Amoklauf von Winnenden von

Neue Verhandlung?

Vater des Amokläufers bekämpft Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung

Amoklauf von Winnenden - Neue Verhandlung? © Bild: Reuters/Eisele

Der wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Vater des Amokläufers von Winnenden hat dem Landgericht Stuttgart ein unfaires Verfahren vorgeworfen. In ihrem Revisionsantrag fordern die Anwälte des 52-Jährigen "die vollständige Aufhebung des Urteils", wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Sonntag berichtete. Jörg K. war im Februar wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Der 17-jährige Sohn des Sportschützen hatte am 11. März 2009 an seiner früheren Realschule in Winnenden und auf der Flucht wahllos 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst tötete. Weil die Tatwaffe aus dem Besitz seines Vaters stammte, musste sich Jörg K. vor Gericht verantworten.

Die Anwälte von Jörg K. werfen den Richtern laut "Focus" Verfahrensfehler vor. So seien zentrale Beweisanträge "zu Unrecht" abgelehnt worden, mit denen die Verteidiger eine Mitschuld von Ärzten und Therapeuten einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie nachweisen wollten. Dort war der Amokläufer wenige Monate vor der Tat untersucht worden.

Aus einem Abschlussbericht über die Behandlung gehe hervor, dass den Ärzten "keine Hinweise" auf eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorlagen und dass Tim bei seinem letzten von fünf Terminen "wesentlich entlastet wirkte". Aus Sicht der Verteidiger beweisen die Formulierungen, dass weder Ärzte noch Therapeuten die von Tim ausgehende Gefahr erkannt haben. Damit wäre die Unterstellung des Gerichts haltlos, Jörg K. als medizinischer Laie habe die Tat "voraussehen können".