Amnesty wird Israel Kriegsverbrechen vor:
Vorsätzliche Angriffe auf zivile Infrastruktur

ai-Bericht macht Militärführung schwere Vorwürfe Delegation war mehrere Wochen im Libanon tätig

Die israelische Militärführung soll im Libanonkrieg "vorsätzlich" "Kriegsverbrechen" begangen haben. Das behauptet ein Bericht der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai). Der Bericht wirft Israel vorsätzliche Angriffe auf zivile Infrastruktur vor, die keine "offenbare strategische Bedeutung" gehabt hätten.

Die Zerstörung Tausender Häuser sowie zahlreicher Brücken, Straßen, Wasserwerke und Treibstofflager gehörte von Anfang an zur israelischen Militärstrategie im Libanon, meint ai und fordert nun eine umfassende unabhängige Untersuchung der Vorfälle.

"Viele dieser Angriffe waren vorsätzlich, unverhältnismäßig, und unterschieden nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen", sagte Heinz Patzelt, Generalsekretär von amnesty international Österreich. "Die israelische Regierung hat in diesen Fällen Kriegsverbrechen begangen. Muster, Reichweite und Ausmaß der Angriffe machen Israels Behauptung, dass es sich dabei um so genannte Kollateralschäden im Rahmen rechtmäßiger Angriffe gehandelt habe, schlicht unglaubwürdig."

Der ai-Bericht basiert auf den Ergebnissen einer Delegation, die mehrere Wochen lang im Libanon tätig war. Er trägt den Titel "Deliberate destruction or collateral damage? Israeli attacks against civilian infrastructure" ("Bewusste Zerstörung oder Kollateralschaden? Israelische Angriffe auf zivile Infrastruktur"). Die Rechercheure sprachen mit Opfern, UNO-Beamten, Vertretern der israelischen Armee und der libanesischen Regierung. Zeitgleich hat eine ai-Delegation in Israel Menschenrechtsverletzungen durch die libanesische Hisbollah-Miliz untersucht.

Dem Bericht zufolge hat die israelische Luftwaffe zwischen dem 12. Juli und 14. August 2006 über 7.000 Angriffe auf rund 7.000 Ziele geflogen. Hinzu kamen 2.500 Bombardierungen durch die israelische Marine. Es habe über 1.100 Tote auf libanesischer Seite gegeben, davon 45 Prozent Kinder. 3.697 Menschen wurden verletzt und 970.000 mussten fliehen - rund ein Viertel der libanesischen Zivilbevölkerung.

Israel hatte stets damit argumentiert, dass die Notwendigkeit, die Nachschubwege der Hisbollah zu zerstören, den Angriff auf zivile Infrastruktur notwendig mache. Die Hisbollah hatte beispielsweise ihre mobilen Raketenabschussrampen bevorzugt in dicht besiedelten Wohngebieten aufgestellt. Derartiges habe die traditionelle Trennung zwischen militärischen und zivilen Zielen komplizierter gemacht als es sonst in zwischenstaatlichen Konflikten der Fall sei. (apa/red)