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Irakische Armee startet
Angriff auf IS-Hochburg Mossul

Millionenstadt seit zwei Jahren unter Jihadistenkontrolle

Irakischer Soldat © Bild: REUTERS/Azad Lashkari

Irakische Truppen haben mit der lang erwarteten Großoffensive auf die IS-Hochburg Mossul in der Provinz Ninive begonnen. Unterstützt von US-Luftangriffen hätten Regierungseinheiten im Morgengrauen die Operation "Eroberung" gestartet, sagte ein Armeesprecher am Donnerstag. Ein Befehlshaber berichtete, es seien bereits vier Dörfer südlich von Iraks zweitgrößter Stadt eingenommen worden.

In Mossul lebten einst rund zwei Millionen Menschen. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte im Juni 2014 die Großstadt unter ihre Kontrolle gebracht und damit einen der größten Erfolge verbucht. Mossul, die Hauptstadt der nördlichen Provinz, gilt neben Al-Raqqa in Syrien als inoffizielle Hauptstadt der Terrormiliz. Ende 2015 konnten irakische Regierungstruppen die Provinzhauptstadt Ramadi westlich Bagdads vom IS zurückerobern.

Der IS hatte auch kurze Zeit den riesigen Staudamm vor der Großstadt unter ihrer Kontrolle, inzwischen wird er von kurdischen Kämpfern bewacht.

Unterstützt wurden die Armee und die kurdischen Peshmerga-Kämpfer im Norden des Landes durch Luftangriffe der von den USA angeführten Militärallianz. Deren Einsätze und die der eigenen Luftwaffe spielten bei den Angriffen eine entscheidende Rolle, sagte Brigadegeneral Jahja Rasul, der Sprecher des irakischen Einsatzkommandos.

Hunderte Soldaten verlegt

Mitte Februar hatte Bagdad für die geplante Rückeroberung der Stadt Hunderte Soldaten in die Nähe von Mossul verlegt. Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi hatte die Offensive damals bereits angekündigt. Man plane "wahrscheinlich im nächsten Monat, eine volle militärische Operation zu starten", meinte er damals.

Armeeangaben zufolge sei nun das erste Ziel, IS-Einrichtungen in der Stadt zu zerstören. Generalmajor Nejm al-Jaburi, der irakische Oberbefehlshaber in der Region, berichtete von Dutzenden toten IS-Kämpfern, nannte aber keine Opferzahlen auf Seiten der Regimetruppen.

Syrische Armee in Palmyra

Syrische Regimetruppen sind unterdessen in die von der Terrormiliz IS besetzte historische Oasenstadt Palmyra vorgedrungen. Einheiten von Machthaber Bashar al-Assad seien in einen südwestlichen Teil des zentralsyrischen Wüstenortes vorgerückt, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Es gebe heftige Gefechte, Minen würden den Vormarsch der Regierungskämpfer verlangsamen.

Der IS hat Zivilisten nach Angaben von Aktivisten zum Verlassen der syrischen Antikenstadt aufgefordert. Die etwa 15.000 verbliebenen Bewohner seien vor den Kämpfen mit den Regierungstruppen gewarnt und per Lautsprecher zur Flucht aufgerufen worden, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Die syrische Armee hatte mit Hilfe massiver russischer Luftangriffe vor etwa zwei Wochen eine Offensive zur Rückeroberung Palmyras begonnen. Die Stadt zählt wegen ihrer gut erhaltenen antiken Ruinen zum Unesco-Weltkulturerbe. Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert. Seitdem sprengten die Jihadisten eine Reihe antiker Bauwerke.

Zuvor hatte der staatlich finanzierte Fernsehsender Al-Ikhbariya schon berichtete, Regimetruppen seien "in das Herz" Palmyras vorgestoßen. Die Menschenrechtsbeobachter hatten dies zurückgewiesen. Das offizielle Syrische Staatsfernsehen und die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichteten zunächst nichts über den Vormarsch.

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