Angriff von Aufständischen in Bagdad:
US-Munitionsdepot beschossen - Großbrand!

Serie von Explosionen erschüttern Umgebung Studie: 650.000 Tote seit 2003 durch Kriegsfolgen

Aufständische haben in Bagdad ein Munitionslager der US-Streitkräfte beschossen und einen Großbrand ausgelöst. Eine Serie von Explosionen erschütterte die Umgebung im Umkreis von mehreren Kilometern, die Druckwelle beschädigte mehrere Gebäude. Menschen kamen nach ersten Erkenntnissen aber nicht zu Schaden. Laut einer neuen Studie sind durch die Folgen des Krieges von 2003 im Irak sind nach einer regierungsunabhängigen Untersuchung fast 655.000 Menschen ums Leben gekommen.

Ein Sprecher des Stützpunktes Falcon erklärte, von einem nahe gelegenen Wohngebiet aus seien Granaten abgefeuert worden. Es gebe Hinweise darauf, dass Zivilpersonen mit Kontakten zu einer Miliz für den Angriff verantwortlich seien, sagte Stützpunkt-Sprecher Jonathan Withington. Einzelheiten nannte er nicht. Im Internet bekannte sich die Gruppe "Islamisches Heer im Irak" zu dem Anschlag und erklärte, sie habe den Stützpunkt mit zwei Raketen und drei Granaten angegriffen. Withington sagte, der Angriff habe keine strategischen Auswirkungen und werde die Arbeit in Bagdad nicht behindern. Die meterhohen Flammen waren auch am Mittwoch noch nicht gelöscht. Der irakische Innenminister Jawad al-Bolani betonte im Fernsehen, die Lage sei unter Kontrolle.

Fünf weitere US-Soldaten tot
Der anhaltenden Gewalt im Irak fielen fünf weitere amerikanische Soldaten zum Opfer. Drei Marineinfanteristen seien bei Kämpfen mit Aufständischen in der Provinz Anbar westlich von Bagdad ums Leben gekommen, teilten die US-Streitkräfte mit. Die beiden anderen Soldaten seien in Bagdad und in Tikrit getötet worden. Anschläge und Überfälle kosteten landesweit mindestens sechs Iraker das Leben.

Morde aus Rache an Tagesordnung
Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, erklärte in Genf, Morde aus Rache seien im Irak an der Tagesordnung. Er verwies darauf, dass nach den Statistiken täglich rund 100 Menschen einem Gewaltverbrechen zum Opfer fielen. Die Gewalt richte sich gegen Polizisten, Soldaten, Richter und Anwälte. Frauen würden immer häufiger Opfer so genannter Ehrenmorde. Diese "sehr Besorgnis erregende Verschlechterung der Lage" habe dazu geführt, dass in den vergangenen acht Monaten mehr als 300.000 Menschen aus ihren Häusern geflüchtet seien.

650.000 Tote durch Kriegsfolgen
Nach einer regierungsunabhängigen Untersuchung sind durch die Folgen des Krieges von 2003 im Irak fast 655.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Studie amerikanischer und irakischer Ärzte wurde am Mittwoch vom britischen Medizin-Journal "The Lancet" online veröffentlicht. Sie untermauere eine vor zwei Jahren erschienene Einschätzung derselben Ärztegruppe, wonach es bis zum damaligen Zeitpunkt rund 100.000 zusätzliche Todesfälle seit Kriegsbeginn gegeben habe. Seitdem habe sich die Situation dramatisch verschlechtert.

Die Wissenschaftler um Gilbert Burnham von der Johns-Hopkins- Universität in Baltimore (US-Staat Maryland) hatten für die jetzt veröffentlichte Untersuchung 1849 Haushalte mit knapp 13.000 Menschen an 47 zufällig ausgewählten Orten im Irak besucht. Dort fragten sie nach Todesfällen zwischen Jänner 2002 und Juni 2006, mit dem Ergebnis, dass rund 87 Prozent der 629 Registrierten nach Kriegsausbruch ums Leben gekommen waren. Das entspricht mehr als einer Verdoppelung der jährlichen Sterberate seit Beginn der US-Invasion von 55 auf 133 Todesfälle unter 10.000 (richtig) Menschen.

Hochgerechnet kommen die Forscher auf landesweit 392.979 bis 942.636 zusätzliche Todesfälle im Irak durch Kriegsfolgen mit einem Mittelwert von 654.965 Toten - das sind rund 2,5 Prozent der Bevölkerung.

Saddam Hussein beschwert sich über Prozess
Der angeklagte frühere Staatschef Saddam Hussein beschwerte sich, ihm werde nicht erlaubt, sich angemessen zu verteidigen. "Wenn der Staatsanwalt spricht, hört die Welt zu. Wenn der Mann, der Angeklagter genannt wird, spricht, stellen Sie das Mikrofon ab. Ist das gerecht?", fragte Saddam Hussein den Vorsitzenden Richter Oreibi al-Khalifa. Der Expräsident bezog sich auf die Verhandlung vom Vortag, als er Verse aus dem Koran schrie. Der Richter schaltete ihm daraufhin das Mikrofon ab und verwies ihn des Saales.

Khalifa erklärte, Saddam Hussein dürfe sprechen, wenn er sich verteidigen wolle. Er dürfe jedoch keine politischen Reden halten. Als Saddam Hussein ihn unterbrach, schaltete der Richter das Mikrofon erneut ab. Der Expräsident setzte sich daraufhin, und das Gericht rief den ersten Zeugen auf. Der Zeuge der Anklage berichtete, wie seine Schwester Ende der 80er in den kurdischen Gebieten verschwand. Ihr Name sei kurz darauf auf einer Liste mit Menschen aufgetaucht, die vom irakischen Geheimdienst an Ägypten verkauft worden seien. Saddam Hussein und seinen Mitangeklagten droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe.
(apa)