Economy Class von

An die Goorgel

Anna Gasteiger © Bild: News/Ricardo Herrgott

Facebook steht wegen Datenskandals unter Druck. Am Dienstag gab Firmenchef Mark Zuckerberg vor dem US-Senat kunstvoll den Büßer. Zitternde Stimme, wortreiche Beteuerungen. Am meisten Eindruck hinterließ bei den zahlreichen Beobachtern offenbar die Tatsache, dass der 33-jährige Facebook-Gründer in der Lage ist, sich einen Anzug anzuziehen. Das lässt hoffen. Nicht uns, sondern Facebook.

Auch die ÖVP-FPÖ-Koalition will sich Facebook, Google und Co. vorknöpfen. Die Pläne von Medienminister Gernot Blümel sind ehrgeizig und die jüngsten Streitereien rund um den ORF aus seiner Sicht wohl bestenfalls ein Vorspiel mit Unterhaltungswert: Unter österreichischer Anleitung und im europäischen Verbund soll es den Silicon-Valley-Giganten an die, verzeihen Sie den Kalauer, Goorgel gehen. Durch Lösungen im Bereich Leistungsschutzund Urheberrechte -notfalls, wenn es europaweit zu keiner Einigung kommt, auch national. Durch die Klärung der medienrechtlichen Behandlung von Aggregatoren und Plattformen im Internet sowie die Forcierung der Errichtung von digitalen Betriebsstätten, um Facebook und Co. zum Steuerzahlen zu zwingen.

Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels ist auch eine gemeinsame digitale Vermarktungsplattform von ORF und Privaten geplant, um österreichischen Public Value zu stärken und wettbewerbsfähiger zu machen. So steht es im Regierungsprogramm.

Die lokalen Marktteilnehmer -das steht so nicht drinnen, aber das hat Blümel in Interviews ausgeführt und es ist wohl unabdingbare Voraussetzung für Medienpolitik neuen Stils -mögen ihre jahrelang liebevoll gepflegten Feindschaften begraben und sich gemeinsam für den Erhalt des Medienstandorts einsetzen. Das klingt ein bisschen so, als würde man Fünfjährigen vor dem Kuchenblech mit dem kategorischen Imperativ kommen, aber das Spektrum erzieherischer Methoden ist zur Not ja weit - und wer am Schluss das größte Stück bekommt, entscheidet immer noch die Person mit dem Kuchenmesser.

Neue Zeiten erfordern neue Strategien: Während nationale Marktteilnehmer um das Überleben kämpfen, wuchern die Facebooks und Googles dieser Welt auf deren Kosten immer weiter. Das sollte sich ändern. Think bigger. Es muss ja nicht gleich der Anzug sein. Wenn Mark Zuckerberg wegen des erfolgreichen Vorgehens Österreichs (und der EU) gegen Facebook sein graues T-Shirt wechselt, weil das alte nassgeschwitzt war, reicht es schon.

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