Amazonas von

Sohn findet Mutter nach
20 Jahren bei Indianer-Stamm

Berührendes Wiedersehen im Dschungel Venezuelas

Amazonas - Sohn findet Mutter nach
20 Jahren bei Indianer-Stamm

Die "Dschungel-Liebe" seiner Eltern endete tragisch: David Good, Sohn einer Amazonas-Ureinwohnerin und eines Forschers, musste ohne seine Mutter aufwachsen. Das Yanomami-Stammesmitglied heiratete seinen Vater und zog vom Urwald in eine amerikanische Großstadt. Doch die Frau verkraftete den Kulturschock nicht und verließ vor zwanzig Jahren ihre Familie. Nun kann Good seine Mutter endlich wieder in die Arme schließen.

Im Jahr 1987 waren die Ureinwohnerin und der Forscher aufgrund ihrer außergewöhnlichen Liebesbeziehungen auf den Titelblatt des "People Magazine" zu sehen, schreibt die New York Post. Die Story hieß: "Eine Geschichte aus dem Amazonas: Liebe – und ein Jumbo-Jet – brachten Yarima aus der Steinzeit nach Philadelphia". Schon damals berührte das Schicksal der beiden die Menschen. Kenneth Good hatte im Zuge seiner Forschungen jahrelang zusammen mit den Yanomami gelebt und Yarima zur Frau genommen.

Nach Vergewaltigung in die USA ausgewandert

Nach Goods Rückkehr führten die beiden jahrelang eine Fernbeziehung, doch dann wurde Yarima von einer Gruppe Männer über Wochen verprügelt und vergewaltigt. Good überredete seine Frau zu ihm nach Philadelphia in den USA zu ziehen und kurz danach erwarteten die beiden ein Kind. Bei der Geburt gerät Yarima in Panik: Die Ärzte, das Krankenhaus, die Medikamente waren einfach zu viel für sie. Schließlich empfing sie ihren Sohn im Hocken in der Zimmerecke.

Kulturschock

Die Geschichte der kleinen Familie geriet in die Medien, sogar Filmangebote aus Hollywood trudelten bei Good ein. "Ich fühlte mich mächtig und bewundert", schilderte Kenneth der "New York Post". "Alle wollten mich. Ich war auf Augenhöhe mit Schauspiel-Stars wie Al Pacino, Robert de Niro oder Robert Redford. Richard Gere rief mich an und wollte die Rechte an unserer Geschichte." Doch für Yarima war der Medienrummel eine Qual - ebenso wie das Tragen von Kleidung, die fehlende Geborgenheit innerhalb ihres Stammes und vieles mehr in der für sie unbekannten, Angst einflößenden Welt. Dennoch gebärt Yarima ihrem Mann noch zwei weitere Kinder.

Als die beiden aufgrund einer Dokumentation zum Amazonas reisen, entscheidet sich Yarima, zu ihrem Stamm zurück zu kehren. Die Kinder ließ sie bei ihrem Mann - eine Erklärung warum sie die Familie verließ, bekamen diese nicht.

Sohn leidet unter Abwesenheit seiner Mutter

Besonders für Sohn David hatte dies Folgen: Als er mit 10 die Wahrheit über das Verschwinden seiner Mutter herausfand, erlitt er einen Zusammenbruch. Mit 14 Jahren wurde er alkoholsüchtig. "Kurz vor dem Blackout habe ich angefangen zu heulen – jedes Mal. Ich wachte irgendwo auf und schämte mich. Mein Vater weiß bis heute nichts davon." Mit 21 schaffte Good den Absprung und beschloss seine Mutter zu suchen. Drei Jahre lang sparte er für sein Flugticket und die Dschungel-Ausrüstung. Zwischen Angst und freudiger Erwartung machte er sich 2011 endlich auf zum Stamm seiner Mutter. "Ich wusste einfach nicht, was mich erwartet. Würde sie sich freuen, mich zu sehen? Oder würde sie mich wegstoßen?", erzählte Good im Interview weiter.

Das Wiedersehen nach 20 Jahren

Doch am Tag seiner Ankunft, zwanzig Jahre nachdem ihn seine Mutter verlassen hatte, schloss ihn Yarima freudestrahlend in die Arme. "Ich wusste sofort: Ich bin ihr Sohn. Ich legte meine Hand auf ihre Schultern, weil ich mich nicht traute, sie zu umarmen. Dann flüsterte ich: 'Mama, ich bin endlich zu Hause'. Wir mussten beide weinen."

Mittlerweile hat David das gemeinnützige Projekt "The Good Project" ins Leben gerufen. Er möchte damit ein Bewusstsein für das Leben von Urwald-Völkern schaffen.

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