Psychische Störungen von

Lavendel gegen Angstattacken

Studie an MedUni Wien: Lavendelöl-Kapseln wirksamer als manch Antidepressivum

Frau riecht an Lavendel © Bild: Thinkstock

Kein sprichwörtlicher "Lavendel": Lavendelöl-Kapseln helfen gegen Angststörungen. Das haben Wissenschafter aus Wien sowie aus Berlin, München und Werneck in Deutschland jetzt mit einer groß angelegten und mit Placebo-Kontrolle durchgeführten Studie bewiesen. Der Extrakt aus dem schmalblättrigen Lavendel dürfte auch besser als ein modernes Antidepressivum wirken.

"Die angstlösende Wirkung der oral einzunehmenden Lavendelölzubereitung 'Silexan' wurde bei generalisierter Angststörung im Vergleich zu Placebo und Paroxetin (ein Serotonin-Reuptake-Hemmer als bekanntes Antidepressivum; Anm.) untersucht", schrieben Autoren unter dem Chef der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien im AKH, Siegfried Kasper, in der Jännerausgabe des International Journal for Neuropsychopharmacology.

Zehnwöchige Studie

Als Probanden wurden 539 Patienten mit laut den offiziellen Kriterien gut belegter Angststörung in Studie aufgenommen. Sie bekamen entweder 160 oder 80 Milligramm des Lavendelöl-Produkts eines bekannten deutschen Phytopharma-Unternehmens oder 20 Milligramm Paroxetin bzw. ein Placebo pro Tag. Das erfolgte zehn Wochen lang.

Die Patienten hatten am Beginn mit einem Wert von mehr als 18 auf der HAMA-Skala (Hamilton Anxiety Scale) zumindest eine mehr als milde Angststörung. Die Skala mit einem Fragebogen zu 14 Symptomen in je fünf Stufen bestimmt den Schweregrad von Symptomen wie Angst, Anspannung, depressive Stimmung, Herzklopfen, Atemschwierigkeiten, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit und anderen körperlichen Symptomen bei Personen mit dieser häufigen psychischen Erkrankung. Ein HAMA-Wert von 17 bis 24 gilt als milde bis moderate Angststörung, darüber ist es eine schwere.

Ergebnisse aussagekräftig

Die Ergebnisse waren in mehreren Aspekten aussagekräftig: 160 Milligramm des Lavendelöls pro Tag verringerten den HAMA-Score bei den damit Behandelten um 14,1 Punkte. 80 Milligramm des Öls brachten es auf eine Reduktion von 12,8 Punkten. Das moderne Antidepressivum hatte im Vergleich dazu mit minus 11,3 Punkten auf der HAMA-Skala einen etwas schwächeren Effekt. Aber auch das Placebo wirkte: mit minus 9,5 Punkten auf der Skala bei der zweiten Untersuchung. Die Besserung bei den Patienten unter den zwei Lavendelöl-Dosierungen war im Vergleich zu dem Blindmedikament statistisch signifikant, Paroxetin zeigte keine statistische Signifikanz.

Eine andere Analyse verdeutlichte die Wirkung des Lavendelöls: Unter der höheren Dosierung zeigten 60,3 Prozent der Probanden eine Besserung um mehr als 50 Prozent bei den Symptomen (gemessen mit der HAMA-Skala), unter der geringeren Dosierung waren es 51,9 Prozent, bei Behandlung mit Paroxetin waren es 43,2 Prozent und 37,8 Prozent mit dem Placebo.

Kommentare

Ignaz-Kutschnberger

Ich kann nur nochmal sagen: Höchst professionell verfasster Beitrag...

Ignaz-Kutschnberger

Höchst informativ...angeblich steigert Lavendel auch den Geruchssinn und regt geistige Poesie an

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