Andrea Ypsilanti setzt sich an Spitze: Wahlsiegerin stammt aus Arbeiterfamilie

SPD-Kandidatin gewann Woche für Woche an Profil

Arbeiter-Tochter gegen Ministersohn, linke Frau gegen konservativen Mann, Wohngemeinschaft gegen klassische Alleinverdiener-Familie, Patchwork-Biographie gegen zielstrebige Politiker-Laufbahn. Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti ist in nahezu jeder Hinsicht die Gegenfigur zu Ministerpräsident Roland Koch, dessen Büro in der Wiesbadener Staatskanzlei sie nun übernehmen könnte.

Dass die 50-Jährige ihre vor kurzem noch zerstrittene Partei wieder zur stärksten Fraktion im Landtag machte, hatten ihr anfangs die wenigsten zugetraut. Die Kandidatin gewann im Wahlkampf von Woche zu Woche an Profil, ihre öffentlichen Auftritte wurden sicherer. Hinter dem Aufstieg der zierlichen brünetten Frau steckt enorme Durchsetzungsstärke. "Ich bin verdammt zäh", lässt Ypsilanti ihre Anhänger auf Wahlkundgebungen wissen.

Die Sozialdemokratin verweist gern auf ihre Herkunft aus einer Arbeiterfamilie der Opel-Stadt Rüsselsheim. Nach der Schule arbeitete sie zeitweise als Sekretärin, dann als Stewardess und studierte schließlich Soziologie. 1986 trat sie der SPD bei. 1999 zog sie in den hessischen Landtag ein.

Vier Jahre später wurde sie Landesvorsitzende ihrer Partei; dennoch musste sie sich die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl erkämpfen. Nach monatelangem internen Tauziehen setzte sie sich Ende 2006 knapp gegen ihren Konkurrenten Jürgen Walter durch. Kurz darauf übernahm sie von ihm die Führung der Landtagsfraktion.

In der SPD zählt Ypsilanti zum linken Flügel. Der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder ärgerte sich über ihre Kritik an seiner Reform-"Agenda 2010". Mittlerweile ist ihre Forderung nach einer neuen "Gerechtigkeitsdebatte" und Mindestlöhnen Konsens bei den Sozialdemokraten.

Den Nachnamen hat die geborene Andrea Dill nach einer geschiedenen Ehe mit einem Griechen behalten - mehrere Freiheitshelden in der griechischen Geschichte hießen so. Heute lebt sie mit neuem Partner, ihrem Sohn und einer zweiten Familie in einer Wohngemeinschaft am Frankfurter Stadtrand. Mit Hilfe dieser Großfamilie könne sie ihre Aufgabe als Mutter und ihre politischen Ämter unter einen Hut bringen, sagt Ypsilanti.

(apa/red)