Weltreise von

Alternativlos?

Weltreise - Alternativlos? © Bild: Ian Ehm

Entgeistert wirkte Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache. Sie beeilte sich, den Terror von Berlin rasch hinter sich zu lassen, und appellierte bald an die Stärke und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Es war die Standardrede, wie sie Politiker in Europa zuletzt häufiger halten mussten. Doch was nach den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" im Jänner 2015 in Paris noch mutig, tapfer und richtig geklungen hatte, verliert mit jeder weiteren Wiederholung an Kraft. Gerade wenn sich die Wirklichkeit draußen zunehmend von den edlen Worten der Kanzlerin entfernt. "Indem wir unserem Leben und unserer Arbeit nachgehen, sagen wir den Terroristen: 'Sie sind Mörder voller Hass, aber wie wir leben und leben wollen, das bestimmen nicht Sie. Wir sind frei, mitmenschlich, offen'", sagte Merkel.

Zur selben Zeit hatten sich viele Weihnachtsmärkte in Deutschland schon in Trutzburgen verwandelt. Blockiert mit Betonpfeilern, bewacht von Polizisten mit Maschinengewehren, bevölkert nur noch von jenen, die dem mulmigen Gefühl trotzten. Zu Silvester dann eine andere Bedrohungslage, die ein ähnliches Bild produzierte. Im Jahr zuvor war die Polizei daran gescheitert, Hunderte Fälle von sexuellen Übergriffen durch meist nordafrikanische Migranten auch nur im Ansatz zu verhindern. Nun marschierte sie in Kompaniestärke in den Großstädten auf, nahm jeden nur ansatzweise ins Raster passenden Mann in die Mangel und bescherte den so noch feiern Wollenden ein Silvester in einer neuen, bitteren Realität. Am nächsten Tag berichteten Köln und Co. von weit weniger Besuchern und von aggressiven Gruppen, die die Polizei gerade noch im Zaum halten konnte.

Damit verdeutlicht sich das Problem, vor dem Angela Merkel 2017 steht. Es soll das Jahr ihrer Wiederwahl im Herbst sein. Doch bis dahin wird ihr jeder weitere "Vorfall" angelastet werden. Sogenannte kriminelle Intensivtäter, die sich als Flüchtlinge tarnen und an deren Abschiebung der Staat scheitert? Merkels Makel. Jeder potenzielle Terrorist, der wie der Berliner Täter noch dazu mehrere Identitäten besaß und so im deutschen Behördendschungel untertauchen konnte? Merkels Versagen. Sie zahlt, mitunter zu Unrecht, den politischen Preis für die Tage und Wochen des Kontrollverlusts im Spätsommer 2015. Damals stellte die Kanzlerin die Grenzöffnung als " alternativlos" dar. Nur um nicht zugeben zu müssen, dass sie es war, die ein sich über Monate an Europas Grenzen aufbauendes Flüchtlingsdrama anfangs ignoriert, dann unterschätzt und zuletzt befeuert hatte. Nun sind alle "ihre Flüchtlinge" - die mehrheitlich Guten genauso wie die wenigen Bösen. Und das durch sie fremder werdende Deutschland ist auch das von Merkel. Wohl alternativlos.

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