Ammanns Bindung entspricht den Regeln:
FIS hat Gerät unter die Lupe genommen

Simon Ammann nimmt ÖSV-Athleten in Schutz Presserummel: Kofler braucht 'Energie für sich selbst'

Ammanns Bindung entspricht den Regeln:
FIS hat Gerät unter die Lupe genommen © Bild: GEPA/Pammer

Das Sportliche, die Qualifikation für den zweiten Skisprung-Bewerb der Olympischen Spiele im Whistler Olympic Park, ist am Freitag nur Nebensache gewesen. Doch besser an diesem Tag, als am Bewerbstag. Die Jury ist nach den weltweiten Schlagzeilen um die angeblich irreguläre Bindung von Simon Ammann selbst zur Tat geschritten und hat das Arbeitsgerät des dreifachen Olympiasiegers überprüft und für regelkonform erklärt.

Für Kopfschütteln im internationalen Journalistenkreis sorgte danach die Aussage von Cheftrainer Alexander Pointner, der via Pressesprecher Florian Kotlaba ausrichten ließ: "Er kann noch keine definitive Ja- oder Nein-Entscheidung geben. Toni (Innauer-Anm.) kommt heute und sie werden sich zusammensetzen und das besprechen." Zuvor war Österreichs Erfolgscoach den Journalisten kurz zur Verfügung gestanden.

"Die Lage hat sich natürlich etwas entspannt, jeder hat darüber geschlafen. Es war richtig und in meinem Verantwortungsbereich, dass ich Neuerungen nachgehe. Es ist sehr gut analysiert worden, auch heute hat es jeder sehen können, jeder kann sich eine Meinung bilden. Wichtig ist, wie sieht es für die Zukunft aus? Es stehen noch interessante Veranstaltungen vor der Tür", ließ Pointner nicht erkennen, dass das Thema nun für diese Saison für ihn vom Tisch ist.

Seinen Athleten ist der Mediensturm nicht völlig gleichgültig, den die ÖSV-Präsentation eines Dossiers und die Ankündigung eines Protests gegen Ammann, sollte dieser am Samstag seine Bindung einsetzen, ausgelöst hatte. Andreas Kofler zur APA ob diese Aktion seiner Meinung nach notwendig war? "Ich persönlich glaube nicht. Ich kann nur sagen, dass ich die Energie für mich selbst brauche und ich mich mit so einem Zeug nicht herumschlage. Wir als Athleten sind im Endeffekt die Leidtragenden, aber ich kann es eh nicht ändern", so der Sieger der Vierschanzen-Tournee.

Auch Normalschanzen-Weltmeister Wolfgang Loitzl nahm sich kein Blatt vor den Mund, obwohl es am Vortag noch einen "Maulkorb" für die ÖSV-Adler gegeben hatte: "Es hat mich nicht aus der Fassung gebracht. Aber jetzt ist halt der schale Beigeschmack dabei, den wird man jetzt nicht mehr los. Entweder es geht für Simi gut aus, dann heißt's, es war die Bindung, oder es geht anders aus, dann heißt's, er ist aus der Fassung gebracht worden."

Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern zur Causa prima: "Taugen tut es mir natürlich nicht. Ich kenne das Reglement nicht auswendig und deshalb kann ich mir keine Meinung bilden. Das sollen andere auf anderer Ebene lösen." Ob man die Diskussion vielleicht unter Beteiligung von weniger Öffentlichkeit hätte machen sollen? "Dazu sage ich jetzt nichts", meinte der Kärntner schmunzelnd.

Größe bewies jedenfalls Simon Ammann. Zunächst auf der Schanze mit einem 140-m-Flug in der Qualifikation und danach im Auslauf, als er jedem einzelnen Kamerateam und danach auch noch den Journalisten zur Verfügung stand. "Die Weite stimmt, ich muss versuchen, mich trotz Turbulenzen auf meine Sprünge zu konzentrieren."

"Nein, es ist nichts Persönliches"
Ob er denn nun sauer ist auf die Österreicher? "Nein, es ist nichts Persönliches. Ich sehe, dass die Situation angespannt ist und ich finde auch, dass es wichtig ist, die Athleten in Schutz zu nehmen. Mit den Athleten habe ich es sowieso immer gut, die Stimmung war sogar vor der Quali wirklich sehr gelöst. Das ist ein Haufen Spitzenathleten - mal ist der stärker und mal der. Das muss man immer vor Augen haben."

Die FIS habe bei der Überprüfung nur gecheckt, ob sein Schuh gerade in der Bindung steht, erklärte der dreifache Olympiasieger. "Und dazu gab es ein Okay. Es ist überhaupt nicht möglich zu protestieren und es wurde ja auch schon vorher genützt." Grundsätzlich habe man schon länger überlegt, das Bindungssystem einzusetzen. "Ich habe gesagt, wir müssen Geduld haben, werden automatisch merken, wann es kommt. Das ist unser Vorteil hier, den wir wirklich haben. Es ist anders zu springen, meine Form war sehr gut, dann ist es einfacher, die Anpassung zu machen." Er sei aber auch schon früher weiter als die Konkurrenz gesprungen, ohne dieses System. "Dann reißt man ein Teil hervor, das Schuld an der guten Leistung ist. Aber es ist natürlich eine ganze Summe, die einfach jetzt hier schön zusammenpasst."

Und was meint Ammann zu den Sicherheitsbedenken der Österreicher? "Wichtig ist, dass der Schuh gerade auf dem Ski steht, damit man nicht schräg steht und man kein gefälschtes Gefühl hat. Und der Rest gibt mir Stabilität im Flug und das ist ja nur für die Sicherheit." Übrigens: Hätte die FIS nicht von selbst die Jury zur Überprüfung eingesetzt, dann hätten die Schweizer Protest gegen sich selbst eingelegt, um das Thema vom Tisch zu haben. Dieses Kasperltheater wollte sich die FIS aber dann nicht antun.

(apa/red)