Hohe Auszeichnung von

Nobelpreis für Edward Snowden

Aufdecker erhält gemeinsam mit Guardian-Herausgeber den Alternativnobelpreis

Snowden © Bild: APA/EPA/GLENN GREENWALD / LAURA POITRAS

Große Ehre für Edward Snowden. Der US-amerikanische Aufdecker teilt sich mit dem Chefredakteur der linksliberalen britischen Tageszeitung "The Guardian", Alan Rusbridger, einen der diesjährigen Alternativen Nobelpreise. Die Verantwortlichen der "Right Livelihood Awards" zogen die Veröffentlichung der Preisträger wegen eines "Leaks" in der Informationskette kurzfristig um 18 Stunden vor. Angeblich.

THEMEN:

Die Stiftung hatte die Preisträger eigentlich am Donnerstag in Presseräumen des schwedischen Außenministeriums bekannt geben wollen. Nachdem er das Ministerium über die Namen informiert habe, habe er kurzfristig eine Absage bekommen, sagte der Direktor der Right-Livelihood-Award-Stiftung, Ole von Uexkull. Ein Sprecher des schwedischen Außenministers Carl Bildt begründete die Entscheidung mit neuen Sicherheitsregeln. Die Räume würden seit dem 1. September als "Sicherheitszone" betrachtet, deshalb könne die Bekanntgabe nicht an gewohnter Stelle stattfinden.

Edward Snowden mutig und kompetent

Carl Bildt nachdenklich
© Kirsty Wigglesworth - WPA Pool/Getty Images) Carl Bildt soll mit der Wahl Snowdens nicht glücklich gewesen sein

Snowden werde geehrt, "weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt", teilte die Stiftung mit. Rusbridger bekomme den Preis "für den Aufbau einer globalen Medienorganisation, die sich verantwortlichem Journalismus im öffentlichen Interesse verschrieben hat und gegen große Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt".

Der "Guardian"-Chefredakteur betonte, er sei "auch froh, dass Snowden einen Preis bekommen hat". In einem Statement per E-Mail erklärte Rusbridger: "Er war ein Whistleblower, der erhebliche Risiken für seine persönliche Freiheit auf sich genommen hat, um der Gesellschaft Dinge mitzuteilen, die die Menschen wissen mussten."

Snowden will nach Schweden kommen

Weder Snowden noch Rusbridger hätten allein das erreichen können, was sie zusammen geschafft hätten, erklärte von Uexküll. "Deshalb geben wir ihnen den Preis gemeinsam." Er habe Snowden vergangene Woche über die Auszeichnung informiert, sagte von Uexkull. "Er hat sich sehr gefreut und würde liebend gern nach Schweden kommen." Das will die Stiftung nun trotz Snowdens Zwangsexil in Russland mit juristischer Unterstützung möglich machen.

"Es ist verrückt, dass Snowden auf Asyl ausgerechnet in Russland angewiesen bleibt", kommentierten in Deutschland die Grünen-Vorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir die Vergabe an den US-Amerikaner. Snowden habe der Welt die Augen geöffnet, "wie sehr unsere moderne Kommunikation ausgespäht wird". Unter anderem vom deutschen Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele wurde Snowden auch für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Preise nach Pakistan und Hongkong

Neben Snowden und Rusbridger ehrt die Stiftung die pakistanische Anwältin Asma Jahangir und Basil Fernando von der asiatischen Menschenrechtskommission für ihren Kampf für Menschenrechte mit der mit je 500 000 schwedischen Kronen (knapp 55.000 Euro) dotierten Auszeichnung. Ein weiterer Preis geht an den US-amerikanischen Umweltaktivisten Bill McKibben sowie die Hongkong-chinesische NGO "Asian Human Rights Commission" (AHRC) und deren politischen Koordinator, den sri-lankischen Juristen und Schriftsteller Basil Fernando.

Der Alternative Nobelpreis, der offiziell Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) heißt, würdigt jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden. Die gleichnamige Stockholmer Stiftung vergibt den Award unabhängig von den traditionellen Nobelpreisen. Die Jury wählte in diesem Jahr aus 120 Kandidaten aus 53 Ländern aus. Überreicht werden die Preise am 1. Dezember im schwedischen Reichstag.

Drei österreichische Preisträger

Bisher drei Mal erhielten den Preis Österreicher: Der aus Vorarlberg stammende brasilianische Bischof Erwin Kräutler wurde 2010 für seinen Einsatz für die einheimische Bevölkerung in seiner Diözese Xingu und sein Engagement gegen das Belomonte-Staudammprojekt geehrt. Vor ihm wurden außerdem, der Ökonom Leopold Kohr und der Zukunftsforscher Robert Jungk ausgezeichnet.

Kommentare