Italien von

Amanda Knox: Heute soll
(wieder einmal) ein Urteil fallen

Mord an britischer Studentin Meredith Kercher auch nach Jahren nicht geklärt

Amanda Knox © Bild: APA/EPA/Pietro Crocchioni

Seit mehr als sieben Stunden berät das Gericht in Florenz bereits, um ein Urteil im dritten Mordprozess gegen Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito zu fällen. Bereits Donnerstagvormittag zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Eine Entscheidung wird für 19.00 Uhr erwartet.

Während der Italiener Sollecito (29) im Gerichtssaal auf die Gerichtsverkündung wartete, verfolgt die US-Amerikanerin Knox das Urteil mit ihrer Mutter in ihrer Heimatstadt Seattle. Knox' zweiter Verteidiger Carlo Dalla Vedova hatte am Donnerstagvormittag für den Freispruch der Amerikanerin plädiert. Es sei nicht möglich, jemanden zu verurteilen, weil er "möglicherweise schuldig" sei. Die Schuldbeweise gegen Knox seien unzulänglich.

Sollecitos Vater zeigte sich zuversichtlich, dass sein Sohn freigesprochen werde. "Heute hierherzukommen war für Raffaele eine Entscheidung des Mutes und des Respektes gegenüber dem Gericht. Er vertraut in die Justiz", sagte Francesco Sollecito.

Knox und Sollecito müssen sich seit September zum dritten Mal für den Mord an der Britin Meredith Kercher verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, die damals 21 Jahre alte Studentin im November 2007 in Perugia brutal ermordet zu haben. Kercher war halbnackt und von Messerstechen übersät in ihrem WG-Zimmer entdeckt worden. Knox und Sollecito wurden 2009 in erster Instanz in einem Indizienprozess verurteilt und nach vier Jahren im Gefängnis 2011 freigesprochen.

Mord in Perugia - Der Justizkrimi um Amanda Knox:

Die Chronologie der bisherigen Ereignisse

November 2007: Die britische Studentin Meredith Kercher wird in Perugia ermordet aufgefunden. Ein Barkeeper, Kerchers Mitbewohnerin Amanda Knox und deren Freund Raffaele Sollecito werden festgenommen. In Deutschland wird ein weiterer Verdächtiger gefasst und an Italien ausgeliefert, der Barmann kommt frei.

Oktober 2008: Ein Gericht verurteilt den in Deutschland gefassten Mann wegen Mordes zu 30 Jahren Haft. 2009 verringert ein Berufungsgericht die Strafe auf 16 Jahre wegen Beihilfe.

Dezember 2009: Wegen Mordes werden Knox und Sollecito in einem Indizienverfahren zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie beteuern ihre Unschuld.

Oktober 2011: Ein Berufungsgericht spricht beide aus Mangel an Beweisen frei. Knox kehrt in die USA zurück.

26. März 2013: Das Kassationsgericht, die höchste Instanz in Italien, hebt die Freisprüche auf. Der Prozess wird neu aufgerollt.

30. April 2013: Knox' Autobiografie "Zeit, gehört zu werden" (Waiting to Be Heard) erscheint.

30. September 2013: Fast sechs Jahre nach dem Mord beginnt in Florenz ein neuer Prozess gegen Knox und Sollecito. Knox bleibt in den USA.

31. Oktober 2013: Im Prozess geht es um ein neues Gutachten zu DNA-Spuren von Amanda Knox an der möglichen Tatwaffe. Bei der Frage, was diese bedeuten, gehen die Interpretationen auseinander.

6. November 2013: Sollecito beteuert vor Gericht seine Unschuld.

26. November 2013: Der Staatsanwalt fordert lange Haftstrafen für Knox und Sollecito.

17. Dezember 2013: In einem E-Mail an das Gericht beteuert Knox abermals ihre Unschuld.

9. Jänner 2014: Sollecitos Anwältin wirft den Ermittlern vor, die Angeklagten seien nur beschuldigt worden, um die Öffentlichkeit zu beruhigen.

20. Jänner 2014: Am letzten Verhandlungstag fordern die Verteidiger erneut Freisprüche für Knox und Sollecito.

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