Angst, Hoffnung - so fühlen sich die Geiseln: Zwei Ex-Geislen schildern ihre Emotionen

2003 entführt: Sabine Wintersteller & Johann Ruppnig NEWS: Leben im Lager mit Hitze, Hunger, Entbehrung

Angst, Hoffnung - so fühlen sich die Geiseln: Zwei Ex-Geislen schildern ihre Emotionen © Bild: NEWS/Neumayr

Es war vor genau fünf Jahren, im März 2003, als das Drama um 32 in der Sahara entführte Urlauber die Welt bewegte. Salafisten-Rebellen nahmen europäische Abenteurer auf einem Offroad-Trip quer durch Algerien gefangen - unter ihnen befanden sich auch zehn Österreicher. In NEWS berichten Sabine Wintersteller, 46, und Johann Ruppnig, 73, die Sahara-Geiseln von damals, was es bedeutet, wenn ein Wüstentrip zu einem Höllenritt wird, wie es ist, tagtäglich Todesangst zu verspüren, und wie es sich anfühlt, langsam die Hoffnung zu verlieren.

Sabine Wintersteller: Wer in die Wüste aufbricht, will auch wirklich dorthin und bereitet sich entsprechend gut auf solch einen Offroad-Trip vor. Doch auf einmal bewaffneten Terroristen gegenüberzustehen, damit würde niemand rechnen. Auch wir haben das damals nicht getan.

Johann Ruppnig: In so einer Situation ist die Angst natürlich riesengroß, denn niemand ahnt, was diese Furcht erregenden, bis an die Zähne bewaffneten und in Turbane gehüllten Gestalten, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen, mit einem vorhaben - da schließt man fast automatisch mit dem Leben ab. Denn wer ist schon darauf vorbereitet, dass sein Fahrzeug auf einmal angehalten wird, wild gestikulierende Männer herausspringen und man in den Gewehrlauf einer schussbereiten Kalaschnikow blickt?

Sabine Wintersteller: Am schlimmsten sind in der Wüste die extremen Temperaturunterschiede: Tagsüber ist es immer sengend heiß, nachts kühlt es stark ab. Daran konnte ich mich auch nach fast zwei Monaten nicht gewöhnen. Die körperlichen und geistigen Belastungen schwächen einen enorm, außerdem ist der Hunger ein ständiger Begleiter. Wer nicht in guter physischer Verfassung ist, hält dies nicht lang durch. Ich habe eigentlich über all die Zeit nie richtig tief schlafen können, da die Bewacher uns oft mitten in der Nacht genötigt haben, blitzschnell die Lagerplätze zu wechseln.

Johann Ruppnig: Je länger die Geiselhaft dauert, desto schwieriger wird es mit der Versorgung. Anfangs kann man sich noch von seinem eigenen Proviant ernähren, doch sobald dieser zur Neige geht, ist man darauf angewiesen, dass die Entführer über funktionierenden Nachschub verfügen. Uns setzten sie an manchen Tagen bloß etwas Brei und Hirse vor. Doch nicht nur Hunger prägt den Alltag. Lästig waren auch Fliegen und Krebse, gefährlich Schlangen und Skorpione.

Sabine Wintersteller: Das größte Problem ist, nicht zu wissen, wie lang es bis zur Befreiung noch dauert, also wird man völlig apathisch und will nur noch eines: überleben. Wie man mit dieser Extremsituation umgeht, hängt vom jeweiligen Naturell ab: Manche reagieren ängstlich und panisch, andere wiederum bleiben völlig ruhig und überlegt.

Johann Ruppnig: Man muss sich bewusst machen, dass der Wert einer Geisel darin besteht, lebendig und nicht tot zu sein. Nur, wir waren damals 17 Gefangene - das heißt, da hätten die Terroristen durchaus einen von uns töten können, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Bei zwei vorhandenen Geiseln, wie im aktuellen Fall von Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner, fällt das natürlich schon wesentlich schwerer.

Sabine Wintersteller: Selbstverständlich denkt man immer und immer wieder daran zu fliehen und bespricht sich darüber. Doch eigentlich weiß man, dass es vollkommen sinnlos ist, mitten in der Wüste, ohne Ausrüstung und Proviant, die Flucht zu ergreifen, noch dazu, da ja die Bewacher schwer bewaffnet sind.

Johann Ruppnig: Je mehr Zeit vergeht, desto weniger ist Flucht ein Thema. Denn eins sollte man nicht vergessen: Meist weiß man nicht, wo man ist, hat weder Kartenmaterial noch ausreichend Verpflegung bei sich, wie soll man denn da flüchten, mitten in der Sahara, mit nur einem Liter Wasser in der Flasche, da wäre man nach einem Tag tot.

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