Angst vor Terror in Deutschland: Suche nach dem zweiten Bombenleger geht weiter

Innenministerium warnt vor weiteren Anschlägen "Rail Marshalls" für mehr Sicherheit in den Zügen

Angst vor Terror in Deutschland: Suche nach dem zweiten Bombenleger geht weiter

Im Zusammenhang mit den gescheiterten Anschlägen auf zwei Regionalzüge in Deutschland suchen die Behörden weiter nach dem zweiten Verdächtigen. Es gebe bisher noch keinen neuen Ermittlungsstand, sagte Innenstaatssekretär August im ARD-Morgenmagazin. Die Spuren wiesen darauf hin, "dass es einen libanesischen Hintergrund gibt". Im Übrigen habe der Bau der beiden Kofferbomben einiges handwerkliches Geschick vorausgesetzt. "Mein Eindruck ist, dass da schon mehrere mitgewirkt haben", sagte Hanning. Das Berliner Innenministerium warnte vor weiteren terroristischen Anschlägen in Deutschland. Diskutiert wird in Deutschland auch der Einsatz von "Rail Marshalls".

"Jetzt hat sich gezeigt, (...) auch in Deutschland werden terroristische Anschläge vorbereitet und wir müssen damit rechnen, dass dies auch künftig geschieht", sagte Hanning. Die Bedrohung sei ernster geworden, der Terrorismus habe Deutschland unmittelbar erreicht. Die Polizei sucht jetzt vor allem nach dem zweiten Verdächtigen, der am 31. Juli am Kölner Hauptbahnhof einen weiteren Koffer mit einer Bombe in einen Regionalexpress nach Dortmund deponierte. Auch er war auf dem Bahnsteig von Überwachungskameras gefilmt worden.

Unterdessen wurden neue Details über den am Samstag festgenommenen Libanesen Youssef Mohamad E. H. bekannt. Der 21-Jährige hatte sein Studium der Mechatronik an der Fachhochschule Kiel offenbar noch nicht aufgenommen. Wie ein Hochschulsprecher mitteilte, ist kein Student mit diesem oder einem ähnlichen Namen aus dem Libanon oder einem anderen Land an der FH Kiel eingeschrieben.

Der 21-Jährige besuchte nach Auskunft des Kultusministeriums ein Studienkolleg, wo er am 7. Juli eine Sprachprüfung bestand, die zum Studium an der Fachhochschule berechtigt. Im vergangenen Jahr hatte er demnach so schlechte Noten, dass er das erste Semester an dem Kolleg wiederholen musste. Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor berichtet, er sei seit Februar 2005 in Kiel gemeldet, wo er Mechatronik studiert habe.

Der Student stieg nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft in Köln mit einem Bombenkoffer in den Regionalexpress nach Koblenz und verließ an einem Halt kurz darauf den Zug wieder. In einem Waggon ließ er demnach den Sprengsatz stehen. Am Sonntag wurde Haftbefehl erlassen.

Unterdessen reagierte die Deutsche Bahn mit schärferen Sicherheitsvorkehrungen auf die versuchten Kofferbombenanschläge. Vorstandsmitglied Otto Wiesheu sagte: "Wir weiten die Videoüberwachung aus. Die Bundespolizei wird stichprobenweise Gepäckkontrollen durchführen, und wir haben eine erhöhte Aufmerksamkeit an den Bahnhöfen und in den Zügen, speziell bei Gepäck, das niemandem zuzuordnen ist". Die Video-Überwachung könne zu schnellen Fahndungserfolgen beitragen, wie die Festnahme in Kiel gezeigt habe, sagte Wiesheu. Es sei jedoch unrealistisch, für den Bahnverkehr Sicherheitsmaßnahmen wie an Flughäfen zu fordern.

Diskutiert wird in Deutschland auch der Einsatz von "Rail Marshalls". Der Konzernsprecher der Deutschen Bahn, Volker Knauer, hob hervor, dass die Bahn in zehn Tagen so viel Fahrgäste in Deutschland wie die Lufthansa weltweit in einem Jahr habe. "Also die gleichen Maßstäben hier anzusetzen wie im Flugverkehr, das führt in die Irre." Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt die aus der Union geforderten bewaffneten Zugbegleiter zum Schutz vor Terroranschlägen ab. "Ich glaube nicht, dass bewaffnete Zugbegleiter die richtige Antwort sind auf die Bedrohung", sagte Merkel.

Die Kanzlerin bezeichnete hingegen die Videoüberwachung als ein wichtiges Element zur Erhöhung der inneren Sicherheit. "Wir werden aus den Ereignissen von Kiel und aus den geplanten Anschlägen im Bereich der Bahn auch die notwendigen Konsequenzen ziehen müssen." Dazu gehörten etwa die Einrichtung einer Anti-Terror-Datei und die Videoüberwachung. "Sicherlich wird niemand behaupten, dass die Video-Überwachung nicht eine wichtige Sache ist in unserem Land. Sie hat jetzt dazu geführt, einen der beiden Täter zu identifizieren, nach aller Wahrscheinlichkeit, und das ist ein ganz wichtiger Schritt."

Auch die SPD ist laut Parteichef Kurt Beck grundsätzlich bereit, die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen auszuweiten. Die bereits seit längerem geplante und umstrittene Anti-Terror-Datei soll im Herbst vom Bundestag beschlossen werden. (apa)