Terror-Alarm von

IS bekennt sich
zu Angriff in Paris

Polizist bei mutmaßlichem Terroranschlag getötet - Auch Angreifer tot

  • Angriff auf Polizisten in Paris
    Bild 1 von 19 © Bild: Reuters/Christian Hartmann
  • Angriff auf Polizisten in Paris
    Bild 2 von 19 © Bild: Reuters/Reuters TV

Drei Tage vor Beginn der Präsidentschaftswahl ist Frankreich offenbar von einem neuen Anschlag erschüttert worden: Bei einem Angriff auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Elysees wurden am Donnerstagabend nach Regierungsangaben ein Beamter und der Schütze getötet und drei weitere Menschen verletzt. Zu der Tat bekannte sich die Jihadistenmiliz IS.

Laut Ermittlerkreisen war der 39-jährige Täter bereits polizeibekannt. Präsident Francois Hollande sagte nach einer Krisensitzung im Elysee-Palast, die Regierung sei überzeugt davon, dass der Angriff einen "terroristischen Hintergrund" habe. Der Schütze habe gezielt auf Polizisten und ihren Wagen gefeuert, bevor er erschossen wurde.

Eine Touristin unter den Verletzten

Bei dem Anschlag ist auch eine Deutsche verletzt worden. Die Frau wurde am Donnerstagabend durch eine Kugel leicht am Fuß verletzt, wie aus Polizeikreisen verlautete.

Angriff auf Polizisten in Paris
© Reuters/Benoit Tessir

Des getöteten Polizisten soll Freitag früh landesweit gedacht werden. Zudem berief Hollande für Freitag eine Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts ein. Bei der bevorstehenden Präsidentenwahl werde für äußerste Sicherheit gesorgt, versprach er. Nach zahlreichen islamistisch motivierten Anschlägen gilt in Frankreich noch immer der Ausnahmezustand.

IS bekennt sich zu Angriff

Zu dem Angriff von Donnerstagabend bekannte sich der IS über sein Propaganda-Sprachrohr Amaq. Die Agentur identifizierte den Täter als einen Kämpfer namens "Abu Yussef der Belgier".

Angriff auf Polizisten in Paris
© Reuters/Benoit Tessir

Die Antiterror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Ihr Leiter Francois Molins erklärte, der Täter sei "bekannt" und seine Identität "verifiziert". Details wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Französische Ermittler haben drei Personen aus dem familiären Umfeld des getöteten Angreifers vom Champs-Elysee in Polizeigewahrsam vernommen. Das wurde der Deutschen Presse-Agentur am Freitag aus Ermittlerkreisen bestätigt. Es handle sich um das klassische Vorgehen in solchen Fällen, hieß es. Bei dem mutmaßlichen Anschlag auf dem Prachtboulevard war am Donnerstagabend ein Polizist getötet worden.

Was man über den Angreifer weiß

Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Ermittlerkreisen, dass der Angreifer - ein 39-jähriger Franzose - wegen zwei Angriffen mit Schusswaffen auf zwei Polizisten und einen dritten Mann 2005 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Er soll vor dem Angriff die Absicht geäußert haben, Polizisten zu töten. Die Behörden durchsuchten eine Wohnung in einem Pariser Vorort, in der der Mann zuletzt gewohnt haben soll.

»Er hat einen der Polizisten getötet und versucht, im Laufen noch weitere zu treffen.«

Ein Polizeivertreter sagte, der Angreifer sei in einem Auto vorgefahren und ausgestiegen. Er habe mit einer Automatikwaffe auf das Polizeifahrzeug geschossen. "Er hat einen der Polizisten getötet und versucht, im Laufen noch weitere zu treffen."

Angriff auf Polizisten in Paris
© www.photopress.at

Die Sicherheitskräfte riegelten die Champs-Elysees nach dem Angriff weiträumig ab, sperrten mehrere Metro-Stationen und riefen die Bevölkerung auf, den Bereich zu meiden. Über dem Boulevard kreiste ein Hubschrauber. Der Besitzer eines Restaurants nahe den Champs-Elysees sagte AFP, es sei ein kurzer, aber intensiver Schusswechsel zu hören gewesen. "Wir haben unsere Kunden im Keller versteckt."

Hinweise auf islamistisches Motiv verdichten sich

Bei dem erschossenen Angreifer ist ein Schreiben mit Verweis auf den IS gefunden worden. Auf dem Zettel werde der IS verteidigt, verlautete am Freitag aus Ermittlerkreisen. Im Auto des Angreifers, eines 39-jährigen Franzosen namens Karim Cheurfi, wurde auch ein Koran gefunden. Außerdem hatte der Mann einen Zettel mit den Adressen eines Polizeikommissariats und des Sitzes des Inlandsgeheimdienstes DGSI im Auto.

In Belgien Gesuchter ohne Verbindung zur Attacke

Ein von den belgischen Behörden gesuchter Mann hat nach ersten Erkenntnissen der Ermittler keine Verbindung zu dem mutmaßlichen Anschlag auf Polizisten in Paris. Der Mann stellte sich der Polizei in Antwerpen. "Nach derzeitigem Stand gibt es keine Verbindung. Aber die Ermittlungen laufen natürlich weiter", sagte ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft am Freitag.

