Amoklauf in Deutschland: Trauma von Erfurt wurde bis heute nicht überwunden

Amoklauf an Gymnasium liegt sieben Jahre zurück Ex-Schüler tötete damals Schüler, Lehrer & Polizisten

Der Amoklauf eines 17-Jährigen in Winnenden bei Stuttgart weckt Erinnerungen an eine ähnliche Bluttat im Erfurter Johannes-Gutenberg-Gymnasium vor fast sieben Jahren. Am 26. April 2002 stürmte der 19-jährige Robert Steinhäuser vermummt und mit Pistole und Pumpgun bewaffnet durch die Flure seiner ehemaligen Schule und erschoss innerhalb von höchstens zehneinhalb Minuten zwölf Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin sowie einen Polizisten. Anschließend tötete er sich selbst. Der Täter war zuvor von der Schule verwiesen worden.

Beinahe die Hälfte der Schülerschaft des Gymnasiums galt kurz nach dem Amoklauf als traumatisiert, auch Hinterbliebene brauchten psychologische Behandlung. Der größte Teil der mehr als 600 Schüler und Lehrer befand sich auch ein Jahr später noch in Gruppen- und Einzeltherapie. Bis heute werden neun Schüler und sechs Lehrer nach Angaben der Unfallkasse Thüringen vor allem wegen sogenannter posttraumatischer Belastungsstörungen betreut. Eine Sprecherin ging am Mittwoch davon aus, dass nach dem Amoklauf in Baden-Württemberg "viele weitere an dieses Ereignis erinnert und auch wieder rückfällig werden".

Die Bluttat von Erfurt hatte auch politische Konsequenzen. Das Waffengesetz wurde verschärft, ein neues Jugendschutzgesetz brachte strengere Auflagen für Gewaltvideos und Computerspiele. Steinhäuser hatte am Computer Ego-Shooter gespielt, bei denen der Spielgegner getötet werden muss. Das Johannes-Gutenberg-Gymnasium wurde nach dem Amoklauf vollständig saniert und umgebaut. Nach vorübergehendem Unterricht in einem Ausweichquartier begann im Sommer 2005 wieder der Lehrbetrieb in dem Gründerzeitbau.

(apa/red)