht erhöht werden, deshalb finanzierte die Bevölkerung die Fortführung des Krieges über Kriegsanleihen, die zweimal im Jahr ausgegeben wurden, mit einer Verzinsung von fünf Prozent. Die ARD berichtet, dass 1919 fast 156 Milliarden Reichsmark Schulden zusammen gekommen waren. Durch die nachfolgende Inflation wurden die Anleihen wertlos und die Schuldner blieben auf leeren Taschen sitzen.

In den USA waren die Liberty und Patriot Bonds im Ersten und Zweiten Weltkrieg ebenfalls im Einsatz und während des Zweiten Weltkrieges kamen so 185 Milliarden Dollar zusammen. 2014 zahlte die britische Regierung Anleihen aus dem Ersten Weltkrieg an die Anleger zurück, die sich über Milliardensummen an Zinsen freuen können. Auch Deutschland zahlte erst 2010 die letzten Anleiheschulden an die Nachfahren der Gläubiger zurück.

f. Staatspleiten und die Problematik der Gläubiger

i. Beispiel Argentinien
Argentinien steht seit Jahren in der Schusslinie der Gläubiger, denn bereits mehrere Male konnte das Land weder die ausländischen Schulden tilgen, noch die inländischen Schulden ausgleichen. Bereits nach der Unabhängigkeit 1827 verkaufte Argentinien Anleihen in London, doch ein Anstieg der Zinsen führte zum ersten Zahlungsstopp bis 1857. 1890 gab es eine Spekulationsblase im Rohstoffsektor und die Anleihemärkte schwankten so stark, dass die großen Kredite Argentiniens erneut nicht zurückzuzahlen waren. Nach dem Militärputsch 1956 gab es ein Abkommen Argentiniens mit den Staaten, denen das Land Geld schuldete. Einige Summen daraus sind bis heute nicht abbezahlt.

2001 kam die nächste Staatspleite unter Carlos Menem und Schulden über 100 Milliarden Dollar. Das Land erholt sich nicht besonders gut, bietet den Anleihebesitzern neue Bonds an, mit einem Nennwert von einem Drittel weniger und über 90 Prozent der Gläubiger nehmen das Angebot an. Dadurch konnte das Land genügend Puffer aufbauen, um die Produktivität und den Wachstum wieder zu steigern, hatte jedoch einige Streitigkeiten mit zwei US-Hedgefonds, die auf ihre volle Rückzahlung bestanden. 2005 folgte ebenso ein Abschlag von 70 Prozent auf die Schulden mit den Gläubigern und dem IWF. Mit der Beteiligung an einem Wachtsums-Bonus sollten die Gläubiger milde gestimmt werden. Ob das Land bei aktuellem Haushaltsdefizit aus der Schuldenkrise kommen kann, bleibt fraglich.

ii. Beispiel Südafrika
Südafrika ist der Wirtschaftsmotor im südlichen Teil des Kontinents, mit einem Bruttoinlandsprodukt von 11.034,82 im Jahr 2012. Allerdings geht die Wachstumsquote stetig bergab, 2014 waren es nur noch 1,4 Prozent, bei einer hohen Arbeitslosenquote von über 25 Prozent und einer hohen Verschuldungsquote der Haushalte von 78 Prozent. Südafrika ist abhängig von der Liquidität der weltweiten Anlagen und die steigende Staatsverschuldung von 42 Prozent der Wirtschaftskraft schreckt Anleger vor den Anleihen zurück. Allerdings setzt das Schwellenland alles daran, die Wirtschaft anzukurbeln und einige Finanzexperten erklären, dass Anleger mit Risikobereitschaft, südafrikanische Staatsanleihen in US-Dollar kaufen können, da die Rendite bei 2,8 Prozent liege. Unsicherheit bleibt jedoch auch in Südafrika ein entscheidender Faktor der Zukunft.

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© Wikimedia.commons.org © Paul Parsons (CC BY-SA 3.0) Die Minenproduktion gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Südafrikas

3. Bedeutende und neue Handelsplattformen im Überblick

a. Bondcube

Bondcube hat seinen Sitz in London und Boston und ist eine elektronische Anleiheplattform, in welcher Händler und Kunden in einem zentralen Marktplatz zusammen kommen. Vor allem geht es um die Erhöhung der Liquidität der Rentenmärkte und dies soll über Massen-Uploads der Indications of Interest entstehen. Eine Preisnennung ist nicht erforderlich, Anonymität wird gewährleistet und Verkäufer und Käufer werden systematisch zusammengeführt. Die Deutsche Börse hält 30 Prozent der Anteile. Ausführliche Erklärungen zum Ablauf liefert die Homepage der Plattform in ihren Videos.

b. Eurex Bonds

Der Eurex ist die größte Terminbörse der Welt, während Eurex Bonds das elektronische Handelssystem für die Anleihen von Wertpapieren in Europa darstellt. Eurex Bonds wurde 2000 gegründet und hat seinen Sitz in Frankfurt. Sie gilt als die führende Plattform der deutschen Staatsanleihen und ist im Prinzip ein reiner Handel zwischen den Banken, denn Privatanleger können am Eurex Bonds nicht handeln. Täglich sind 500 Trader aktiv und handeln mit mehr als 500 Millionen Euro Anleihen.

c. Iboxx – Die internationalen Großbanken

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© Wikimedia.commons.org © DesertEagle (CC0 1.0)

Quelle: http://www.faz.net/

iboxx steht für die Rentenmarktindizes Europas, der USA und Asien und zeigt die Dokumentation der Rentenmärkte auf. Grundlagen sind die festverzinslichen Staatsanleihen, garantierte Anleihen und Unternehmensanleihen. Ziel ist es, Benchmarks für den Bondmarkt zu etablieren. Der Benchmark Guide des MarkIt-Unternehmens erläutert in diesem Artikel die genauen Abläufe.

4. Fazit

Im vernetzten System der Banken, Institute und Kreditmöglichkeiten verliert sich schnell der Überblick. Die Anleihen gelten trotzdem immer noch als einer der stabilsten Märkte für Kapitalbeschaffung, sind jedoch im Zuge der Staatsanleihekäufe immer mehr in Kritik geraten. Durch das massive Eingreifen der Europäischen Zentralbank sehen viele Investoren eine Abschwächung der Märkte in Sicht und viele Anleger sorgen sich um die hohen, beziehungsweise niedrigen Renditen.

Dadurch, dass auch immer mehr Unternehmen in die Kapitalmärkte eingreifen und ihre Kredite ohne Bankumwege dort holen, empfehlen Finanzexperten Bankschuldverschreibungen und Industrieanleihen zu erhöhen und Staatsanleihen zu senken. Außerdem sei ein verbessertes Qualitäts-Risiko-Management am Rentenmarkt für stabile Märkte sinnvoll.

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