Porträt von

Vier weitere Jahre Angela Merkel

Kanzlerin fährt trotz Kritik am Fehlen klarer politischer Richtung klaren Sieg ein

Angela Merkel © Bild: APA/DPA/Michael Kappeler

Für den deutschen Alt-Kanzler Helmut Kohl war sie einst sein "Mädchen", heute hat sie den Beinamen "Mutti". Sie ist in Deutschland die erste Frau, die zur Regierungschefin gewählt wurde und auch die erste Ostdeutsche in diesem Amt. Längst gilt Angela Merkel als mächtigste Frau Europas, wenn nicht der Welt. Nach ihrem absehbaren deutlichen Sieg bei der Bundestagswahl wird sie ihren bisher acht Amtsjahren vier weitere hinzufügen können.

Amtsmüde ist die 59-Jährige jedenfalls noch lange nicht. "Da mir die Arbeit Freude macht, macht es mir auch nichts aus, dass ich immer Bundeskanzlerin bin", sagte sie kürzlich vor der Presse.

Aufgewachsen in der DDR

Geboren wurde Merkel 1954 zwar im westdeutschen Hamburg, ihr Vater, ein Pfarrer, zog aber schon bald nach ihrer Geburt in die DDR. Dort wuchs sie in Templin (heute Brandenburg) auf. Sie studierte in Leipzig Physik, arbeitete dann an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften. Politisch aktiv wurde sie erst nach dem Fall der Berliner Mauer. In der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maiziere wurde sie 1990 stellvertretende Regierungssprecherin.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands machte Helmut Kohl sie 1991 zur Frauen- und 1994 zur Umweltministerin. Als Kohl nach seiner Abwahl 1998 in den Strudel einer Parteispendenaffäre geriet, distanzierte sich Merkel öffentlich von ihrem Mentor. Im Jahr 2000 wurde sie CDU-Chefin, zwei Jahre später auch Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach der Bundestagswahl 2005 führte sie die Christdemokraten an die Macht zurück.

Krisenmanagerin auf Sparkurs

In Merkels Regierungsjahre fielen die von den USA ausgehende Finanzkrise und die Euro-Schuldenkrise. Als Krisenmanagerin gewann sie international Statur, wegen ihres Beharrens auf einem strengen Sparkurs wird sie aber vor allem im Süden des Kontinents angefeindet. Das US-Magazin "Newsweek" bezeichnete sie 2011 als "Wonder Woman", doch auf den Straßen von Nikosia oder Athen zeigten Demonstranten Merkel auf Plakaten mit Hitler-Bärtchen oder in Nazi-Uniform.

Auf solche Attacken reagiert Merkel gelassen. Daheim kommt ihr Kurs in der Eurokrise gut an, weil die Kanzlerin als Verteidigerin der deutschen Steuerzahlerinteressen erscheint. Ihr Herausforderer Peer Steinbrück warf ihr im Wahlkampf vor, keine klare Vorstellung zur Entwicklung der Gesellschaft zu haben. Doch das kann Merkels Popularität anscheinend ebenso wenig anhaben wie der NSA-Skandal, ausgebliebene Steuererleichterungen oder die gestiegenen Energiekosten in Deutschland. Manche bezeichnen Merkel als die "Teflon-Kanzlerin", an der keine Kritik haften bleibe.

Liebe zur Natur und klassischer Musik

Auf ihrer neu gestalteten Homepage zeigt sich Merkel auch von ihrer persönlichen Seite. Sie erzählt von ihrer ersten, gescheiterten Ehe und davon, dass sie gerne kocht - "am liebsten Rouladen und Kartoffelsuppe." Ihr heutiger Ehemann, Chemieprofessor Joachim Sauer, und sie liebten beide die Natur sowie die klassische Musik, besonders Opern.

Konservative Kritiker, wie der brandenburgische CDU-Landeschef Jörg Schönbohm, werfen Merkel vor, die Partei habe unter ihr das Profil verloren. Andere politische Weggefährten zollten der Kanzlerin jüngst höchsten Respekt. "Wenn man sie unterschätzt, hat man schon verloren", befand CSU-Chef Horst Seehofer in einem ZDF-Porträt. Gregor Gysi von der Linkspartei wiederum brachte Merkels Erfolgschancen auf eine andere Formel: "Anders als bei Helmut Kohl 1998 haben die Leute noch nicht richtig genug von ihr", sagte er.

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