Flüchtlinge von

Amnesty International
besucht Traiskirchen

Will sich Bild von Lage im Lager machen - Medienvertreter dürfen nicht aufs Gelände

Traiskirchen © Bild: APA/Roland Schlager

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat am Vormittag die angekündigte Prüfung des überfüllten Erstaufnahmezentrums Traiskirchen gestartet. Wie lange diese dauern wird, war nicht abschätzbar. Laut Sprecherin soll es aber im Anschluss ein kurzes Pressestatement geben.

Kurz vor 10.30 Uhr traf das AI-Team in einem Kleinbus beim Zentrum ein. Vier Personen - drei Experten und ein Dolmetscher - in gelben Westen gingen dann auf das Gelände. Sie sollen die humanitären, gesundheitlichen und hygienischen Zustände prüfen. AI geht davon aus, dass die Experten mit Flüchtlingen sprechen können.

Laut Gesine Schmiedbauer, Pressesprecherin von AI Österreich, lässt sich noch nicht sagen, wie viel Zeit die Überprüfung in Anspruch nehmen wird. Im Anschluss soll es jedoch ein knappes Statement geben. In etwa sieben bis zehn Tagen wird ein Bericht mit Analyse und konkreten Empfehlungen vorliegen. Hierzu sei dann auch eine Pressekonferenz geplant, so Schmidbauer.

Vor dem Erstaufnahmezentrum warteten am Donnerstagvormittag Journalisten und Flüchtlinge. Immer wieder stoppten Pkws. Private brachten etwa Decken und verteilten sie an Asylwerber

Belagsstand in Traiskirchen nahezu unverändert

Der Belagsstand im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen ist einen Tag nach Inkrafttreten des Aufnahmestopps am Mittwoch nahezu unverändert geblieben: Rund 4.100 Asylwerber hielten sich am Donnerstag auf dem überfüllten Areal auf, hieß es auf Nachfrage der APA aus dem Innenministerium. 1.500 davon hätten kein Bett. Zwei Tage zuvor waren es auch um die 4.000 Flüchtlinge, ebenso 1.500 ohne Schlafplatz.

"Unerträgliche" Zustände im Lager

Erst gestern, Mittwoch, hat die Volksanwaltschaft auf "unerträgliche" Zustände im Asyl-Erstaufnahmezentrum Traiskirchen hingewiesen. Dies gelte vor allem für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, so Günther Kräuter (SPÖ). Gemeinsam mit Rechtsanwalt Franjo Schruiff und dem Arzt Siroos Mirzaei zeichnete Kräuter ein schauerliches Bild der Lage im Lager. Man habe Mitte Juli 3.828 Menschen im Lager vorgefunden (zuletzt waren es sogar rund 4.500), davon 1.588 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Von diesen hatte die Hälfte kein Bett.

Traiskirchen
© APA/Einsatzdoku.at Kräuter beklagt die Lage in Traiskirchen

Mängel gab es bei der Hygiene und der medizinischen Nachsorge. So habe man einen jungen nierenoperierten Mann mit aus seinem Körper heraushängenden Schlauch vorgefunden, dem erst nach Intervention des achtköpfigen Teams der Volksanwaltschaft geholfen wurde. Die Hürde sei hier die Anmeldung zur Behandlung: Wer nicht Deutsch oder Englisch könne, schaffe es nicht zu dem durchaus engagierten und vielsprachigen medizinischen Team, so Mirzaei. Kritik übte er auch an den großen Ressourcen, die in Untersuchungen zur Altersfeststellung gesteckt würden.

Unbegleitete Kinder "immer die Letzten"

Unbegleitete Kinder und Jugendliche "sind immer die Letzten", so Schruiff. Aufgrund des Überbelags herrsche dringender Handlungsbedarf. Bei Kommissionsbesuchen in anderen Einrichtungen suche man nach einzelnen Menschenrechtsverletzungen. In Traiskichen stelle sich aber die Frage: "Welche Menschenrechte wurden nicht verletzt?"

Traiskirchen
© APA/Roland Schlager Unbegleitete Kinder und Jugendliche "immer die Letzten"

Anahita Tasharofi, Gründerin des Vereins "Flucht nach Vorn", berichtete von der Verzweiflung der traumatisierten Jugendlichen. Immer wieder gebe es Selbstmordversuche und Selbstverletzungen. Tagsüber hätten sie nichts anderes zu tun, als über den Horror ihrer Flucht nachzudenken. Nachts müssen sie im Freien schlafen, ergänzte Schruiff. "Da fressen sie die Gelsen."

Kräuter begrüßte die Besichtigung durch Amnesty International. "Jeder Beitrag, um diesen Zustand zu beenden, ist sehr sehr wichtig", sagte er. "Traiskirchen kann in dieser Form einfach nicht fortgeführt werden."

Kommentare

ein schlagender beweise, wie unfähig DIESE regierung ist. es macht einen fassungslos und sprachlos.

Oberon
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Ich bin schon sehr gespannt, was die Experten von AI raus finden werden. Dass das Flüchtlingslager überfüllt ist, das wissen wir. Man hätte sich schon viel früher um die Zustände in
Traiskirchen kümmern müssen, hat aber das Unangenehme, wie so oft in Ö, so lange verschoben, bis nichts mehr geht.
Wenn man sich um die Asylwerber annimmt, was menschlich gesehen selbstverständlich ok ist, .....

Oberon
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... dann sollte man zwischendurch auch ein Augenmerk auf die überforderte Traiskirchner Bevölkerung legen. Ich weiß, sich um
die eigenen Leute zu kümmern, ist nicht IN. Trotzdem!

Bill Rizer

Jetzt wirds brenzlich. Nicht, dass uns noch verboten wird, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

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