"An den Zweiten erinnert sich niemand":
Aragones will Titel für Team, Land & Familie

Möglicher Ballack-Ausfall für Teamchef kein Vorteil Aragones geht, weil niemand zum Bleiben aufforderte

 "An den Zweiten erinnert sich niemand":
Aragones will Titel für Team, Land & Familie © Bild: AP/Martin

Es ist ein Satz, mit dem Spaniens Teamchef Luis Aragones seinen Spieler vor dem Finale der EURO 2008 im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Deutschland Beine machen will: "Ich habe ihnen gesagt: An den Zweiten erinnert sich nachher niemand mehr." Daher hofft Aragones "bei allem Respekt vor dem Gegner", dass seine Spieler den ersten "Cup in Farbe" in Händen halten werden können. Beim EM-Titel 1964 gab es ja nur Schwarz-Weiß-Fernsehen.

Bei den Deutschen beeindruckt Aragones vor allen die starke Physis und der Vorteil, den sie gegenüber den Spaniern bezüglich der Körpergröße haben. "Bei Cornern, Freistößen sind sie gefährlich, weil sie größer und stärker sind. Vielleicht werden wir versuchen, uns eine Leiter zu kaufen. Sie sind schnell und können uns in Kontern gefährlich werden. Aber wir werden besprechen, wo sie uns wehtun können und umgekehrt."

Der mögliche Ausfall von Michael Ballack sah "Luis" am Abend vor dem Spiel nicht unbedingt als Vorteil: "Ballack ist ein großer Spieler, aber ich halte solche Ausfälle immer für schlecht. Sein Ersatzmann wird umso schneller laufen. Ballack ist ein wichtiger Mann, aber ich kümmere mich immer um die ganze Mannschaft und vor allem sorge ich mich um mein eigenes Team."

Teamchef stand schon unter heftiger Kritik
Nach dem Finale wird Aragones nach eigenen Aussagen auf alle Fälle seinen Dienst als Teamchef quittieren. "Ich gehe, weil mich niemand gefragt hat, ob ich bleibe", meinte er etwas kryptisch. Tatsächlich war seine Akzeptanz sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit noch vor der EURO keineswegs so groß gewesen wir jetzt.

Was ihm fehlen werde? "Ich habe in den vergangenen vier Jahren mein Land verteidigt, meine Spieler verteidigt. Das ist etwas Nostalgisches, aber daran werde ich zurückdenken. Und wie ein ganz normaler Spanier darauf hoffen, dass das Nationalteam weiter gewinnt."

Dass er in seinen fast vier Jahren als Teamchef auch Kritiken einstecken musste, kann Aragones akzeptieren: "Alles, was dir im Leben passiert, hat einen Sinn. Ob es nun etwas Gutes oder Schlechtes ist. Aus schlechten Dingen kann man auch lernen." Auch aus Kritiken der Journalisten. "Böse werde ich nur, wenn Beschimpfungen dabei sind."

Fehlen von Villa macht geringfügige Änderung erforderlich
Der Ausfall von Top-Torjäger David Villa, der mit vier Toren vor dem Finale die Torschützenliste der EURO 2008 anführt, wird das spanische System nur "ein wenig" beeinflussen, meinte der Teamchef: "Vielleicht werden wir im Spiel nach vorne jetzt etwas anders agieren. Wir werden jemanden haben, der mehr im Mittelfeld arbeiten wird."

Dieser Satz ließ darauf schließen, dass Spanien nur mit einer Spitze (Fernando Torres) und Cesc Fabregas als zusätzliche Kraft im Mittelfeld beginnen wird. Offenbar um nicht zu viel zu verraten, machte Aragones dann aber einen kleinen verbalen Rückzieher: "Vielleicht beginnen wir auch mit zwei Stürmern."

Eines ist aber klar, am Sonntag zählt für Luis Aragones nur eines: "Ich will gewinnen. Für mein Land, für die Spieler, für mich, für meine Frau, für meine Familie, für euch Journalisten..." Sollte "La Roja" tatsächlich den Titel gewinnen, dann würde "Luis" im doppelten Sinne Geschichte schreiben: Er ist am Tag des Endspiels 69 Jahre und 338 Tage alt und wäre damit der älteste Trainer, der eine Mannschaft zum EM-Titel geführt hat.
(apa/red)

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