Anders Behring Breivik von

Breivik soll in die Psychatrie

Das fordert Staatsanwatlschaft in ihrem Schlussplädoyer: "Mord- und Gewaltfantasien"

Anders Behring Breivik - Breivik soll in die Psychatrie © Bild: Reuters

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in die Psychiatrie eingewiesen werden. Dies fordern die Ankläger in ihrem Schlussplädoyer in dem Verfahren wegen der Ermordung von 77 Menschen vor einem Osloer Gericht. Der 33-jährige Angeklagte selbst hält sich für zurechnungsfähig und will seine Strafe in einem Gefängnis absitzen.

Sollte das Gericht in seinem Urteil Breivik hingegen für straffähig erklären, werde die Anklage die Höchststrafe von 21 Jahren fordern. Bereits im März hatten sich die Ankläger für eine Einweisung Breiviks in die Psychiatrie ausgesprochen. Nachdem mehrere Experten aber zuletzt seine Schuldfähigkeit bekräftigten, war damit gerechnet worden, dass auch die Staatsanwaltschaft ihre Meinung geändert haben könnte.

"Gewalt- und Mordfantasien"
Ankläger Svein Holden und seine Kollegin Inga Bejer Engh begründeten ihre Einstufung Breiviks als nicht schuldfähig mit "weiter bestehenden Zweifeln" an seinem psychischen Zustand während der Anschläge. "Nach unserer Überzeugung ist es schlimmer, einen psychotischen Menschen irrtümlich in Haft zu nehmen, als einen nicht-psychotischen in eine Zwangspsychiatrie", sagte Holden.

Die Staatsanwältin hatte zuvor detailliert ausgeführt, dass Breiviks behauptete Zugehörigkeit zu einem "Orden der Tempelritter" als politischem Netzwerk frei erfunden sei. In Wirklichkeit sei er von "Gewalt- und Mordfantasien" angetrieben gewesen. Breiviks Erklärungen zu seinem angeblichen politischen Hintergrund hätten das "für ihn tragische Bild eines jungen Mannes ergeben, der sich als Teil eines nicht existierenden Netzwerkes sieht". Sie hätten "jeder Logik entbehrt".

Breivik hält am Freitag Schlusswort
Nach dem Plädoyer der Verteidiger und einem Schlusswort von direkt betroffenen Überlebenden sowie Angehörigen von Opfern bekommt Breivik am Freitag die Gelegenheit zu einem Schlusswort. Er hat dafür eine Stunde Redezeit verlangt. Das Urteil soll am 20. Juli oder am 24. August verkündet werden.

Breivik hat gestanden, im Juli 2011 in einem Jugendlager der in Norwegen regierenden Sozialdemokraten auf der Insel Utöya 69 Menschen erschossen und zuvor im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet zu haben. Der 33-Jährige betrachtet sich als nicht schuldig im Sinne der Anklage. Er begründet seine Taten damit, Norwegen vor der Einwanderung von Muslimen schützen zu wollen. Der Regierung warf er vor, den Multikulturalismus zu fördern. Seine Opfer nennt er "Verräter".

Der Angeklagte beharrt darauf, straffähig zu sein, und will seine Strafe im Gefängnis absitzen. Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage zufolge wollen 74 Prozent der Norweger Breivik hinter Gittern sehen. Lediglich zehn Prozent sind für eine Einweisung in die Psychiatrie.