Er sei wegen einer anderen Sache gesucht worden. "Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Es gibt keine Verbindung." Der Sprecher des französischen Innenministeriums hatte zuvor im französischen Radiosender Europe 1 gesagt, dass die Belgier den Franzosen am Vortag eine Suchmeldung nach dem Mann übermittelt hätten. "Ist er aus der Nähe oder aus der Ferne mit dem verknüpft, was auf den Champs-Elysees passiert ist? Ich kann es nicht sagen und es ist in jedem Fall zu früh, das zu sagen", sagte der Ministeriumssprecher. Nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP gab es den Verdacht, dass der Mann nach Frankreich fahren wollte.

Der Anwalt des Verdächtigen wurde von der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws" mit den Worten zitiert: "Ich war heute Nacht mit meinem Mandanten bei der Polizei in Antwerpen, um eine Erklärung abzugeben. Mein Mandat war wie gewohnt bei der Arbeit in einer Tankstelle im Hafen, als sich der Anschlag ereignete. Er wurde wegen eines Drogenfalles gesucht, der nichts mit dem Anschlag in Paris zu tun hat."

Frankreich mobilisiert Sicherheitskräfte vollständig

Unterdessen mobilisiert Frankreich seine Sicherheitskräfte vollständig, darunter alle Eliteeinheiten. Dadurch solle die Sicherheit der Bevölkerung bei der anstehenden Wahl gewährleistet werden, sagt Ministerpräsident Bernard Cazeneuve nach einem Treffen mit Vertretern der Sicherheitskräfte am Freitag.

»Es ist unsere Aufgabe, der Angst, der Einschüchterung und der Manipulation nicht nachzugeben.«

Zwei Tage vor der Präsidentenwahl appellierte Cazeneuve an "den Geist der Verantwortung und an die Würde jedes Einzelnen". "Es ist unsere Aufgabe, der Angst, der Einschüchterung und der Manipulation, die den Feinden der Republik in die Hände spielen würde, nicht nachzugeben."

Angriff auf Polizisten in Paris
© www.photopress.at

Cazeneuve rief zur Einheit auf und betonte: "Nichts darf diesen für unser Land fundamentalen demokratischen Augenblick beeinträchtigen." In den kommenden Tagen würden mehr als 50.000 Polizisten eingesetzt, um die erste Runde der Präsidentenwahl am Sonntag zu schützen. Auch Spezialeinheiten der Polizei würden in Alarmbereitschaft gesetzt.

Was ist passiert? Am Donnerstagabend eröffnet ein Angreifer gegen 21.00 Uhr auf dem berühmten Pariser Boulevard Champs-Elysees mit einer Automatikwaffe das Feuer auf ein Polizeiauto. Er tötet einen Polizisten und verletzt zwei weitere Beamte und eine Touristin, bevor er erschossen wird. Auf den Champs-Elysees bricht Panik aus. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Angreifer allein handelte.

Wer war der Täter? Bei dem erschossenen Angreifer handelt es sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen um einen 39 Jahre alten Franzosen. Er war 2005 wegen mehrfachen versuchten Mordes - unter anderem an einem Polizisten - zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Haftstrafe saß er nicht vollständig ab. Vor zwei Monaten, am 23. Februar, wurde er dann wegen des Verdachts festgenommen, Polizisten töten zu wollen. Er wurde aber mangels Beweisen bald wieder freigelassen.

Ein Anschlag des IS? Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat schnell für sich. "Der Angreifer von den Champs-Elysees im Zentrum von Paris ist Abu Yussef der Belgier, und er ist einer der Kämpfer des Islamischen Staates", erklärte das IS-Propagandasprachrohr Amaq. Allerdings war der erschossene Angreifer Franzose - deswegen ist unklar, ob der IS vom tatsächlichen Täter spricht.

Verbindung nach Belgien? Die belgischen Behörden warnten ihre französischen Kollegen am Donnerstag vor einem "sehr gefährlichen" Mann, der den vom IS genannten Vornamen trägt und sich womöglich nach Frankreich begeben wollte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren Waffen, Sturmhauben und ein auf Donnerstag datiertes Zugticket für eine Fahrt nach Frankreich gefunden worden. Der 35-Jährige meldete sich aber in der belgischen Stadt Antwerpen bei der Polizei. Den Behörden zufolge ist vollkommen unklar, ob es eine Verbindung zu dem Pariser Anschlag gibt.

Kurz verurteilt "abscheulichen Angriff"

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte den "abscheulichen Angriff" auf Polizisten in Paris via Twitter: "Meine Gedanken sind bei der Familie und den Freunden des Opfers", so er am späten Donnerstagabend.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte auf Twitter, Deutschland stehe "fest und entschlossen an der Seite Frankreichs". Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ via Twitter mitteilen: "Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien." Auch US-Präsident Donald Trump sprach den Franzosen sein Mitgefühl aus. "Es endet einfach nie", sagte er in Washington zur anhaltenden Terrorgefahr.

