Amerika wird sich in Zurückhaltung üben:
"Sanfte" Maßnahmen von USA bevorzugt

Absage an stärkere Regulierungen ist zu erwarten Konjunkturprogramme & mehr Transparenz anvisiert

Von einem überzeugten Verfechter des Liberalismus wird man sich selbst in Krisenzeiten keine Wunder erwarten dürfen. Die Position der Bush-Administration wird sich beim Finanzgipfel folglich kaum von der US-Wirtschaftspolitik der letzten Jahre unterscheiden.

Dem nun vielerorts erhobenen Ruf nach mehr Staat und einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte kann die US-Regierung jedenfalls wenig abgewinnen. Von einer mächtigen globalen Finanzkontrollbehörde will Präsident George Bush ebensowenig wissen wie von Steuern auf Transaktionen oder einer Einschränkung der Freiheit der Finanzmärkte.

Der Finanzkrise, die allmählich in eine globale Wirtschaftskrise umschlägt, müsse man nach Ansicht des Weißen Hauses in erster Linie mit nationalen Konjunkturprogrammen zu Leibe rücken. Zusätzliche Regeln wären hilfreich, sollten aber in erster Linie die Transparenz auf den Finanzmärkten erhöhen. Ein verbessertes Risikomanagement, eine intensivierte Koordination der nationalen Regulationsbehörden und eine Präzisierung der Bilanzierungsregeln wäre nach Ansicht der Bush-Administration dafür in jeder Hinsicht ausreichend. "Die Krise dürfe nicht als Ausrede für neue Einschränkungen der Handelsfreiheit missbraucht werden", tönte es zuletzt mehrmals über den Atlantik. Alles andere als eine Beibehaltung dieses Kurses beim Finanzgipfel wäre tatsächlich ein kleines Wunder.
(Stefan Meisterle)