EM 2016 von

Alternative Trainingsmethoden im ÖFB-Team hoch im Kurs

Viele trainieren noch über das eigentliche Training hinaus © Bild: APA (AFP)

Die Zeiten, in denen der durchschnittliche Tag eines Kickers aus einer Einheit auf dem Platz und genügend Freizeit bestand, sind lange vorbei. Für den Profi-Fußballer von heute ist das tägliche Training nur eine von mehreren Etappen auf dem Weg zum großen Ziel, eine möglichst lange und erfolgreiche Karriere hinzulegen.

Ohne zusätzliche Schichten zur Steigerung der eigenen Leistung lässt es sich auf hoher Ebene nicht mehr bestehen. Das ist auch den österreichischen Teamspielern bewusst, die mit den verschiedensten Methoden an ihrer persönlichen Optimierung arbeiten.

Gerade in schwierigen Zeiten spielt auch Mentaltraining eine wichtige Rolle. Marc Janko etwa schwört darauf. "Ich kann dem seit etlichen Jahren einiges abgewinnen." Der Goalgetter wies darauf hin, dass die Hirnforschung noch in den Kinderschuhen stecke. "Man weiß noch so wenig darüber. Darin liegt extrem viel Potenzial, nicht nur bei Sportlern."

Für ihn sei es vor einem Spiel wichtig, positive Bilder im Kopf zu erzeugen. "Der Geist steuert den Körper mit. Im Sport ist man oft Extremsituationen ausgesetzt, da ist es ein ganz großes Thema", sagte Janko. Manchmal absolviert der 32-Jährige mit dem ÖFB-Sportpsychologen Thomas Graw auch autogenes Training. "Da geht es darum, die Regeneration und Entspannung zu fördern."

Der Basel-Legionär hatte in den Wochen vor der EM zwar mit den Folgen einer Muskelverletzung zu kämpfen, generell aber sank in den vergangenen Jahren aber die Anzahl seiner Blessuren. Das führt Janko auch auf ausgewogene Ernährung, genügend Schlaf und Zusatzschichten im körperlichen Bereich zurück.

Aleksandar Dragovic stählt sich ebenfalls durch Extra-Einheiten im physischen Bereich. Von Mentaltraining hält der Innenverteidiger aber relativ wenig. "Wenn es anderen weiterhilft, ist es gut, doch mir persönlich bringt es nichts." Ähnlich äußerte sich Kevin Wimmer. "Ich brauche keinen Mentaltrainer, ich bin selbst mental stark genug", erklärte der Tottenham-Legionär.

György Garics wiederum absolvierte Mentaltraining vor allem in der Anfangsphase seiner Karriere. "Davon habe ich sehr profitiert, die damals erlernten Techniken wende ich heute noch an." Die psychologische Komponente im Fußball könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, meinte der 32-Jährige. "Fußball spielt man zwar mit den Beinen, aber alles geht vom Kopf aus. Wenn man psychisch nicht stark ist, weiß man nicht, wie man mit Siegen oder Niederlagen umgehen muss."

Außerdem praktiziert Garics Yoga und arbeitet viel im Kraftraum und mit Gummibändern, auch im präventiven Bereich, das heißt, um Verletzungen so gut wie möglich zu vermeiden. "Profi-Fußballer zu sein, heißt schon längst nicht mehr, jeden Tag einmal zu trainieren und am Samstag ein Spiel zu haben. Das ist ein Fulltime-Job geworden", betonte der Rechtsverteidiger.

Stefan Ilsanker setzt ebenfalls aus zusätzliches Krafttraining ("Weil ich meinen Gegnern athletisch überlegen sein will") und außerdem auf Quellatmung. "Das ist eine Mischung aus Meditation und Atemübung, damit du in einen Bereich reinkommst, in dem der Körper extrem entspannt."

Im mentalen Bereich arbeitet Ilsanker mit dem früheren Speed-Skifahrer Harry Egger zusammen. "Ich denke, dass mich das schon um einiges weiterbringt. Wir sind alle physisch und taktisch ähnlich gut ausgebildet. Mir kommt es so vor, dass alles Weitere nur über den mentalen Aspekt entschieden wird", vermutete der Mittelfeldspieler.