"Angsthasen-Fußball" erzürnt Griechenland: Spieler fordern nach 0:2 Mut zur Offensive

Stimmungstief & Schuldverteilung bei Europameister König "Rehhakles" hält weiterhin an Mauertaktik fest

"Angsthasen-Fußball" erzürnt Griechenland: Spieler fordern nach 0:2 Mut zur Offensive © Bild: AP/Augstein

Eine Tradition bei Fußball-Europameisterschaften könnte sich auch bei der EURO 2008 fortzusetzen: auch diesmal scheint die noch nie gelungene Titelverteidigung unwahrscheinlich. Im Auftakt-Spiel unterlag Europameister und Titelverteidiger Griechenland nämlich dem Team aus Schweden mit 0:2. Noch aufschlussreicher als das Ergebnis selbst wirkte die Art und Weise, wie Otto Rehhagels Team untergegangen ist.

Wird Rehhagel seine in Portugal so erfolgreiche Defensivtaktik wiederholen oder wird er die Offensive wagen? Diese Frage wurde auf der Pressetribüne schon einige Minuten vor dem Spiel mit einem Raunen der Enttäuschung beantwortet. Da gaben die Griechen ihre Mannschaftsaufstellung bekannt. Griechenland spielte mit einem Abwehrriegel von fünf Leuten, also gleich drei Innenverteidigern. Das roch schon vor dem Anpfiff nach Verteidigungsschlacht.

Was sich dann auf dem Platz abspielte, war ein Herumgeschiebe des Balles in der Abwehrkette, kaum kreative Ideen, nur ab und zu ein Steilpass, der meist keinen Abnehmer fand. Zwar kam der Titelverteidiger in der ersten Hälfte zu einer halbwegs guten Chance, als Basinas den schwedische Tormann Isaksson in Schwierigkeiten brachte. Aber systematisch herausgespielt war auch diese gefährliche Situation nicht.

"Betonmeister" gibt sich unzufrieden
Rehhagel, der Vater dieser extremen Defensivtaktik, gab sich nach der Pressekonferenz entsprechend unzufrieden. Aber nicht mit seiner Taktik, sondern mit seinen Spielern: "Egal, wo ein Spieler spielt, das bedeutet nicht, dass er nicht kreativ sein soll. Beckenbauer hat auch früher Libero gespielt, war aber kreativ" so der 69-Jährige. "Mir hat es auch nicht gepasst, wie sie sich da die Bälle zugespielt haben. Zwei Mal kannst du es machen, aber dann musst du den Angriff eröffnen", meinte er.

Rehhagel sprach von einem verdienten Sieg der Schweden, die mit Zlatan Ibrahimovic den Schützen eines ebenso schönen wie erlösenden Tores (67.) sowie den Mann des Matchs in ihren Reihen hatten. "Die Schweden haben den Ball viel schneller gespielt, bei uns hat das im Mittelfeld viel zu lange gedauert. Auch waren sie in den Zweikämpfen besser als unsere Jungs."

Rehhagel hält an Mauertaktik fest
Und Rehhagel stellte klar, dass sich an der Strategie nichts Wesentliches ändern wird: "Wir möchten zwar immer auch Tore erzielen, aber wir sind eine Mannschaft, die nicht viele Tore erzielt, das hat die Statistik gezeigt. Wir müssen hinten gut stehen, wir haben nicht so ein Offensivpotenzial wie Deutschland."

Die Spieler hingegen fordern durchaus Änderungen. Der bei Eintracht Frankfurt beschäftigte Stürmer Ioannis Amanatidis etwa, der in der 70. Minute für Verteidiger und "Beton-Kopf" Traianos Dellas ins Spiel kam. Er wartete aber meist vergebens auf gutes Zuspiel seiner Kollegen und konnte von sich aus - ähnlich wie Portugal-2004-Star Angelos Charisteas - keine Akzente setzen. "Was wir gezeigt haben, war Angsthasen-Fußball. Wir haben schlecht gespielt und viel zu defensiv. Wir müssen in die Offensive gehen und Tore machen, sonst sind wir draußen. Man kann sich nicht nur hinten den Ball zuschieben. Dass wir mit drei Innenverteidigern gespielt haben, hat die Offensive gravierend erschwert, und so sind wir kaum gefährlich geworden. Wir müssen den Hebel umlegen und so gut wie alles besser machen, wenn wir mehr als eineinhalb Torchancen wollen", so der 27-Jährige.

Spielern fordern Mut zur Offensive
Auch Konstantinos Katsouranis blies ins selbe Horn. "Wir haben schlecht gespielt und müssen in die Offensive gehen. Sonst werden wir gegen Russland und Spanien ähnlich schlecht aussehen." Abwehr-Recke Dellas hingegen entgegnet nach dem Spiel fast trotzig: "Auch die Schweden hatten Angst vor uns und haben sich hinten rein gestellt. Da war es schwierig für uns, durchzukommen. Wir haben verloren wegen der Einzelleistung von Ibrahimovic."

Mittelfeldspieler Angelos Basinas meinte, es sei leicht, nach einem verlorenen Match an Spielern, Taktik und Trainer herum zu kritisieren. "Jetzt ist es einfach wichtig, ruhig zu bleiben und zu unserer Stärke zurückzufinden." Ob Griechenland gegen die Russen, die gegen Spanien nur mit einer Spitze spielten, gleich fünf Verteidiger braucht, beantwortete Basinas so: "Gegen Spanien ist ein Konzept mit einem Stürmer richtig. Ob die Russen gegen uns auch nur mit einer Spitze spielen werden, wissen wir nicht. Wir dürfen uns nicht nervös machen lassen."

"Hauptschuld trifft den Trainer"
Die griechischen Journalisten im Trainingszentrum Aug in Seekirchen sind enttäuscht wie jeder andere euphorische Fußballfan aus Griechenland auch. Als Ursache für die Auftaktniederlage wird einstimmig Rehhagels übertriebene Defensivtaktik genannt. "Natürlich kann man die Spieler nicht aus der Verantwortung für die Passivität auf dem Platz entlassen. Aber die Hauptschuld für das 0:2 trifft den Trainer", so die hellenischen Kollegen unisono.

Antonis Nikopolidis, Tormann der Griechen und beim zweiten Schweden-Tor durch Hansson nicht ganz unbeteiligt, wollte zu diesem Gegentor nicht mehr sagen als: "Ich hab's gekriegt und damit basta". Aber, so fügte er als Botschaft an alle Griechen hinzu: "Ich verspreche an dieser Stelle hoch und heilig, dass ihr gegen Russland eine ganz andere Nationalmannschaft erleben werdet. Ein Team, das euch glücklich und stolz machen wird." (apa/red)

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