Anders Behring Breivik von

Das Urteil fällt

Breivik bereitet Erklärung für Urteilsverkündung vor - Um 10.00 Uhr fällt die Entscheidung

Anders Behring Breivik - Das Urteil fällt © Bild: REUTERS/Heiko Junge/Scanpix/Pool

Der Medienrummel vor dem Amtsgericht in Oslo ist groß: Heute fällt das Urteil gegen den mutmaßlichen Attentäter Anders Behring Breivik. Der 33-jährige Angeklagte hat sich schon gerüstet und sich Kommentare für die Urteilsverkündung überlegt. Er wolle ebenso für den Fall seiner Verurteilung zu einer Haftstrafe wie für den Fall seiner Einweisung in die Psychiatrie vorbereitet sein, sagte der Verteidiger Geir Lippestad.

Es ist aber unklar, ob das Gericht dem 33-jährigen Rechtsextremisten erlauben wird, sich zu äußern.

Breivik arbeitet an seiner Autobiografie
Ein anderer Anwalt Breiviks, Tord Jordet, sagte der Zeitung "Verdens Gang", sein Mandant arbeite an einer Art Autobiografie, in der er sich auch zur Vorbereitung der Anschläge äußern will. Das Buch, das Jordet zufolge frühestens im ersten Halbjahr 2013 erscheinen könnte, könnte auch Angaben zu den mysteriösen Tempelrittern enthalten, denen Breivik angehört haben will. Die Existenz der Gruppe ist aber weiter unbewiesen.

Breivik hofft auf Gefängnisstrafe
Breivik rechne damit, dass er in der bevorstehenden Urteilsverkündung für zurechnungsfähig erklärt wird, teilte Jordet mit. "Er ist nicht sehr nervös, sondern scheint ruhig und optimistisch zu sein, dass dies der Fall sein wird", sagte der Anwalt. Der mutmaßliche Attentäter möchte für zurechnungsfähig erklärt werden. Dies würde in Breiviks Augen seine politische Ideologie legitimieren, so Jordet.

Wenn das Gericht eine Haftstrafe gegen Breivik verhänge, werde dieser auf eine Berufung verzichten, sagte sein Anwalt Geir Lippestadt. Dagegen stehe für Breivik fest, dass er in die Berufung gehen wolle, wenn er als nicht schuldfähig eingestuft werde.

Breivik hat gestanden, am 22. Juli 2011 bei einem Bombenanschlag in Oslo und dem anschließenden Massaker auf der Insel Utöya im Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei insgesamt 77 Menschen getötet zu haben. Dennoch plädierte er in seinem Schlusswort am 22. Juni auf Freispruch wegen "Notwehr", da er mit seinen "präventiven Angriffen" das norwegische Volk, dessen Kultur und Land vor einer Islamisierung habe bewahren wollen.

Haftstrafe oder Psychiatrie?
Im Zentrum des Prozesses steht die Frage des Geisteszustands und damit der Schuldfähigkeit Breiviks. Zwei rechtspsychiatrische Gutachten waren zu gegensätzlichen Ergebnissen gekommen. Wird er für zurechnungsfähig erklärt, drohen ihm bis zu 21 Jahre Haft. Halten ihn die Richter dagegen für unzurechnungsfähig, folgt eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft will den Angeklagten trotz Zweifeln und sich widersprechender Experten als unzurechnungsfähig eingestuft wissen und ihn in die Psychiatrie schicken.

Urteil wird um 10.00 Uhr verkündet
Auch in den vergangenen Wochen sei Breivik "ruhig" gewesen und habe "keine Anzeichen von Reue" gezeigt, sagte Lippestadt. Das Gericht in Oslo will das Urteil am Freitag ab 10.00 Uhr (MESZ) verkünden.

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