Alte Ideen in neuem Gewand für KMUs:
Einkaufsverband geht auf Partnersuche

Genossenschaftsidee lebt in symbio wieder auf Startschuss für ein Projekt zur Kostensenkung

Alte Ideen in neuem Gewand für KMUs:
Einkaufsverband geht auf Partnersuche © Bild: symbio

Klein- und mittelständischen Unternehmen schlägt am Markt ein rauer Wind entgegen. Mühsam sucht man nach geeigneten Strategien, um sich gegen die großen Konkurrenten zu wappnen. Diese wiederum können auf Marktvorteile verweisen, die kleineren Betrieben nicht zugänglich sind. Neben steuerlichen Begünstigungen können sie auch mit niedrigeren Einkaufspreise durch größere Auftragszahlen rechnen. Der Einkaufsverband symbio versucht seit September auch Klein- und Mittelbetrieben im Einkauf bessere Bedingungen zu erzielen. Ein Gedanke, der in Österreich Tradition hat aber trotzdem nur beschränkt erfolgreich ist.

Fünf Tiroler Unternehmer wollten die Idee der Einkaufsgenossenschaft neu aufleben lassen. Schon vor Jahren schlossen sich die Kleinunternehmer zusammen, um bei Geschäftspartnern bessere Einkaufskonditionen zu erzielen. Diese Idee keimte bei Stephan Grad, nunmehr Kooperationsmanager von symbio, weiter. Die Entwicklung geriet in Innsbruck ins Stocken, sodass er in Wien einen neuen Anlauf unternahm. Anfang September fiel nun der Startschuss für den symbio Einkaufsverband. Mit 20 Kopperationspartnern an Bord will man nun gegen die Mächtigen am Markt bestehen können.

KMU als Wirtschaftskraft
"KMUs sind die größte Kraft am Wirtschaftsmarkt", betont Grad in einem Pressegespräch. "Wir haben symbio gegründet, damit auch klein- und mittelständische Unternehmen gute Gewinne erzielen können." Der Kooperationsmanager unterstreicht die Bedeutung der kleinen Unternehmen für Österreichs Wirtschaft. 61 Prozent der unselbständig Beschäftigten der gewerblichen Wirtschaft sind in einem KMU tätig. Über 99 Prozent der Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft sind Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten.

Trotz dieser tragenden Rolle fühlen sich Unternehmer von klein- und mittelständischen Betrieben am Markt mit unvorteilhaften Bedingungen konfrontiert, wie Dietmar Rößl vom Instiut zur Erforschung von Kooperation und Kooperativen erläutert. Sie leiden vor allem darunter, dass durch Anstellung zusätzlicher Arbeitskräfte kaum fixe Stückkosten reduziert werden könnten. Neben dieser mangelnden Fixkostendegression können außerdem Produktionsfaktoren nur bedingt geteilt werden. "Es gibt somit eine kritische Größe bei Produktionsfaktoren", meint der Wirtschaftsprofessor.

Kooperation kein Allheilmittel
Symbio will mit einer Einkaufsgenossenschaft diese widrigen Wettbewerbsbedingungen etwas ausgleichen. Die Idee von Einkaufskooperationen ist nicht neu. Dennoch hat sich dieses Prinzip nur beschränkt durchsetzen können. Auch Rößl warnt vor überzogenen Erwartungen: "Kooperation ist sicherlich nicht das Allheilmittel." Den Vorteilen der Kooperation stehen nämlich auch Nachteile gegenüber. Zusammenschlüsse machen Management und Kontrolle notwendig. Ein Arbeitsaufwand, der den Nutzen gänzlich aufressen kann.

Ein weiteres Problem liegt wohl darin, dass symbio als Einkaufsgenossenschaft nur auf beschränkte Faktoren der Wettbewerbsbedingungen Einfluss nehmen kann. Die Kosten können in manchen Bereichen durch Kooperation reduziert werden, doch viele der erwähnten Faktoren bleiben davon unberührt.

Trotz aller Widrigkeiten schildert der Kooperationsmanager von symbio gerne seine Visionen. Er möchte bis Mitte nächsten Jahres insegsamt 40 Kooperationspartner mit an Bord holen. Mit Ende des Jahres rechnet er mit 300 bis 500 Mitglieder im Einkaufsverband. Ein wichtiger Schritt für engagierte KMUs, doch der raue Wind am Markt wird bleiben.
(Sebastian Baryli)