Amis rüsten in Detroit gegen die Japaner: US-Autobauer in immer größerer Bedrängnis

General Motors wird Platz 1 wohl an Toyota verlieren Amerikaner haben alternative Antriebe verschlafen

Amis rüsten in Detroit gegen die Japaner: US-Autobauer in immer größerer Bedrängnis

Was sich lange abgezeichnet hat, wird 2007 wohl Realität: Nach 75 Jahren verliert General Motors (GM) seine Vormachtstellung als weltgrößter Auto- Hersteller. Vom Thron gestürzt werden die Amerikaner von Toyota - davon gehen Branchenexperten auf Grundlage der Produktionsplanung der Japaner aus. 9,42 Millionen Autos sollen von den Bändern von Toyota rollen. Ford, die Nummer zwei in den USA, wird gleichzeitig auf seinem Heimatmarkt auf Rang drei abrutschen.

Ein Grund für den unaufhaltsamen Aufstieg von Toyota auch im Mutterland der automobilen Massenproduktion ist der Vorsprung bei Sprit sparenden Hybrid-Autos und erschwinglichen Kleinwagen mit guter Qualität. Auf diesen Feldern versuchen die Amerikaner mittlerweile verzweifelt, verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. Auf der Automesse in Detroit, die am kommenden Wochenende beginnt, haben GM, Ford und Chrysler die Chance, neue Stärke zu zeigen, wenn sie neue Modelle und Zukunfts-Studien im Gleißen der Scheinwerfer einem großen Publikum vorstellen.

Mehr Alternative als je zuvor
Auf den Messeständen werden mehr Autos mit alternativen Antrieben zu sehen sein als je zuvor. GM hat schon im Vorfeld der traditionell ersten Autoschau des Jahres ein Hybrid-Auto mit kombiniertem Elektro- und Benzin-Antrieb gezeigt. Der sportliche Geländewagen Saturn Vue Green Line soll mit besseren Batterien und der Möglichkeit, diese an der Steckdose aufzuladen, länger mit reinem elektrischem Strom fahren können als die bisherigen Hybrid-Modelle. Der defizitäre US-Konzern will künftig stärker die Themen Umwelt und Energie betonen und das Image abstreifen, nur ein Hersteller von Sprit schluckenden Großlimousinen zu sein.

Trend verschlafen
Die US-Autobauer haben den Trend zu Benzin sparenden Autos auf ihrem Heimatmarkt verschlafen und zusehen müssen, wie japanische und südkoreanische Konzerne ihnen in der Gunst der von hohen Spritpreisen geschockten amerikanischen Autofahrer den Rang ablaufen. Und nun drängen die Asiaten sogar in die einstige Domäne der Amerikaner, das Segment der luxuriösen Geländewagen und Kleintransporter vor. Die Lage der "großen Drei", die nun nicht mehr die drei größten Hersteller in den USA sind, dürfte sich auch im neuen Jahr nicht wesentlich verbessern: Der Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen werde in den USA auf den tiefsten Stand seit neun Jahren schrumpfen, erwarten Experten.

Großes aus Deutschland
Die deutschen Autobauer stellen in Detroit traditionell großvolumige Fahrzeuge und Studien in den Mittelpunkt. Mercedes präsentiert ein Luxus-Cabrio auf Basis der S-Klasse und zeigt den Geländewagen GL mit dem "sauberen" Bluetec-Antrieb. VW setzt seine Hoffnungen auf den neuen, kompakten Geländewagen Tiguan. Porsche hebt den optisch überarbeiteten Geländewagen Cayenne hervor, und von Audi ist der Supersportwagen R8 mit 420 PS zu sehen.

Bluetec
Daneben wollen sie wieder einmal Überzeugungsarbeit leisten: für den Diesel, den die Deutschen im Wettstreit um sparsamere Fahrzeuge auf dem weltweit größten Automarkt gegenüber der Hybrid-Technik favorisieren. Mercedes-Benz, VW und Audi arbeiten zusammen, um die in den USA bislang verpönten Selbstzünder mit einer einheitlichen Abgasreinigungstechnik unter dem Markennamen "Bluetec" durchzusetzen. Zu der Allianz soll später Chrysler hinzu stoßen. Die Abgastechnik erfüllt auch die strengen Abgas-Vorgaben, die von 2009 an in den USA gelten werden. "Bluetec" basiert auf der Beimischung von Harnstoff. BMW entwickelt eine eigene Technologie, ebenfalls auf Harnstoff-Basis, für eine flächendeckende US-Zulassung.

Hochgesteckte Ziele
Hintergrund des Glaubenskriegs: Die Autobauer stehen unter Druck, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu verringern. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat sechs der großen Autobauer - darunter GM, Ford und Toyota - wegen des CO2-Ausstoßes ihrer Produkte schon auf Schadensersatz verklagt. In Europa droht die EU-Kommission den Konzernen, sie per Gesetz zur Einhaltung der Klimaschutz-Ziele zu zwingen. "Im Laufe des Jahres 2007 wird sich zeigen, dass die Autohersteller ihre Ziele zur CO2-Verringerung nicht erreichen", prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Marktforschungsinstituts B&D Forecast. Das werde sich 2007 auch auf die Nachfrage auswirken: Für die Autokäufer würden die Themen Umwelt und Energie immer wichtiger. (APA/red)