Schlager-Phänomen von

Die Königin der Schmerzen

Ihr Liebesleid machte sie reich: Andrea Berg im großen Interview

Andrea Berg © Bild: imago stock&people

Wer Angst vor der Psychotherapie hat, dem bleibt immer noch Andrea Berg: Die Rheinländerin mit der roten Mähne teilt den Herzschmerz ihres Alltags bereitwillig mit einem Millionenpublikum und verschafft sich und ihm so Linderung.

Ihre Lieder, versichert sie, seien ein "Allroundmittel gegen den Schmerz“ - zumal das Publikum spüre, dass sie all das, wovon sie singt, tatsächlich selbst erlebt habe.

Und der musiktherapeutische Erfolg gibt ihr Recht: Nicht weniger als 13 Millionen Alben hat die 47-jährige Ex-Krankenschwester bisher abgesetzt, und ihre Best-of-CD stand 346 Wochen in den deutschen Charts - länger als Platten der Stones oder der Beatles. Und auch ihr druckfrischer, von Dieter Bohlen produzierter Longplayer "Atlantis“ verkaufte sich in nur wenigen Tagen 100.000 Mal.

Leidenschaftlich erzählt Berg von den schweren Stunden einer gedemütigten Frau, von Betrug, enttäuschter Liebe. Inhalte, die im krassen Gegensatz zu ihren offensiven Bühnen-Outfits stehen, ihre hautengen Korsagen und ihre hochhackigen schwarzen Stiefel sind legendär.

Doch das, sagt sie, sei alles nur ein Schutzschild gegen die innere Zerbrechlichkeit, ein Reptilienpanzer. Und kramt eine kleine Stoff-Schildkröte aus ihrer Handtasche.

NEWS: Frau Berg, aus Ihrem Lied "Lebenslänglich“ stammt die Wendung "Wieder mal kaputt geliebt“ - können Sie diesen Seelenzustand näher beschreiben?
Berg: Kaputt geliebt - das ist, wenn ich an der Liebe scheitere. Wenn ich alles riskiere, alles gebe, aber im Endeffekt feststelle, dass ich doch getäuscht und enttäuscht wurde. Aber mir ist wichtig, in meinen Liedern etwas zu schaffen, das tröstet, eine Art Allroundmittel gegen den Schmerz. Ich glaube, dass man diese Dinge nur dann beschreiben kann, wenn man sie auch wirklich gefühlt hat.

NEWS: Demnach müssen Sie selbst ja schon sehr viel Schmerz gefühlt haben.
Berg: Ja - aber dazu sind wir ja letztendlich auf der Erde, Schmerz ist doch etwas, was die Seele bereichert, sie größer macht. Ich möchte ganz sicher keine dieser Erfahrungen missen.

NEWS: Sie wollen den Schmerz nicht missen?
Berg: Nein, denn letztendlich dient der emotionale Schmerz doch nur dazu, die glückliche Zeit dazwischen intensiver zu genießen, für sie dankbar zu sein - und demütiger. Es ist ein Fehler, dass wir während der kleinen positiven Zwischenräume auf eine Art Autopilot schalten und erst wenn es uns wieder schlechter geht denken: Mist, hätte ich das doch mehr genossen. Je früher man die Erfahrung tiefen seelischen Schmerzes macht, desto eher kann man sich vom Meeresgrund wieder abstoßen: Es ist heilsam, an den Punkt zu gelangen, von dem aus es nicht mehr tiefer geht, denn dann geht es zwangsläufig wieder nach oben - an die Luft, zum Atmen.

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