Die britische Premierministerin Theresa May hat nach der tödlichen Attacke auf Polizisten in Paris dem französischen Präsidenten Francois Hollande ihr Beileid ausgesprochen. "Das Vereinigte Königreich verurteilt sehr diesen schrecklichen Terroranschlag in Paris", sagte ein Regierungssprecher am Freitag in London.

Polizeigroßeinsatz in Frankreich

In Frankreich sind vor der Wahl tausende Polizisten und Soldaten im Einsatz. Seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 gilt der Ausnahmezustand. Bei Anschlägen 2015 und 2016 wurden insgesamt 238 Menschen getötet.

Angriff auf Polizisten in Paris
© www.photopress.at

Der Angriff auf den Champs-Elysees ereignete sich während einer Serie von Live-Interviews mit den elf Präsidentschaftskandidaten im Sender France 2. Die Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen, Emmanuel Macron und Francois Fillon sagten für Freitag geplante Wahlkampfveranstaltungen ab. Zahlreiche französische Politiker äußerten sich bestürzt und verurteilten die Tat.

Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt. In Marseille wurden zwei "radikalisierte" Verdächtige festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden unter anderem Sprengstoff, Schusswaffen sowie eine IS-Flagge gefunden. In den vergangenen Jahren hatte es in Frankreich immer wieder Angriffe auf Sicherheitskräfte gegeben.

Macron sagt Wahlkampfkundgebungen ab

Der sozialliberale Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat seine letzten Kundgebungen vor dem ersten Wahlgang abgesagt. Er habe entschieden, die für Freitag geplanten Auftritte in Rouen und Arras im Norden des Landes im Hinblick auf die Situation zu streichen, teilte Macron mit.

Die Terroristen wollten die Demokratie stören, "sie wollen dass die Franzosen der Unvernunft nachgeben und sich spalten", erklärte der Ex-Wirtschaftsminister. "Wir müssen dem im Gegenteil Ruhe und Entschlossenheit entgegenstellen." Der demokratische Prozess müsse garantiert werden. Deshalb sollten die Anhänger seiner Bewegung "En Marche!" ihre Wahlkampfaktivitäten auch fortsetzen.

Auch Le Pen und Fillon sagten Wahlkampfauftritte ab

Auch der konservative Kandidat Francois Fillon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen kündigten am Donnerstagabend die Annullierung ihrer geplanten Wahlkampfauftritte an. Präsident Francois Hollande sagte einen für Freitag geplanten Besuch in der Bretagne nach Angaben seines Umfeldes ab.

Der Wahlkampf endet offiziell in der Nacht zum Samstag. Am Sonntag stimmen die Franzosen über ihren neuen Staatschef ab. Macron gilt als einer der Favoriten für den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai.

Sicherheitskabinett tagt im Elysee-Palast

Nach dem Anschlag hat Präsident Francois Hollande das französische Sicherheitskabinett versammelt. Das teilte der Elysee-Palast am Freitag auf Twitter mit. Auf Fotos war zu sehen, dass an dem Treffen unter anderem Premierminister Bernard Cazeneuve und Innenminister Matthias Fekl teilnahmen. Auch Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, Außenminister Jean-Marc Ayrault und Justizminister Jean-Jacques Urvoas saßen mit am Tisch.

Kommentare

parteilos melden

Je mehr desto mehr.....
Unsere Gutmenschen gehören in die Länder geschickt wo unser Gäste herkommen, da können sie je nach Laune ihre Weisheiten an Nächstenliebe umsetzen.

Nudlsupp melden

Genau. Und Sie sind intellektuell in der Lage das zu entscheiden. :-) Wissen Sie, ich zum Beispiel hätte lieber unsere Kellernazis weg, aber die sind nun mal auch da und vegetieren in ihrem Frust dahin. Abgesehen davon, würde das genau so wenig ändern wie Ihr "Späßle" hier. Wenn schon jemand dorthin geschickt wird, um Ihre Idee aufzugreifen, wieso schicken wir nicht jene hin um das wieder zu ...

Nudlsupp melden

regeln, die das angezettelt haben. Das hätte zwei Vorteile. Die Situation würde tatsächlich verbessert, und hätte zudem noch präventive Wirkung für die Zukunft. Mich beschleicht das Gefühl, dass Sie bis heute nicht verstanden haben, wieso der IS überhaupt entstehen konnte. Wäre Ihnen das ersichtlich, wäre auch Ihre Meinung etwas differenzierter.

parteilos melden

Leichte Mathematik und unser Nudlsupp ist überfordert?
Ihre sogenannten Kellernazis haben aber keine Menschen getötet und machen keine Anschläge, aber das geht in ihrem Kopf wohl nicht rein.

Uns qúasseln sie nicht von Sachen von dem sie keine Ahnung haben, wenn sie nicht in den Ländern waren, "shut up".
Sie glauben ja noch immer das es da unten kein Kampfgas gibt oder gab.

parteilos melden

Ich war ein paar Jahre in diesen Ländern unterwegs und die Medien puschen das, was sie gerade hören wollen und sind politisch aktiv. الطريق ليست كافية من أقوال جميلة.

Seite 1 von 1