Anderlecht - Sturm von

Grazer vor dem Aus

Bittere 0:3-Niederlage in Brüssel besiegelt das Schicksal der "Blackies" schon fast

Anderlecht - Sturm - Grazer vor dem Aus © Bild: GEPA/Walgram

Zwei Runden vor dem Ende der Gruppenphase steht Sturm Graz in der Fußball-Europa-League im Kampf um den Aufstieg auf fast verlorenem Posten. Österreichs Meister kassierte beim belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht eine 0:3-(0:1)-Niederlage und müsste daher nicht nur seine ausstehenden Partien gegen Lok Moskau (1. Dezember/auswärts) und AEK Athen (14. Dezember/heim) gewinnen, sondern auch auf einen Umfaller der Russen in deren letzten Spiel hoffen.

Im Vergleich zur 0:2-Heimniederlage gegen Anderlecht vor zwei Wochen präsentierte sich Sturm zwar wesentlich couragierter und auch gefährlicher, ging aber durch Tore von Gillet (23.) und Suarez (74.), die beide schon im Hinspiel getroffen hatten, sowie De Sutter (81.) k.o. Zweites Deja-vu war eine Gelb-Rote Karte, diesmal musste Ferdinand Feldhofer bereits in der 58. Minute vom Platz. Und wie schon Ende Oktober wäre mit einer besseren Chancenverwertung und etwas Glück zumindest ein Punkt möglich gewesen. Schlussendlich setzte sich aber die höhere individuelle Klasse durch.

In der Tabelle von Gruppe L führt das makellose Anderlecht (12 Punkte) vor Lok Moskau (9), das in Athen 3:1 gewann. Sturm hält als Dritter so wie AEK Athen bei 3 Zählern.

1.300 Fans wollen helfen
Rund 1.300 Sturm Fans (600 waren im Zug mit Discowagen gekommen) sorgten im Constant-Vanden-Stock-Stadion für gute Stimmung. Prompt verkrafteten die Gäste das frühe Aus für Andreas Hölzl, der mit einer Schulterverletzung (dritte Schulterluxation der Karriere) Patrick Wolf Platz machte, gut und zeigten Flagge. Auch wenn die Hausherren mehr vom Spiel hatten, wurden die auch offensiv ambitionierten Grazer doch mehrmals gefährlich, etwa über Weber, der das Tor nur knapp verfehlte (10.) oder Wolf, der in der 20. Minute fast schon stümperhaft vergab.

In Führung gingen aber die Belgier, deren erste Großchance durch Suarez noch Cavlina zunichte gemacht hatte (9.): In der 23. Minute rissen die Gastgeber mit einer schnellen Aktion über zwei Stationen die sichtlich verwirrte Abwehr der Steirer auf, und Gillet schoss aus rund zehn Metern zum 1:0 ein (23.). Wenig später schoss Marecek aus aussichtsreicher Position über das Tor (31.).

Sturm, für das im Mittelfeld Matthias Koch nach über dreimonatiger Verletzungspause ein Comeback gab, wirkte einige Minuten lang geschockt, hatte schließlich aber durchaus die Möglichkeit auf den Ausgleich. Szabics nahm sich ein herrliches Zuspiel von Weber mit der Brust mit, hob den Ball aber nicht nur über Keeper Proto, sondern auch über das Tor (40.).

Sturm bleibt bemüht
Die Grazer blieben auch nach dem Seitenwechsel präsent und suchten immer wieder den Weg zum gegnerischen Kasten, so verfehlte Weber nach Szabics-Vorarbeit knapp das Tor (57.). Da Feldhofer aber in der nächsten Aktion vom Feld musste, weil er den stets gefährlichen Anderlecht-Stürmer Suarez auflaufen hatte lassen, erlitt Sturm dasselbe Schicksal wie beim Heimspiel - auch da beendete man das Spiel nach Gelb-Rot für Burgstaller (67.) zu zehnt.

Sturm, das nach dem Ausschluss nur noch mit der Solospitze Szabics (später Haas) agierte, war in der Folge zwar bemüht, aber harmlos. Anderlecht wiederum gefiel sich erst in der Rolle des Verwalters eines knappen Vorsprungs und machte schließlich durch einen Kopfball von Suarez (74.) den Sack zu. De Sutter (81.) stellte im Konter den 3:0-Endstand her.

Reaktionen
Franco Foda (Graz-Trainer): "Die Niederlage ist sehr, sehr bitter. Vor allem weil wir über 60 Minuten sehr gut gespielt und den Gegner unter Druck gesetzt haben und in der ersten Hälfte auch mehr Torchancen gehabt. Aber leider haben wir wie in Graz dann eine Rote Karte bekommen. Damit war die Partie gelaufen. Sehr bitter ist auch die Verletzung von Andreas Hölzl, das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison."

Roman Kienast (Graz-Stürmer): "Wir haben 60 Minuten ganz gut gespielt, es hat aber leider wieder der letzte Pass gefehlt. Nach dem Ausschluss sind wir ein bisschen zusammengefallen. Wir müssen jetzt trotzdem nach vorne schauen."

Ariel Jacobs (Anderlecht-Trainer): "Ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Spiel, wir hätten in der zweiten Hälfte besser spielen müssen. Wir haben gegen zehn Leute zu wenige Chancen herausgespielt, viele haben da schon an das Spiel am Sonntag gedacht. Es muss unser Ziel sein, den ersten Platz erfolgreich zu verteidigen, um in der K.o.-Phase einen vielleicht leichteren Gegner zu bekommen."