Anarchismus von

Staatsfeinde im Berner Jura

Kapitalismusgegner aus aller Welt treffen sich in der Kleinstadt Saint-Imier

Anarchismus - Staatsfeinde im Berner Jura © Bild: APA/MPA/PANAGIOTOU

Ausgerechnet in der Schweiz findet das Welttreffen der Kapitalismusgegner statt. Die Schuldenkrise verhilft dem Anarchismus zu neuem Interesse. 140 Jahre nach Ausrufung der Antiautoritären Internationalen im Schweizer Städtchen Saint-Imier treffen sich dort Anarchisten aus aller Welt.

Superpünktliche Züge, unkrautfreie Dorfstraßen, Berglandschaften wie gemalt. Anarchismus im Heidiland? Schwer vorstellbar. Aber wahr: Das Schweizer Uhrmacherstädtchen Saint-Imier gilt als Wiege der Antiautoritären Internationale. Dass anarchistisches Gedankengut in Krisenzeiten so populär wie schon lange nicht mehr ist, demonstrieren linke Weltverbesserer aus etlichen Ländern im Berner Jura.

Bis zu 3.000 Teilnehmer "von fast jedem Flecken der Erde" erwarten die Veranstalter des fünftägigen "Welttreffens des Anarchismus". Es gehe um "diverse Wege des Widerstands" gegen gesellschaftliche Übel, sagt Cheforganisator Michel Némitz. Mitreden darf jeder. Vom Umfang her erinnert das Programm an die Vollversammlung der Vereinten Nationen. Manche Themen sind selbst für Anarchismus-Anfänger nachvollziehbar. Der arabische Frühling und seine Folgen etwa, der Kampf gegen Rechtsextremismus oder die Schuldenkrise in der Eurozone.

Die Kapitalismus-Gegner wollen bis zum Sonntag in der Kleinstadt Saint-Imier über "diverse Wege des Widerstands" debattieren, erklärte Mitorganisator Michel Némitz von der Anarchisten Internationalen Föderation (AIF) am Mittwoch. Hintergrund seien die globale Schuldenkrise und andere "gesellschaftliche Übel".

Treffen mit vielen Prinzipien
Vertreten sind auch Aktivisten der Occupy-Bewegung sowie verschiedener Gruppen aus Deutschland - unter ihnen Anarchisten, die in Berlin und anderen Großstädten Proteste organisieren. Gewalt werde von der AIF jedoch abgelehnt, betonte Aristid Pedraza, einer ihrer Vordenker. Die Organisation hat gemäß ihrer antiautoritären Grundsätze keine Vorsitzenden oder Führungshierarchien.

Zu den Veranstaltungen in Saint-Imier - darunter auch Konzerte und Partys - erwartet die AIF bis zu 3000 Teilnehmer und Besucher. Bei Diskussionsrunden soll es vom Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung über Umweltverschmutzung bis zu Themen wie Militarismus, Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit gehen.

Leichter als das wofür können Revolutionäre meist darstellen, wogegen sie sind. Auch die "Prinzipien des Treffens" in Saint-Imier bieten eine lange No-No-Liste: "Wir erinnern an unsere Ablehnung von Kapitalismus, Imperialismus, Patriarchat, Sexismus, Rassismus, Kolonialismus, Staatlichkeit, jeglicher Religion und jeder anderen Form von Unterdrückung."

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